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„Vordenker“: Die Welt mit KI besser machen

Künstliche Intelligenz bedeutet: Computer können selbständig lernen und komplexe Entscheidungen treffen. Das kann Leben retten, findet Tech-Pionier Sebastian Thrun aus dem Silicon Valley. Für seine zukunftsweisende Forschung erhielt er den „Vordenker-Preis“.
Von Jonathan Steinert
Sebastian Thrun, Vordenker-Forum 2022

Foto: PRO/Jonathan Steinert

Sebastian Thrun ist CEO des Unternehmens Kitty Hawk, das Flugtaxis entwickelt. Zuvor hat er unter anderem bei Google gearbeitet. Außerdem hat er die digitale Lernplattform Udacity gegründet.

Künstliche Intelligenz (KI) kann Menschen helfen, besser und kompetenter zu werden. Davon ist Sebastian Thrun überzeugt. Der Tech-Pionier hat im Silicon Valley unter anderem an selbstfahrenden Autos geforscht und entwickelt jetzt mit seinem Start-Up Kitty Hawk autonome Flugtaxis. Am Donnerstag erhielt er in Frankfurt am Main den „Vordenker-Preis“ des christlich orientierten Finanzdienstleisters Plansecur.

„Ich sehe uns in 50 Jahren in völlig anderen Jobs: Es wird weniger Piloten geben, aber Flugzeuge werden sicherer sein. Es wird weniger Autofahrer geben, aber die Autos werden sicherer sein“ – dank KI. Das betonte Thrun in seinem Vortrag im Rahmen der Preisverleihung. „Computer können einen Unterschied machen, um Menschenleben zu retten“, zeigte er sich überzeugt. „Eine starke Bejahung von Technologien zusammen mit verantwortungsvoller Nutzung von Technologien ist der richtige Weg nach vorn“, sagte Thrun, der in Deutschland geboren wurde und in Bonn und Hildesheim studiert hat.

KI bedeute dabei, dass Computer nicht nach vorgegebenen Regeln arbeiten, sondern anhand von Daten und Beispielen selbst lernen und dadurch in der Lage sind, komplexe Entscheidungen zu treffen. Auch in der Medizin könne KI Ärzten bei Diagnosen unterstützen, vor allem bei lebensbedrohlichen Krankheiten, die nicht sofort Symptome aufweisen – etwa Krebs oder Fehlfunktionen des Herzens.

Thrun verwies auf eine Studie, derzufolge Künstliche Intelligenz mit derselben Genauigkeit Hautkrebs erkennen kann wie beste Hautärzte. Auch könnten selbstlernende Systeme Aufgaben übernehmen, die aus sich wiederholenden Tätigkeiten bestehen. Menschen hätten dadurch mehr Kapazitäten, die sozialen Aspekte zu stärken.

KI ist kein Wesen

Dieses Argument unterstützte in einer anschließenden Podiumsdiskussion die Informatik-Professorin Katharina Morik von der TU Dortmund. Durch KI könne Arbeit produktiver, sicherer und umweltfreundlicher gestaltet werden. Das könne den Menschen mehr Zeit, etwa für ihre Familien, verschaffen. Gleichzeitig betonte sie: „Menschen sind Wesen. Das ist ein fundamentaler Unterschied zur KI.“ Künstliche Intelligenz beziehe sich immer nur auf bestimmte Fähigkeiten. „Ein Schachcomputer kann nicht kochen“, verdeutlichte sie am Beispiel. Zu einem Wesen mit Bewusstsein gehöre jedoch mehr.

Dass der Mensch mehr sei als Intellekt, betonte der Theologe und Ethiker Stefan Holthaus: „Er ist Persönlichkeit, er hat Gefühle, Empathie, kann Dinge komplexer beurteilen als nur durch Intelligenz – er kann auch weise sein.“ Darin spiegele sich die Ebenbildlichkeit Gottes wider. Die Grenze zwischen Mensch und Maschine müsse klar markiert bleiben, betonte der Rektor der Freien Theologischen Hochschule in Gießen. Dabei müsse der Mensch die übergeordnete Instanz gegenüber der Maschine sein, damit die technologische Entwicklung kontrollierbar bleibe.

