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Bibelvers am Stadtschloss: Das sagen die Religionspolitiker im Bundestag

Der Bibelspruch am Berliner Schloss sorgt erneut für Aufregung. Er soll im Rahmen eines Kunstprojektes von anderen Texten überstrahlt werden. PRO hat die religionspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen gefragt, wie sie zu der Idee stehen.
Von Martin Schlorke
Humboldt-Forum

Foto: micharl_foto | CC BY-NC-ND 2.0 Generic

Das weithin sichtbare rekonstruierte Spruchband besagt: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Die Debatte um die biblische Inschrift an der Kuppel des wiedererrichteten Berliner Stadtschlosses hat in der vergangenen Woche erneut Fahrt aufgenommen. Auslöser war die Antwort von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Gründe) auf eine Anfrage der Unions-Fraktion im Bundestag zum Berliner Stadtschloss.

Roth bestätige der Fraktion, dass es Überlegungen gibt, die Bibelzitate an der Kuppel zeitweilig zu überdecken. Geschehen solle dies durch ein Kunstprojekt. Vor rund einem Jahr hatte bereits das Humboldtforum Überlegungen vorgestellt, die Verse mittels Leuchtdioden mit anderen Aussagen zu kontrastieren.

Auf PRO-Anfrage äußerten sich die religionspolitischer der Bundestagsfraktionen dazu.

Lars Castellucci (SPD)

 Seine „volle Unterstützung“ verspricht Castelluci der Kulturstaatsministerin. Gegenüber PRO sagt er, dass Christen skeptisch sein dürften, wenn biblische Inschriften auf öffentlichen Gebäuden prangen. Im Falle des Berliner Stadtschlosses sei zudem „überdeutlich“, dass diese nicht zur Mahnung der Mächtigen, sondern zur Machtdemonstration derselbigen dienten. Darauf könnten Christen „gut verzichten“. Aber auch ohne diese Interpretation „kann und soll sich Kunst selbstverständlich kritisch genau mit solchen Fragen beschäftigen.“

Thomas Rachel (CDU)

Rachel lehnt eine Überblendung der Inschrift ab. Das gelte auch „grundsätzlich“ bei biblischen Inschriften auf anderen öffentlichen Gebäuden. Je nach Situation könne jedoch eine Kontextualisierung einzelner Inschriften auf Informationstafeln „in Betracht gezogen werden.“ In solchen Fällen sollten die Kirchen aktiv einbezogen werden, erklärt Rachel. Denn „Bibel und Christentum gehören unverzichtbar zur kulturellen und geschichtlichen Identität Deutschlands.“

Sandra Bubendorfer-Licht (FDP)

Zum Vorschlag von Roth hat sich Bubendorfer-Licht auf PRO-Anfrage nicht konkret geäußert. Allerdings hoffe sie, dass „ein guter Kompromiss im Sinne aller Beteiligten“ gefunden werde. Denn sowohl die Inschrift als auch die Kritik daran sei von der Verfassung geschützt. Aus ihrer Sicht spiegelt der Bau die preußisch-christliche Tradition Berlins wider, aber „niemals einen übergeordneten Herrschaftsanspruch für unsere heutige Zeit“. Zudem gebe es Informationstafeln, die die Inschrift einordnen.

Lamya Kaddor (Grüne)

„Besser“ als die Bibelverse durch ein Kunstprojekt zu überdecken, hält Kaddor eine differenzierte Auseinandersetzung. Zudem verweist sie auf die Hinweistafeln, die die Zitate einordnen und in der sich von einem vermeintlichen Alleingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums distanziert wird. Für Kaddor stehen die Bibelverse außerdem nicht in Widerspruch zu Weltoffenheit und Säkularität. Denn Geschichte unterliege immer Wandel und Brüchen. „Diese temporär unsichtbar zu machen, verschenkt das Potential, unsere heutige Gesellschaft zu verstehen.“

Petra Pau (Linke)

Petra Pau möchte sich gegenüber PRO nicht zum Thema äußern.

Wie halten es die Kirchen mit dem Kunstprojekt?

