Das christliche Medienmagazin

Steigende Papierpreise belasten Verlage

Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben die Preise für Energie und Papier in die Höhe getrieben. Das belastet die Verlage. PRO hat bei christlichen Medienhäusern nachgefragt, wie man dem wachsenden Kostendruck begegnen will.
Von Norbert Schäfer

Foto: iStockPhoto

Die sprunghaft gestiegenen Preise für Papier setzen viele Zeitungs- und Zeitschriftenverlage unter Druck

Zeitungs- und Zeitschriftenverlage treiben derzeit Sorgen um steigende Kosten, sinkenden Erlöse und knapper werdendes Papier. „Viele Verlage wissen bis heute nicht, auf welchem Papier sie im dritten oder vierten Quartal ihre Zeitschriften drucken sollen”, sagte Philipp Welte beim European Publishing Congress Ende Juni in Wien. Die Vielfalt der freien, journalistischen Medien hält der Vizepräsident des Medienverbandes der freien Presse für „ökonomisch substanziell bedroht“.

Das Burda-Vorstandsmitglied rechnet damit, dass auf dem deutschen Markt jedes dritte gedruckte Medienangebot in seiner Existenz gefährdet ist. Als Grund nannte Welte neben den gestiegenen Papierpreisen auch einen „signifikanten Rückgang bei den Anzeigen“. Die amerikanischen Technologieplattformen wie Google, Amazon und Facebook erwirtschafteten allein auf dem deutschen Werbemarkt mehr als 8,8 Milliarden Euro mit Werbung. Die fehlten den Verlagen.

Nach Informationen des Statistischen Bundesamtes vom November 2021 haben sich die Großhandelspreise für gemischtes Altpapier gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als verdreifacht (+222,4  Prozent). Papier- und Pappereststoffe waren im Großhandel um 147,0 Prozent teurer. Das lag zum Teil an den Rohstoffen, die infolge von Verzögerungen in den Lieferketten durch Corona teurer geworden waren. Jüngst waren zudem die Preise für Energie in Folge des Ukraine-Krieges sprunghaft gestiegen. Die Herstellung von Papier ist sehr energieintensiv und damit stark abhängig von den Energiepreisen. PRO hat in der christlichen Verlagswelt nachgefragt, wie sich in der Branche die Preissteigerungen auswirken.

GEP: Restrukturierung greift

Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), sieht seine Verlagsgruppe noch auf einem „gutem Weg, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen gesetzten wirtschaftlichen und publizistischen Ziele zu erreichen“.
Das evangelische Magazin chrismon gehöre eigenen Angaben zufolge mit 1,52 Millionen Lesenden pro Ausgabe zu den TOP 50 der reichweitenstärksten Magazine in Deutschland. „Das macht sich in der gut laufenden Anzeigenvermarktung bemerkbar“, erklärte Bollmann auf Anfrage. Der GEP-Direktor bewertet die wirtschaftliche Lage insgesamt als „stabil“, geht aber von Mehrkosten durch die Preisentwicklung bei Papier in Höhe von 300.000 bis 400.000 Euro im Jahr aus. „Das können wir zurzeit auffangen ‑ im Rahmen der Restrukturierung und indem wir zum Beispiel geringere Umfänge unserer Printprodukte anbieten und auch die Auflagen zum Teil etwas reduzieren“, erklärte Bollmann. Umfänge von Publikationen zu reduzieren, sei angesichts der Preisentwicklung unvermeidlich. „Wir hoffen, dass wir eine Einstellung ganzer Periodika vermeiden können, auch weil wir mit dem Restrukturierungskonzept maßgebliche Kostenreduktionen rechtzeitig eingeleitet haben“, erklärte Bollmann.

Das GEP mit Sitz in Frankfurt am Main ist mit seinen angeschlossenen Unternehmen der zentrale Mediendienstleister der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Gliedkirchen. Das GEP trägt unter anderem das Monatsmagazin chrismon, die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd), und das Internetportal evangelisch.de.

