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Dabei sein ist alles? Besser nicht!

In China werden nicht erst seit gestern Menschenrechte mit Füßen getreten: Leiden müssen Christen, Uiguren und politisch Andersdenkende. Olympia wird daran nichts ändern.
Von Martin Schlorke
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Olympia China

Foto: Prachatai | CC BY-NC-ND 2.0 Generic

Die Welt schaut auf die Olympischen Winterspiele. Aber schaut sie auch ausreichend auf die Menschenrechtsverletzungen im Land?

Warum finden Sportereignisse immer wieder in Unrechtsstaaten statt? Funktionäre, egal ob im Fußball (Russland, Katar) oder jetzt bei Olympia in China, führen in der Regel zwei Gründe für solche Entscheidungen an, die allerdings gleichermaßen hanebüchen sind: Betont wird erstens immer wieder die politisch neutrale Rolle des Sports, getreu dem Motto: Der Sport hält sich aus der Politik heraus. Inwiefern man allerdings neutral zur Einhaltung von Menschenrechten stehen kann, erschließt sich nicht wirklich. Weiterhin verweisen die Weltverbände mantraartig auf die Athleten, die solche Großveranstaltungen nutzen könnten, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Nicht anders verhält sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Bezug auf die Winterspiele in China. Das ist jedoch nicht mehr als ein Taschenspielertrick.

Den Sportlern die alleinige Verantwortung zuzuschieben, ist weder gerecht, noch zielführend. Vielmehr sind die Athleten die Letzten in der Nahrungskette und auf Prämien und Sponsoring angewiesen. Schließlich gehen sie ihrem Beruf nach. Zudem stehen sie als Einzelpersonen selbst in der Gefahr, vom chinesischen Machtapparat zermalmt zu werden. Bereits im November des vergangenen Jahres sagte der Rodler Tobias Arlt: „Ein Statement da drüben zu setzten, würde ich mich nicht trauen.“ Die Briten und die Niederländer empfehlen ihren Athleten aus Angst vor Überwachung gar, ihre privaten Smartphones zu Hause zu lassen.

Das Problem sind also nicht die Athleten, die zum Thema Menschenrechte schweigen, sondern die Verbände, die ihre Sportler solchen Bedingungen aussetzen. Oder um mit den Worten des Sportvorstandes beim Deutschen Skiverband, Wolfgang Maier, zu sprechen: „Unter den gegebenen Bedingungen ist es kaum zu verantworten, wenn man uns da einfach rüberschickt.“

Boykott als Lösung?

Und schließlich ist es schlicht nicht (mehr) notwendig, auf die Missstände in China aufmerksam zu machen – jedenfalls nicht von Seiten der Sportler. Die Situation von Christen, Uiguren und politisch Andersdenkenden sind seit Jahren bekannt und sollten 2022 keinen mehr überraschen. Menschenrechtsorganisationen aller Couleur, Journalisten oder auch Betroffene berichten tausendfach von den Menschenrechtsverletzungen in China – seit Jahrzehnten. All das scheint aber das Internationale Olympische Komitee 2015 nicht davon abgehalten zu haben, China den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele zu geben. Und es scheint westliche Firmen nicht davon abzuhalten, die Spiele zu finanzieren.

Was kann also getan werden? Eine Patentlösung gibt es leider nicht. Der Leiter von Open Doors USA, David Curry, rief kürzlich alle Christen auf, die Spiele und alle beteiligten Sponsoren zu boykottieren. Wow, das wäre ein Zeichen. Stellen Sie sich das einmal vor: Die weltweite Christenheit stellt sich geschlossen hinter ihre verfolgten Glaubensgeschwister. Sicher, das wird China nicht zum Umdenken bewegen, wäre aber mehr als ein beeindruckendes Signal. Im Interview mit PRO erklärte der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode, im Januar, dass eine große Öffentlichkeit den Christen in China helfen und sie ermutigen würde. Notwendig dazu ist allerdings eine klare Positionierung und ein Aufruf der Kirchen – beides bleibt aber bislang aus.

Ein abschließender Gedanke. Vielleicht sollte man die olympische Idee grundlegend überdenken: Unter allen Umständen dabei zu sein, sollte zukünftig vielleicht doch nicht das Ziel sein – für alle Beteiligten, Fans eingeschlossen.

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4 Antworten

  1. Auch wenn David Curry nun innerhalb von kurzer Zeit schon zum zweiten Mal hier zitiert wird wird das Argument nicht besser: was ist mit den USA, durch deren Unterstützung des arabischen Frühlings Hunderttausende arabische Christen aus ihrer Heimat vertrieben wurde. Also: wo fängt man da an und wo hört man auf? Dialog ist immer das erste Mittel der Wahl. Boykottaufrufe haben in den letzten Jahrzehnten so gut wie nichts gebracht sondern eher Zustände verschlimmert wie verbessert. Und ausserdem, bei sportlichen Großveranstaltungen fließt das Geld unabhängig davon ob Zuschauer kommen oder nicht. Wenn Herr Curry mit seinen Aussagen nicht Politik machen will , könnte er doch auf die zum großen Teil USA Konzerne zugehen, die die Spiele finanzieren. Mal sehen wie dann seine Aussagen wären, wenn durch einen Boykott von Coca Cola durch China Arbeitsplätze in den USA gefährdet wären. Was er wohl dann sagen würde?

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  2. Leider gibt es da jede Menge Schieflagen: Was die Opfer chinesischer Menschenrechtsverletzungen angeht werden Christen meistens nicht genannt, weil ja diejenigen, die staatlich registrierten Kirchen angehören, offiziell nicht verfolgt werden, sondern “nur” diejenigen, die in “illegale” Hauskirchen gehen. Obwohl auch das Versammlungsrecht an sich neben der Religionsfreiheit zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehört. Dazu duldet die Fifa schon seit Jahrzehnten, dass Israel (im Gegensatz etwa zu Nordkorea!) nicht dem asiatischen Fußballverband angehören darf, was die Chancen der Israelis auf die Teilnahme an einer WM-Endrunde signifikant erhöhen würde. Aber wer weist darauf überhaupt noch hin?

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  3. Es ist schon ein wenig absurd wenn gerade eine Organisation, die auf Grund von massenhaftem Kindesmissbrauch von sich reden macht, über andere moralisch urteilt. Genauso gut könnte man auch einen Ausschluß christlicher Sportler fordern, bis die Kirche die Missbrauchfälle aufgearbeitet hat und die Täter verurteilt sind.

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