In einer Stellungnahme der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD) von vergangener Woche heißt es, dass ein solches Kunstprojekt „durchaus dazu beitragen kann, den Diskurs über den Inhalt der Verse voranzubringen“. Allerdings müssten die christlichen Kirchen „federführend“ miteinbezogen werden. Zudem sollte „nicht ansatzweise der Eindruck entstehen, dass hier christliche Werte diffamiert und aus der Gesellschaft verband werden sollten“.

Von den Kirchen und deren politischen Vertretern wollte PRO daher wissen, ob sie ein mögliches Kunstprojekt unterstützen würden.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Der Kulturbeauftragte der EKD, Johann Hinrich Claussen, erklärte gegenüber PRO, dass die EKD nicht pro-aktiv auf das Humboldtforum zugehen werde. Bisher seien die Verantwortlichen auch nicht auf die EKD zugegangen – weder für das Kunstprojekt noch über die Lesart der Inschrift. Claussen folgert, dass „offenbar kein Interesse an theologischer Expertise“ bestünde. Die Debatte um die Inschrift am Stadtschloss hält er für „unsinnig“. Der Vorschlag von Roth sei „substanzlos“ und zudem nicht neu. Er werde nun nur wieder aus der Schublade geholt.

Deutsche Bischofskonferenz (DBK)

An der Debatte um das Kunstprojekt möchte sich die katholische DBK nach eigener Aussage derzeit nicht beteiligen.

Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF)

Ein Mitspracherecht beim Kunstprojekt fordert die VEF nicht. Allerdings sei man bereit, die eigene Position beim Diskurs einzubringen, erklärte der Beauftragte der VEF am Sitz der Bundesregierung, Konstantin von Abendroth, gegenüber PRO. Dem Vorschlag von Roth sehe die VEF gelassen entgegen, da „wir als Freikirchen für die Trennung von Kirche und Staat stehen“. Eine solche Debatte sei in einer säkularen Gesellschaft normal. Im Sinne der Religionsfreiheit könne es allerdings eine Möglichkeit sein, die Inschrift am Stadtschloss nicht zu überblenden, sondern Verse aus anderen religiösen Schriften zusätzlich einzublenden.

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15 Antworten

  1. „niemals einen übergeordneten Herrschaftsanspruch für unsere heutige Zeit“
    Erklärt das mal dem lieben Gott, ich glaube der sieht das anders !

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  2. “Im Sinne der Religionsfreiheit könne es allerdings eine Möglichkeit sein, die Inschrift am Stadtschloss nicht zu überblenden, sondern Verse aus anderen religiösen Schriften zusätzlich einzublenden.” (VEF-Vereinigung Evangelischer Freikirchen). Völlig daneben. Eine Bankrotterklärung allererster Güte.

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  3. Die “Grüne” Roth, die auch bei den antisemitischen Darstellungen der “documenta”-Kassel die Tragweite des dort demonstrierten Hasses nicht begriffen hat(*), sattelt nun auf Antisemitismus auch noch christophobe “Kunst”-Aktivitäten drauf.
    Unerträglich.

    (*)
    Angesichts des Antisemitismus-Skandals bei der Documenta fordert die „Jüdische Allgemeine“ den Rücktritt von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne).
    „Für wen das Versprechen ‚Nie wieder Antisemitismus‘ keine wohlfeile Phrase“ sei, der müsse „das Kulturstaatsministerium jemandem anvertrauen, der glaubhaft gegen Judenhass eintritt.
    Jemandem, der sein Amt mit Kompetenz und Würde ausübt“, schreibt die vom Zentralrat der Juden in Deutschland herausgegebenen Zeitung.
    Entweder sei Roth nicht in der Lage gewesen, „Einfluss auf die sich lange abzeichnende Entwicklung zu nehmen. Oder sie konnte beziehungsweise wollte nicht verstehen, dass Judenhass eine elementare Herausforderung für unsere Demokratie darstellt.
    Beides disqualifiziert sie in höchstem Maße als Kulturstaatsministerin“, so der Chef vom Dienst des Blattes, Philipp Peyman Engel.
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/documenta-juedische-allgemeine-fordert-claudia-roth-zum-ruecktritt-auf-18120504.html