Zudem forderte Holthaus international durchsetzbare ethische Standards für den Einsatz von KI. Auch die Forschung selbst sollte ethischen Maßstäben genügen und dem christlichen Menschenbild folgen. „Innovation braucht Geländer, innerhalb dessen gibt es große Freiheiten. Innovation war immer nur erfolgreich, wenn es Leitlinien gab, die zum Erfolg für möglichst viele Menschen geführt haben und nicht nur für einige.“

Er warb dafür, für einen gemeinsamen gesellschaftlichen Werte-Konsens wie Freiheit, Gewaltlosigkeit und Menschenwürde zu kämpfen, auch wenn diese in Teilen der Welt und auch in manchen liberalen Demokratien infrage stünden.

Technologie wird den Menschen ergänzen

Jürgen Stark, scheidender Jury-Vorsitzender des Vordenker-Preises, würdigte den diesjährigen Preisträger Thrun als einen, der „das Leben der Menschen mit seinem Denken ‚outside the box‘ besser machen“ wolle. Plansecur-Geschäftsführer Johannes Sczepan erklärte, für Thrun stehe „stets der Mensch im Mittelpunkt“. Das zeige sich an seiner Überzeugung, „dass Künstliche Intelligenz den Menschen nicht etwa ersetzen, sondern ihn ergänzen wird“. Das Preisgeld beträgt 20.000 Euro und wird für einen karitativen Zweck verwendet.

Plansecur zeichnet im Rahmen des „Vordenker Forums“ seit 14 Jahren Persönlichkeiten aus, „die maßgeblich an der Zukunft unserer Gesellschaft mitwirken“. Vorherige Preisträger waren unter anderem der Politologe und Islam-Experte Bassam Tibi, der Leiter der Arbeitsagentur und des Bundesamtes für Flüchtlinge und Migration Frank-Jürgen Weise und der Theologe Wolfgang Huber. Zudem vergibt Plansecur einen „Young Innovators Award“. Der ging in diesem Jahr an Diego R. Kinzig für eine wissenschaftliche Arbeit über Effekte des Europäischen CO2-Emissionshandels.

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6 Antworten

  1. Eine KI ist gut, richtig und sinnvoll, wenn …

    … die anfallenden personenbezogenen Daten dauerhaft und nicht-mehr-wiederherstellbar von den Personen entflochten sind;
    … die anfallenden personenbezogenen Daten nicht dazu führen, die Personen in irgendeiner Weise positiv bzw. negativ zu bewerten;
    … die anfallenden personenbezogenen Daten nicht dazu führen, den Menschen ihre Würde zu nehmen;
    … die Algorythmen für JEDERMANN offengelegt sind und nachvollziehbar sind;
    … Entscheidungen GRUNDSÄTZLICH immer von Menschen getroffen werden und diese Entscheidungen auch grundsätzlich revidiert werden können.

    Eine KI darf KEINESFALLS zur Überwachung und Klassifizierung von Menschen führen (s. Social-Score-System in China).