SCM Bundes-Verlag: Höhere Kosten verschlingen Erlöse

Marc Brocksieper, Verlagsleiter von SCM Bundes-Verlag, rechnet gar „mit einem leichten Anstieg der Umsatzerlöse“, die allerdings in vergleichbarem Umfang von den Kosten kompensiert würden. Auch die Erhöhung des Mindestlohns wirke sich entsprechend aus. Der Verlag hat bei einigen Magazinen „temporär” die Seitenzahl reduziert, um den Kosten zu begegnen. „Über alle unsere 19 Zeitschriftentitel hinweg sind aber die wenigsten bisher davon betroffen gewesen“, erklärt Brocksieper auf Anfrage. Brocksieper bemerkt, dass Anzeigenkunden wegen der steigenden Kosten verhaltener Geld für Werbung ausgeben. Insgesamt zeigt sich der Verlagschef aber optimistisch. Der Verlag sei breiter aufgestellt als viele „klassische Zeitschriftenverlage“ und Leser hielten den Magazinen „über Jahre hinweg die Treue“ als „Begleiter für einen ganzen Lebensabschnitt“. Die Inhalte stünden zudem nicht nur in gedruckter Form zur Verfügung, sondern auch digital. Beim Material für die Gemeindearbeit sei nach Corona ein „Wiederaufleben kirchlichen Lebens“ und damit ein verhaltener Aufschwung zu verzeichnen. Von staatlichen Subventionen wegen des zunehmenden Kostendrucks hält Brocksieper wenig. Die Branche profitiere bereits durch die Buchpreisbindung und den reduzierten Mehrwertsteuersatz.

Marburger Medien: Prognose fällt „defensiver” aus

Steffen Marx, Vorstand der Stiftung Marburger Medien (SMM), einem Verlag für christliche Verteilschriften, bewertet die Prognose für das laufende Geschäftsjahr „deutlich defensiver als die beiden letzten Jahre“. Marx rechnet mit einem spürbaren Rückgang der Bestellungen. Das christliche Medienhaus sei aber nicht existentiell bedroht, widersprach Marx der Prognose von Welte für die Branche. Wegen der gestiegenen Kosten sieht Marx zudem noch keine Veranlassung, bei regelmäßigen Schriften den Umfang zu reduzieren. „Allerdings überlegen wir schon seit letztem Jahr unsere regelmäßigen Publikationen für die Empfänger zu optimieren“, erklärte der SMM-Vorstand und wies darauf hin, dass sein Medienunternehmen kein Verlag im engeren Sinn sei. Das Geschäft mit Anzeigen beispielsweise spielt in dem Medienunternehmen überhaupt keine Rolle. Dennoch sollen wegen der steigenden Kosten Zeitschriften- und Schriftenprojekte für das nächste Geschäftsjahr noch einmal neu kalkuliert werden. „Bisher werden aber keine anstehenden Projekte verschoben“, erklärte Marx.

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3 Antworten

  1. Eine Lösung wäre doch: Sich diese Unmengen an Infoblättern sparen (oder nur noch an Haushalte versenden, die das Ding auch wirklich haben wollen). Von christlichen Verlage wird man regelmäßig zugemüllt mit Prospekten, die ziemlich genau den gleichen Inhalt haben wie die Homepages der jeweiligen Verlage. Sowas wandert bei vielen vom Briefkasten direkt in die Papiertonne.

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    1. “Zugemüllt” und dann noch mit einem Wohlfühlevangelium!

      Aber das gibt es ja zum Beispiel auch bei Fernsehpredigern, um Spenden zu erhalten. Da ist Jesus Christus nur ein Vorwand, das volle Evangelium ist bei diesen nicht entscheidend (2. Korinther 2,17; Römer 16,18; 2.Timotheus 2,15; 2. Timotheus 4,3; Galater 1,8).

      Leider ist das auch bei „Christlichen“ Schriftenmissionen üblich: schöne Bildchen und schöne Geschichten werden verbreitet, um die Menschen für geforderte Spenden bei Laune zu halten.

      Wer von den Spenden-Keilern hat überhaupt ein Spendensiegel vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und kann dadurch den korrekten Umgang mit Spenden nachweisen?

      „Achte auf dich selbst…“
      1. Timotheus 4,16

      “Es ist so bequem unmündig zu sein.”
      Immanuel Kant

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