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Journalismus

Heribert Prantl in der Kritik

Der Journalist Heribert Prantl ist in die Kritik geraten. In einem Porträt Andreas Voßkuhles beschreibt er eine Szene beim Abendessen im Hause des Verfassungsrichters. Wie sich jetzt herausstellte, war Prantl aber nicht selbst dabei.


Der "Focus" zitiert eine Passage aus Prantls Text. Da schreibt er über Voßkuhle: "Die Küche ist sein Lieblingsort – der Ort, an dem das Fleisch geklopft, der Fisch entgrätet, das Gemüse gegart und das Essen abgeschmeckt wird. Man muss ihn am Küchentisch erleben. Man muss erleben, wie er ein großes Essen vorbereitet." Das klingt gut – doch Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung", hat das nicht selbst erlebt. Eine Sprecherin des Bundesverfassungsgerichts hatte das gegenüber dem "Tagesspiegel" erklärt, Prantl selbst räumte es daraufhin im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" ein. Die in Reportagemanier geschriebene Szene sei das "Produkt anschaulicher Schilderungen prominenter Teilnehmer", zitiert ihn der "Focus" und überschreibt den Text mit dem Zitat eines Lesers: "Pfui Prantl! Wasser predigen, Wein trinken".

Prantl ist nicht der erste deutsche Journalist, der in einem Porträt den Eindruck erweckt, eine Szene selbst erlebt zu haben, tatsächlich aber nicht vor Ort war. 2011 wurde dem "Spiegel"-Autor René Pfister der Henri-Nannen-Preis für das Horst Seehofer-Porträt "Am Stellpult" wieder aberkannt, nachdem bekannt geworden war, dass dieser eine Szene im Keller des CSU-Politikers beschrieb, die er selbst nicht miterlebt hatte. Die Jury begründete ihre Entscheidung damals damit, dass der 1974 geborene Pfister seine Quellen für die Schilderung hätte angeben müssen. "Die Glaubwürdigkeit einer Reportage erfordert, dass erkennbar ist, ob Schilderungen durch die eigene Beobachtung des Verfassers zustande gekommen sind oder sich auf eine andere Quelle stützen, die dann benannt werden muss", hieß es in einer Erklärung. Der Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Kurt Kister, "Geo"-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher und "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron votierten damals gegen eine Aberkennung.

Ähnlich liegt der Fall nun bei Prantl. Der 59-Jährige ist aber, anders als Pfister, ein Urgestein des deutschen Journalismus und lehrt andere im ethischen Handeln seiner Zunft. Prantl ist Dozent an den Journalistenschulen in Hamburg und München, Mitglied des Ethikrates der Hamburger Akademie für Publizistik und Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland. (pro)


VON: pro | 30.07.2012

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Kommentare [1] >>>

  • Hartmut Elkemann-Reusch | 10.08.2012 10:59:06

    Als es darum ging, den Bundespräsidenten Christian Wulff in ehrverletzender Weise herabzuwürdigen, hat sich besonders Heribert Prantl hervorgetan. Herr Prantl wusste in sogenannten Talkshows immer alles, was Wulff getan hatte und er wusste es immer besser als andere und wenn ich dann hier lese, dass Herr Prantl u.a. als Dozent an der Journalistenschule in Hamburg lehrt, dann stelle ich mir die Frage, wie ehrlich wird unser künftiger Journalismus sein? Denn für mich steht fest, sollte Herr Wulff durch die StA Hannover nicht angeklagt werden, wird Prantl sich niemals bei Wulff für seine Diffamierungen entschuldigen. Das traue ich Herrn Prantl nicht zu!

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