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  2. Die gesamte Digitalisierung wird das Leben der Menschen in nie dagewesener Weise verschlechtern. Ich kann nur staunen über solche Blauäugigkeit. Da war im letzten “SPIEGEL” (Nr. 37, S. 52-53) wirklich hellsichtigeres zu lesen:
    “Dieser umfassende digitale Zugriff auf unser Denken, Wünschen und Handeln wäre selbst dann bedrohlich, wenn man die Chance hätte, sich ihm zu entziehen. …
    Verschärft wird die … Durchdigitalisierung der Gesellschaft dadurch, dass sie keinen Bereich des Lebens ausspart..
    Auch deshalb ist das so gefährlich, weil [sie] uns als Person selbst zu verändern droht, unser Denken, unsere Gefühle, unsere Wünsche….
    Karl Marx und Friedrich Engels konnten angesichts der Industrialisierung noch zwischen Basis, Überbau und Bewusstseinsformen unterscheiden. Die Basis war dabei die »ökonomische Struktur der Gesellschaft«, der Überbau »die rechtlichen und politischen Einrichtungen« und die Bewusstseinsformen die »religiösen, philosophischen und sonstigen Vorstellungsweisen«. [Mit] der DigitaInlisierung ist diese Trennung obsolet. Hier wird alles eins: Produktionsweise, Staat, Weltanschauung, Zeitgeist… Digitalisierung amalgamiert das wirtschaftliche System mit den staatlichen Institutionen, der Kultur und der Alltagsideologie zu einer stahlharten Legierung, die jedes Handeln und Leben nur im Rahmen ihrer eigenen Logik zulässt.” Ich selbst habe bereits vor ca. fünf Jahrzehnten vor dieser Entwicklung gewarnt bzw. darauf aufmerksam gemacht,dass sich hier biblische Prophetie erfüllt: https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/07/08/was-ganz-gewiss-auf-uns-zukommt/

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  3. Nachreichung:

    Weil ich gestern China im Zusammenhang mit dem obigen Artikel erwähnte:
    Das folgende – so schrecklich es auch ist – nur am Rande als Beispiel, wie KI bzw. Digitalisierung zu einem diktatorischen Machtinstrument missbraucht werden kann.

    “China sammelt massenhaft DNA in Tibet

    Forscher*innen der Universität von Toronto untersuchen in einer Studie, wie chinesische Behörden massenhaft DNA-Daten der tibetischen Bevölkerung sammeln. Die Erfassung bildet einen wichtigen Baustein der chinesischen Repressions- und Überwachungspolitik.
    (…)”
    So beginnt ein heutiger Artikel, welcher unter
    https://netzpolitik.org/2022/ueberwachung-china-sammelt-massenhaft-dna-in-tibet/
    nachzulesen ist.

    Man muss dazu wissen, daß die gegenwärtige Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China völkerrechtlich umstritten ist und seit 1959 eine tibetische Exilregierung exitiert, welche offiziell nicht anerkannt ist, aber von vielen Ländern unterstützt wird.
    Sie hat ihren Sitz im indischen Dharamsala.
    Oberhaupt ist buddhistische Mönch Tenzin Gyatso. Sein Titel lautet “Dalai Lama”.

    “Die Welt mit KI besser machen”:
    Dazu:
    Luk. 6, 31:

    https://www.bibleserver.com/LUT/Lukas6%2C31

    bzw. Tobit 4, 15:

    https://www.bibleserver.com/LUT.EU/Tobit4%2C15

    2
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  4. Wenn ich mir den oben zitierten Spiegelartikel ganz genau anschaue:

    Mir fällt wiederum Prof. J. Haberer ein.

    Und ich wiederhole mich (
    https://www.pro-medienmagazin.de/soziale-medien-erleichtern-die-vermittlung-von-glaubensthemen/#comment-11693
    ):

    “Kritisches Kirchenmitglied sagt:
    29.06.2022 um 17:03 Uhr

    Lesetipp:

    http://infos.luther2017-bayern.de/wp-content/uploads/2016/08/Impulspapier-Medienkonzil-Webversion.pdf

    bzw.

    Ein Video von der re.publica 2017:

    https://invidio.xamh.de/gZIX7HOvOPM?t=1026

    Hallo an die Kirchenleitungen:
    Zum Themenbereich Digitalisierung/ KI/ Menschenwürde/ Machtmonopole/ Geschäftsmodelle auf Basis personenbezogener Daten:
    Gibt es dazu eine Positionierung?

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