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  4. In der ganzen Diskussion zeigt sich, dass der Mut zur biblischen Wahrheit fehlt. Den Muzim lässt man schreien und wer sich darüber beschwert, ist böse. Zu dem Bibelwort am Berliner Stadtschloss passt das Wort Jesu: Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel bekennen! Also alle Gegner der Person Jesu und seines Erlösungswerkes wird er nicht bekennen und an anderer Stelle sagte er schon vorher, dass wer nicht an ihn glaubt, nicht gerichtet wird, sondern schon gerichtet ist, weil er nicht an den glaubt, der ihn gesandt hat.
    Gottes Standpunkt ist klar und jeder kann überprüfen, wie er zu dem lebendigen Gott steht, der ihm das Heil in Jesus Christus anbietet und wie er von ihm behandelt werden will.

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  5. Mir fällt auf, dass die Antwort der AFD nicht angeführt wurde. Hat der Religionssprecher der AFD wie der Sprecher der Linken nicht geantwortet – was ich mir nicht vorstellen kann und hätte man dann die Nichtantwort der AFD nicht wenigstens erwähnen müssen? Oder wurde die AFD gar nicht gefragt? Was mir nicht wirklich vorstellen möchte.

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  6. Lars Castellucci (SPD) sagt: “Im Falle des Berliner Stadtschlosses sei zudem „überdeutlich“, dass diese nicht zur Mahnung der Mächtigen, sondern zur Machtdemonstration derselbigen dienten.” Da frage ich mich, was er gelesen hat, denn in dem Vers geht es ausschließlich darum, dass sich im Namen Jesu alle Knie beugen werden (im Grundtext steht auch nicht “sollen”!). Entstammt übrigens Phil. 2,9-11. Das bedeutet, dass auch die heute Mächtigen einmal vor Jesus ihre Knie beugen werden. Sowie auch jeder andere Mensch.

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  7. Freilich ist dieses Thema wieder einmal geeignet für das “Grünen-Bashing” einschlägiger Kommentatoren… das ist billig!
    Bei Betrachtung ohne inszeniertem Schaum vor dem Mund zeigt sich, dass hier ein Thema identitätspolitisch missbraucht wird. Dass das in einer bestimmten politischen Ecke und entsprechenden Medien passiert, ist wenig verwunderlich. Dass Christen auf diesen Zug aufspringe, ist peinlich.
    Die Inschrift am Gebäude ist ja nicht allein eine Kompilation aus Bibelversen, sondern der Herrscher, der das anbringen ließ, beansprucht selbstverständlich, dass alle Kniee, die sich vor Christus beugen, anerkennen, dass der König von Gottes Gnaden ist. D.h. die Inschrift an einem Prachtbau, der die Macht des Königs repräsentiert, ist antirepublikanisch. Wer hier nur ein individuelles Glaubensbekenntnis erkennen will, ist politisch naiv! Wie man damit umgehen soll, ist zurecht umstritten. Ungeeignet ist das Thema jedenfalls um einen Kulturkampf auszurufen! Dahinter stecken durchsichtige politische Interessen. Unaufgeregtheit wäre ratsam! Die Stellungnahme der DEA ist übrigens unaufgeregt! Wünschenswert wäre allerdings eine ganz explizite Zurückweisung des indentitätspolitischen Missbrauchs des Christentum in dieser Scheindiskussion!

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    1. “Wer hier nur ein individuelles Glaubensbekenntnis erkennen will, ist politisch naiv!” Falsch. Wer auf Wikipedia.de liest, was dort zu “König Friedrich Wilhelm IV” steht, kommt zu anderem Schluss. Er war seit Jugendtagen tief gläubig. Bitte mal lesen, informieren ist gut!

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      1. “Wer hier nur [!] ein individuelles Glaubenbekenntnis erkennen will” – habe ich geschrieben und das ist mit Ihrer Entgegenung keineswegs als falsch erwiesen. Sie sind schon wirklich hartleibig begriffsstutzig!

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  8. Was hat eigentlich der Religionspolitische Sprecher der AfD gesagt, oder wurde der gar nicht gefragt?

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