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Jesus sein im Computerspiel

Im Computerspiel „I Am Jesus Christ“ schlüpft der Spieler in die Rolle von Jesus. Eine erste Testversion zeigt: Es macht Spaß, Jesus zu sein.
Von Jörn Schumacher
"I Am Jesus Christ", Computerspiel

Foto: SimulaM/PlayWay; Screenshot PRO

Im Computerspiel „I Am Jesus Christ“ muss der Spieler in der Rolle von Jesus Johannes den Täufer finden, um sich taufen zu lassen

Pünktlich zur Weihnachtszeit ist es fertig geworden: Vom lange angekündigten Computerspiel „I Am Jesus Christ“ gibt es eine erste Testversion. Es lag eigentlich auf der Hand: Während es bereits unzählige Verfilmungen und Bücher über das Leben Jesu gibt, fehlte bislang ein größeres Computerspiel. Diese Lücke wird nun geschlossen.

In „I Am Jesus Christ“ wird der Spieler zu Jesus; er lässt sich zunächst von Johannes dem Täufer im Jordan taufen, kämpft in der Wüste gegen Satan, hilft Petrus und Andreas beim Fischen und heilt Menschen. In der kostenlosen „Prolog-Version“ des Spiels, die zum Testen gedacht ist, können Interessierte die ersten sechs Kapitel durchspielen. Man lernt dabei böse Mächte zu besiegen, Gegenstände zum Schweben zu bringen und Wasser in Wein zu verwandeln.

Hier und da hapert es manchmal noch mit der Technik in dieser Version mit rund einer Stunde spielbarem Material, doch das Ganze macht jetzt schon Spaß. Die Grafik ist annehmbar, die Landschaften und Dörfer sind durchaus historisch glaubwürdig. Bisher gibt es das Spiel nur in englischer Sprache. Die Stimme des Erzählers ist offensichtlich an die des amerikanischen Schauspielers Morgan Freeman angelehnt – Freeman spielte in „Bruce Allmächtig“ Gott.

Der Spieler kommt an verschiedene Orte, an denen Jesus gewirkt hat. Zu jedem Kapitel wird die entsprechende Bibelstelle eingeblendet und vorgelesen. Kurz: Dieses Spiel hat durchaus das Zeug dazu, Bibel-Unkundigen die Geschichten des Neuen Testamentes näherzubringen.

Kampf gegen Viren

Natürlich kann man darüber streiten, ob es angebracht ist, so etwas Heiliges wie den Bibeltext zu einem Computerspiel umzufunktionieren. Doch wie in anderen Computerspielen auch lernt der Spieler hier etwas. Und es ist durchaus interessant, einmal die Perspektive Jesu einzunehmen, der im Spiel etwa das schöne Dorf Nazareth und seine Mutter verlassen muss, um viele Anfeindungen zu erleben, um schließlich die Menschen zu retten.

Der Spieler lernt, die Kraft des Heiligen Geistes „aufzuladen“, Wasser in Wein zu verwandeln und sogar im Blutstrom eines kranken Kindes gefährliche Viren zu bekämpfen. Eine der schwierigsten Herausforderungen: Dem Satan in der Wüste widerstehen.

Das Spiel für eine Person in der Ich-Perspektive ist für Windows-Computer geeignet. Es stammt von den Entwicklerstudios SimulaM und PlayWay aus Warschau. Ein Reporter des Magazins Vice, der das Spiel vorab testete, schrieb: „Das Spiel hat unfassbar viel Meme-Potenzial.“ Sprich: Eventuell werden in Zukunft kleine Bildchen und Videoclips aus dem Spiel mit lustigen Sprüchen versehen im Internet auftauchen. Maksym Vysochanskiy, Chef des Entwicklerstudios SimulaM, sagte dem Magazin: „Das passierte schon beim Trailer.“

Die Idee zu dem Spiel habe er bereits vor über 20 Jahren gehabt, sagte Vysochanskiy. „Jemand musste dieses Spiel einfach machen.“ Immerhin gebe es zu den Geschichten um Jesus ja auch bereits unzählige Filme und Bücher.

In einem Computerspiel tauchte Jesus wahrscheinlich erstmalig prominenter im Jahr 2017 auf: In dem Spiel „Fight of Gods“ des taiwanesischen Entwicklers „Digital Crafter“ müssen verschiedene Hauptfiguren bestimmter Religionen gegeneinander im Nahkampf antreten. In Singapur und Malaysia wurde das Spiel wegen Blasphemie verboten.

