Der Religionssoziologe Detlef Pollack sieht in einigen Ländern ökonomische Interessen als Grund für religiöses Interesse
Der Religionssoziologe Detlef Pollack sieht in einigen Ländern ökonomische Interessen als Grund für religiöses Interesse

Durch Wohlstand nimmt die Kirchenbindung ab

An die eigene Religionszugehörigkeit ist in vielen Ländern die Hoffnung auf Wohlstand verbunden. Ist dieser Wohlstand in einem Land erreicht, nimmt die Bindung an Kirchen wieder ab. Das schreibt der Religions- und Kultursoziologe Detlef Pollack in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Seit der Nachkriegszeit hätten die beiden großen Kirchen in Deutschland das Image von autoritären Institutionen, von der sich ein auf Autonomie und Selbstverwirklichung achtender Bürger zu emanzipieren hatte, schreibt Pollack. „Viele halten die Kirchen für unglaubwürdig und kündigen ihnen das Vertrauen auf.“ Dennoch bedeute das nicht ein Schwinden der Religiosität oder der Spiritualität.

Pollack, der seit 2008 Professor für Religionssoziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist, sieht eine Rückkehr zu Religion außerhalb der Kirchen, jedoch keinen Rückgang der Spiritualität. „Das Christentum ist weithin akzeptiert, aber was ein Großteil der Bevölkerung nicht möchte, ist, dass es sich absolut setzt, dass es sich als den einzigen und letztgültigen Wert darstellt“, sagte Pollack dazu im Interview mit dem Christlichen Medienmagazin pro (6/2013).

Im April ist seine zusammen mit Gergely Rosta geschriebene Studie „Religion in der Moderne. Ein internationaler Vergleich“ im Campus-Verlag erschienen. In der FAZ schreibt Pollack: „Die Wahrscheinlichkeit individueller Religiosität steigt nicht mit dem Abstand zur Institution Kirche, sondern mit der Einbindung ins kirchliche Leben, dem Besuch des Gottesdienstes, dem personalen Kontakt zum Pfarrer und der Beteiligung an kirchlichen Gemeinschaftszusammenhängen. Allerdings nimmt sie ab, wenn die kirchliche Einbettung als bevormundend erlebt wird.“

Wenn religiöse und ökonomische Interesse Hand in Hand gehen

Wenn sich religiöse Identitäten mit politischen Interessen oder dem Interesse am ökonomischen Aufstieg verbinden lassen, komme dies den Kirchen zugute, schreibt der Soziologe. „Das erklärt die Attraktivität der Pfingstkirchen in Lateinamerika oder der protestantischen Kirchen Südkoreas, die bei ihren Mitgliedern mit einer disziplinierten Lebensführung für mehr Wohlstand und einen sozialen Aufstieg sorgen.“ Er fügt hinzu: „Doch sobald die mit Hilfe der religiösen Gemeinschaften angestrebten politischen und ökonomischen Ziele erreicht sind, geht das kirchliche und religiöse Engagement zurück.“

Mit dem Ausbau des Sozialstaats sowie des Schul- und Universitätssystems, mit der Erhöhung des allgemeinen Wohlstandsniveaus bestehe für die Nutzung kirchlicher Kanäle „keine Notwendigkeit mehr, da für politische Partizipation, schulische Ausbildung und soziale Hilfe andere Mittel und Wege bereitstehen. Dies gilt für die meisten Länder Westeuropas in den prosperierenden Jahrzehnten nach 1945“. (pro)

Von: js

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