Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI): Yassir Eric

„Die Meinungsfreiheit in Deutschland motiviert mich jeden Tag“

Die Themen Migration und Integration sind längst angekommen in der Mitte unserer Gesellschaft. Die Vielkultur ist heute jeden Tag präsent in Kindergärten, Schulen, in Krankenhäusern und natürlich in der Wirtschaft. Um dieser gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen, hat die Akademie für Weltmission Korntal am Dienstag ein neues Institut gegründet, das die Integration von Migranten fördern will.

Die Frage lautet: „Wer ist der andere?“ – auch zwischen Kirchen und Gemeinden. Nach Ansicht des Rektors der Korntaler Akademie für Weltmission (AWM), Traugott Hopp, kocht man hier immer noch zu oft sein eigenes Süppchen. „Große Berührungsängste bestehen nicht nur mit den alten Kirchen wie den Kopten, die bei uns zuhause sind. Auch mit den jungen Kirchen aus Afrika und Asien mit ihrer ursprünglichen Spiritualität ist es noch ein weiter Weg bis zu einer guten Zusammenarbeit“, meint er.

Doch theoretische Erwägungen bringen nichts, wenn Lösungen für das tägliche Zusammenleben gefragt sind. Nachdem immer wieder konkrete Anfragen von Menschen aus der Praxis, Gemeinden aber auch von säkularer Seite an die AWM gerichtet wurden, sie möge mit ihrer internationalen Kompetenz zur Seite stehen, will die Fort- und Weiterbildungseinrichtung von rund 150 Missionsgesellschaften in Deutschland und der Schweiz nun einen neuen Impuls für gelingende Integration geben. Im Mai gründete sie das „Europäische Institut für Migration, Integration und Islamthemen“ (EIMI). EIMI bietet nach dem Motto „begegnen, begleiten, beraten“ eine Weiterbildung zum „Integrationsbegleiter“ sowie praxisrelevante Vorträge und Beratungen an. Das Institut will außerdem europaweit Projekte im Bereich Migration und Integration vernetzen und die Forschung und Publikationen zum Islam, Migration und Integration fördern. EIMI startet im Bereich „Weiterbildung“ mit einer modularen Ausbildung von neun Tagesseminaren und einem Praxisprojekt, das sich die Teilnehmer je nach Interessenlage selbst wählen können.

„Migration ist keine Einbahnstraße“

EIMI-Leiter Yassir Eric beschrieb bei einem Pressegespräch am Dienstag in Korntal seinen eigenen Weg in die deutsche Gesellschaft. Die Geschichte des 41-Jährigen könnte man geradezu als „Bilderbuch-Integration“ bezeichnen. Das Erfolgsrezept: Seine klare Entscheidung „Integration ohne Assimilation“, denn: „Meine Kultur trage ich in mir und gebe sie an meine Kinder weiter.“ 1999 kam er aus dem Norden des Sudan nach Deutschland. Seine Muttersprache ist Arabisch. Deutsch musste er erst mühsam lernen. „Das war selbstverständlich für mich, weil ich ja freiwillig nach Deutschland gekommen war“, sagte er. Aber von Anfang an war ihm das Geschenk, in einer freiheitlichen Gesellschaft leben zu dürfen, diese Mühen wert. „Die Meinungsfreiheit, die in Deutschland herrscht, motiviert mich jeden Tag“, sagte Eric. In dem von einem zermürbenden Bürgerkrieg geschundenen Sudan hat er das ganz anders erlebt. Hier habe es keine Plattform für ehrliche und freie Diskussionen in einer zum Glaubenskrieg stilisierten Konfrontation gegeben. Aus seiner Geschichte leitet er auch seine Sicht von Integration ab: „Auch die Migranten haben Verantwortung. Migration ist keine Einbahnstraße. Man hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.“

Seine Geschichte, die Geschichte vieler Migranten, die angekommen sind, prägt auch das neue Institut. Schon heute ist er vielgefragter Redner auf Kongressen und in Gemeinden im In- und Ausland. „Ich lasse die Menschen wissen, wer ich bin. Das sorgt für große Offenheit.“

„Es gibt keinen Grund für Ghettos“

EIMI versteht sich vor allem als Plattform, die Menschen an einen Tisch bringt, Vertreter der Mehrheitsgesellschaft wie Migranten. „Wir haben keine fertigen Rezepte oder Antworten“, sagt Yassir Eric. „Wir wollen aufeinander hören und ehrlich in den Dialog eintreten. Es gibt keinen Grund für Ghettos in unserer Gesellschaft. Wir können offen miteinander umgehen und Probleme ansprechen.“ Zu diesem offenen Umgang gehört auch die selbstkritische Auseinandersetzung der Mehrheitsgesellschaft und der Migranten mit sich selbst, die er sich besonders von Vertretern von Islamverbänden wünscht. Im Spiegel des anderen biete sich die große Chance, die eigene Kultur und Identität besser kennenzulernen. „Das wir so über uns selbst nachdenken können“, ist Yassir Eric überzeugt, „ist das größte Geschenk unserer offenen Gesellschaft.“

Der offizielle Auftakt des Instituts findet am am 29. Mai im Gemeindezentrum der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal statt. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0711/83965211 bis zum 24. Mai möglich. (pro)

Von: Manuel Liesenfeld

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