Videospiele zu Noah und Mose geplant

Die ersten Nutzer von „I Am Jesus Christ“ sind positiv überrascht von der Machart des Spiels. In einem Forum stellte ein Spieler fest: „Das Coole ist, wenn man am Kreuz stirbt, taucht man später an einem anderen Ort wieder auf (im Gamer-Jargon „re-spawning“ genannt).“ Ein anderer antwortete: „Stimmt, so gesehen ist man in fast jedem anderen Computerspiel irgendwie immer Jesus.“ Ein weiterer Nutzer scherzt: „Hoffentlich ist Jesus hier ein heterosexueller, weißer, konservativer, männlicher, antikommunistischer Befürworter des freien Marktes, sonst werde ich es nicht spielen.“

Das Spielkonzept funktioniert durchaus, man erlebt eine Mischung aus unterhaltsamem Gameplay und biblischer Nachhilfe. Jesus selbst bekommt man nicht zu Gesicht, da man ja ihn als Spieler verkörpert. Das Spiel könnte vielleicht noch etwas Humor vertragen, die Botschaft des Neuen Testaments ist hier jedenfalls – erstmalig in einem Computerspiel – seriös umgesetzt.

Die polnischen Entwickler haben übrigens bereits die nächsten Bibel-basierten Computerspiele im Visier. PlayWay plant bereits die Veröffentlichung des Spiels „Moses: From Egypt to the Promised Land“ über den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten, und SimulaM arbeitet an einem Spiel namens „Noah’s Ark“, eine Simulation rund um den Bau der Arche.

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8 Antworten

  1. Die Menschen machen Gott gewöhnlich und wissen nicht was sie tun. Dieses Spiel ist
    Gotteslästerung ohne Ende.
    L.G. Martin Dobat

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    1. Also ist es für Sie gewöhnlich, Wasser in Wein zu verwandeln? Oder ein anderer Gedanke: Ist moderne Medizin für Sie Gotteslästerung, weil Jesu Menschen geheilt hat?
      Das ist meiner Meinung nach etwas zu kurz gedacht und ich finde es eine gute Sache, Jesus Leben auf diese künstlerische Art näher erfahrbar zu machen.

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  2. Gegen moderne Formen den Glauben zu vermitteln hat niemand. Nur: wir können nicht Gottes Sohn sein, auch nicht in der Fantasie. Jesus hatte auch hier auf der Erde eine intensive Beziehung zu seinem himmlischen Vater seit Beginn der Zeiten. Das kann nichts ausgleichen. Und: Wunder kann man nicht lernen. Die teilt Gott nach seinem Willen zu. So zieht man Jesus auf die nur menschliche Ebene herunter und wertet die Größe von Jesus ab. Wenn das ausgerichtet werde in Richtung von” ich erlebe Jesus” wäre das ja o.k., aber so?

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    1. Zunächst mal Danke für deinen Kommentar. Der ist reflektiert und regt zur Diskussion an.
      Du zeigst mMn auf, wo die Schwierigkeit dieses Games liegt: Das Leben Jesu und die von ihm vollbrachten Wunder sind irgendwie nicht mit einem Adventure-Game vereinbar, in dem man vorgeprägte Aufgaben erfüllen muss. Ich denke mal, dass Jesus in den jeweiligen Situationen auch noch nicht oder selten wusste, was da jetzt auf ihn zukommt und was er da zu tun hatte. Er sagte mal: Joh 5:19 … Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn. (Rev.Elb.) Ich verstehe das so, dass Jesus zumeist in der Situation in Gänze von der Inspiration durch den Heiligen Geist abhängig war.
      In dem Game aber werden diese Wunder nachgestellt. Problem für den Spieler, der sich in der Rolle Jesu befindet: wer die Bibel kennt, kennt den Lösungsweg?
      Ich stimme dir zu, ein möglicherweise besserer Weg wäre die Rolle eines, evtl, weniger bekannten, Jünger Jesu einzunehmen und in der Begleitung Jesu seine Gamechallenges zu finden. Der Lerneffekt wäre womöglich gleich, wenn nicht besser. Oder?

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  3. Du sollst den Namen des Herrn ,deines Gottes nicht mißbrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen der seinen Namen mißbraucht. (2. Mose20,7)

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  4. Das hat schon jahrhundertelange Tradition: Wenn einem Gläubigen etwas suspekt ist oder nicht ganz in seine fromme Vorstellung passt, muss gleich die Gotteslästerungskeule raus? Das Problem könnte hier aber sein, dass alles Mögliches als Gotteslästerung zu bezeichnen, selbst Gott auf ein individuelles menschliches Niveau zieht. Dies zu tun könnte man womöglich auch als eine Art Gotteslästerung verstehen, oder? Ist Gott nicht mehr und erhabener als dein individuelles frommes Empfinden?

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  5. ” Es macht Spaß, Jesus zu sein.” Es gibt einfach nichts mehr, was es nicht gibt – nichts mehr. Nichts ist dem säkularisierten Menschen noch heilig, nichts. Es ist wie im Garten Eden, als die Schlange spricht: Sollte Gott gesagt haben? Bis heute, Jahrtausende später, hat sich an der Verführung der Schlange, also des Satans, nichts geändert. Der Mensch verspielt sein ewiges Heil.

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    1. Das hängt vermutlich damit zusammen das niemand mehr darüber spricht warum Jesus überhaupt in die Welt gekommen ist. Die meisten kennen ja noch nicht einmal mehr die 10 Gebote. Wie sollen die Menschen erkennen das sie Sünder sind und Erlösung benötigen?

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