Der Mainzer Kirchengeschichtler Sebastian Moll machte sich mit seinen Büchern nicht nur Freunde im Kollegenkreis
Der Mainzer Kirchengeschichtler Sebastian Moll machte sich mit seinen Büchern nicht nur Freunde im Kollegenkreis

Konservativer Theologe im Streit mit Uni

Der konservative Theologe Sebastian Moll hat der zeitgenössischen Theologie „Political Correctness“ bei Themen wie Homosexualität und Umwelt unterstellt. Die Universität Mainz hat nun seine Habilitationsschrift abgelehnt. Der Betroffene sieht darin ein Politikum.

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Mainz hat die Habilitationsschrift des konservativen Theologen Sebastian Moll abgelehnt. In einem Brief Ende Mai teilte ihm der Dekan der Fakultät, Sebastian Grätz, mit, dass seine eingereichte Schrift: „Albert Schweitzer. Meister der Selbstinszenierung“ nach knapp einjähriger Prüfung nicht anerkannt werde.

Moll, der Kirchengeschichte an der Uni Mainz unterrichtet, sieht darin ein Politikum. „Der Fakultätsrat hat bereits im vergangenen Juli versucht, die Eröffnung des Habilitationsverfahrens durch juristische Winkelzüge zu sabotieren“, sagte der promovierte Theologe gegenüber pro. Der Rat sei dann aber von der Rechtsabteilung der Universität daran gehindert worden. „Bedauerlicherweise hat diese Erfahrung das Rechtsempfinden der Fakultät aber nicht geschärft, weshalb sie nun versucht, meine Habilitation durch fragwürdige Gutachten zu verhindern“, erklärte Moll auf seiner Facebook-Seite.

Quantität nicht mit Qualität gleichzusetzen

Die Fakultät argumentiert, alle drei bestellten Gutachter seien zu einem einhelligen Urteil gekommen: Molls Arbeit genüge nicht den Anforderungen an eine Habilitationsschrift. „Es fehlt einfach an Substanz“, erklärte Fakultätsdekan Grätz gegenüber pro. In den Geisteswissenschaften hätten solche Werke in der Regel zwischen 300 und 400 Seiten. Das Manuskript, das Moll eingereicht hatte, habe laut Grätz lediglich 110 Seiten umfasst. „Ein gutes Buch muss noch lange keine gute Habilitation sein“, so der Dekan weiter.

Sein Manuskript habe nach Molls Angaben jedoch 140 Seiten gehabt. „Abgesehen von diesem Fehler bei der Zählung finde ich es ziemlich lächerlich, Quantität mit Qualität gleichzusetzen“, erklärte er. Die Gutachten ließen eher Zweifel an der akademischen Qualifikation der Autoren zu als an seiner eigenen. Moll ist zuversichtlich, dass er die Entscheidung des Fakultätsrates anfechten kann. Sein Anwalt werde Widerspruch einlegen. Da diese Gutachten über sein künftiges Leben entschieden, „müssen besonders strenge Maßstäbe an die Qualität der Gutachten gestellt werden“, schreibt Moll auf seinem Blog, auf dem er den Verlauf der Auseinandersetzung mit der Fakultät dokumentiert.

Kritik an „Political Correctness“

Die Ablehnung seiner Habilitationsschrift kam für Moll nicht gänzlich überraschend. In der Vergangenheit habe es bereits mehrfach entsprechende Drohungen gegeben. Moll hatte bereits 2011 mit seinem Buch: „Jesus war kein Vegetarier“ für Aufsehen und Unmut unter seinen Kollegen gesorgt. Darin prangert er die „Political Correctness“ der zeitgenössischen evangelischen Theologie an und bescheinigt der Disziplin eine tiefe Sinnkrise. Die Bibel werde von protestantischen Theologen und Vertretern der evangelischen Kirche bei vielen gesellschaftlich relevanten Themen wie etwa Homosexualität, Frauenordination oder Umweltschutz völlig verzerrt. Nach einem Interview in der Zeit-Beilage Christ und Welt hatten sich fünf seiner Mainzer Kollegen mit einer Erklärung öffentlich von Molls Kritik an den Kirchenleitungen in Deutschland sowie seinen Einschätzungen zur Theologie als wissenschaftlicher Disziplin distanziert.

An den Mainzer Fakultätsrat hat Moll derzeit nur eine Botschaft: „Mit Christus Jesus rufe ich den werten Herren zu: ‚Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!‘“, ist auf seiner Facebook-Seite zu lesen. (pro)

Von: ses

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