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Meinung

Muss sich das Humboldt-Forum bald von sich selbst distanzieren?

Der biblische Spruch am Berliner Schloss sorgt mal wieder für Aufregung. Die wäre eigentlich gar nicht nötig.
Von Nicolai Franz
Humboldt-Forum

Foto: micharl_foto | CC BY-NC-ND 2.0 Generic

Der Spruch auf dem Berliner Schloss ist eine Kombination aus Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10. Nun sorgt er für Streit – wieder einmal.

Im politischen Berlin hat sich eine neue Bibelgruppe gebildet. Mit dabei sind Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne), verschiedene CDU-Politiker sowie der eine oder andere Journalist. Allerdings geht es in dieser Bibelgruppe nur um einen einzigen Text, nämlich einen Spruch auf dem Berliner Schloss. Dort steht:

„Es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Diese Mischung aus Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10 sorgt schon seit langem für rote Köpfe. Dieser Text, den der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. im 19. Jahrhundert ausgewählt hatte, drücke einen politischen Herrschaftsanspruch des Christentums aus, sagen Kritiker.

Zu diesen Kritikern gehört das Humboldt-Forum, die Stiftung des Schlosses. Auf einer Tafel distanziert es sich laut Berliner Zeitung „ausdrücklich von dem Alleingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums, den die Inschrift zum Ausdruck bringt“.

Nun soll die Inschrift nachts gar per LED-Licht mit anderen Texten überstrahlt werden. Ein Kunstprojekt ist das, das Roth gegen den Unmut von CDU und CSU verteidigt. Es gehe um eine „temporäre Überblendung der rekonstruierten Inschrift mit alternativen, kommentierenden und reflektierenden Texten vor“, wie die Welt berichtet.

Der Chef des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, Thomas Rachel, mahnt gegenüber PRO: „Weltoffenheit schließt ein klares und sichtbares Bekenntnis zu den eigenen christlich-kulturellen Wurzeln keineswegs aus.“

Gottes Reich definiert sich nicht über Landesgrenzen

Mich hat diese Aussage etwas verwundert. Fordert Rachel wirklich ein „Bekenntnis“ zu dieser Inschrift, die selbstverständlich einen politischen Herrschaftsanspruch formuliert? Oder meint er eher, dass wir eine Inschrift mit religiösem Bezug stehen lassen dürfen – auch mit kritischem Blick – weil sie zu unserem kulturellen Erbe gehört? Für letztere Interpretation hätte ich Verständnis.

Bitte verstehen Sie mich richtig: Natürlich steckt im Christentum ein gewisser Absolutheitsanspruch. Aber Gottes Reich ist eben nicht „von dieser Welt“. Es definiert sich nicht über Landesgrenzen vermeintlich christlicher Völker, sondern über seine Herrschaft in den Herzen seiner Nachfolger.

Er braucht keine Könige und Kaiser, die sich von Gottes Gnaden berufen fühlen, andere Länder anzugreifen. Sondern Menschen, die, unabhängig von politischen Umständen, in Liebe zu Gott und dem Nächsten dem wahren Herrn dienen, vor dem sich einst alle Knie beugen werden, wie Christen glauben.

Und damit sind wir bei der eigentlichen Aussage der umstrittenen Bibelverse. In Wahrheit legitimieren sie nämlich keinen Gottesstaat, sondern das Gegenteil: Auch die größten Könige werden sich vor Gott verantworten müssen.

Nein, die Welt wird nicht untergehen, wenn zwei Bibelverse nachts überstrahlt werden. Und niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er ein religiös-politisches Bekenntnis auf einem Gebäude liest.

So oder so: Schön, dass Berlin mal wieder darüber spricht, wie man die Bibel verstehen kann.

Ein Gelehrter schrieb einmal über diesen Anspruch Gottes auf den Menschen diese schönen Worte:

„Wer die Größe und väterliche Güte Gottes mit bewundernder Anbetung und mit tiefer Dankbarkeit in sein Gemüt aufgenommen hat, daß er alles von selbst zurückstößt, was nicht mit der reinsten und edelsten Gesinnung übereinstimmt wie der Gedanke, daß, was Pflicht und Tugend von ihm fordern, zugleich der Wille des Höchsten und die Forderung der von ihm gegründeten Weltordnung ist, der hat die wahrhaft religiöse und gewiß tugendhafte Gesinnung.“

Der Autor dieser Zeilen war übrigens Wilhelm von Humboldt, zusammen mit seinem Bruder Alexander der Namensgeber des Humboldt-Forums. Ob sich deren Vertreter nun von sich selbst distanzieren müssen?

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10 Antworten

  1. Die Bibelverse haben so am Berliner Schloss stehenzubleiben, auch nachts, unverdeckt, unverändert. Sie wurden initiirt vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. Sie sind Teil der Geschichte des Berliner Schlosses. Ein Land hat zu seiner Geschichte zu stehen, schließlich werden auch nicht ständig die Inhalte der Geschichtsbücher neu geschrieben. Es gehört zur “moralischen Größe” eines Landes, zu seiner Geschichte zu stehen. Wir radieren ja auch nicht Adolf Hitler aus den Geschichtsbüchern aus. Im übrigen: Wenn die Judensau an der Stadtkirche in Wittenberg bleibt, sogar mit Unterstützung der Juden selbst, als Mahnung für die jetzige und die Zukunftsgenerationen, dann gilt gleiches Recht auch für die Bibelsprüche am Berliner Schloss. Wann endlich fangen wir Deutsche mal an, “moralische Größe” zu zeigen, uns zu wesentlichen Dingen unserer Identität zu bekennen? Ständig wird Geschichtsfälschung betrieben.

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  2. Herrliche Verse hat Friedrich Wilhelm da ausgewählt, eine klare Botschaft an eine Welt die dem Synkretismus und der Beliebigkeit verfallen ist.
    Dass Claudia Roth anfängt zu schäumen ist ein gutes Zeichen, auch eine Art Indikator dafür, dass das Wort Gottes die Schärfe eines Schwertes hat. Und wer weiß, vielleicht entfalten die wenigen Worte ja ihre erneuernde Kraft und Menschen finden zu Gott.

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  3. Wie die WELT soeben berichtet, lässt Frau Baerbock bei dem G7-Außenministertreffen im Friedenssaal in Münster das Kreuz abhängen.
    Natürlich können wir sagen, dass die Welt nicht untergeht, wenn Bibelverse mit LED-Schriftzügen überblendet werden (was an sich schon ein Zeichen ist, wenn wir alle doch Energie sparen sollen) oder wenn ein Kreuz abgehangen wird (wobei das schon ein deutliches Symbol ist und mich sehr stark an manche sozialistische Kunst aus der DDR erinnert). Wir sollten aber auch nicht die Augen davor verschließen, dass man das Christliche verdrängen möchte.
    Die norwegische christliche Zeitung “idag.no” schrieb vor kurzem darüber, dass “im Westen” (vor allem in Schweden) bereits eine höfliche Form der Christenverfolgung begonnen habe. Auch berichten Christen aus Ländern, die einst offen waren und in denen sie heute aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden, ebenso, dass ihre Benachteiligungen und Verfolgungen mit harmlosen kleinen Dingen begann, bei der die Welt ja noch nicht unterging.

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  4. “drücke einen politischen Herrschaftsanspruch aus, sagen Kritiker.”

    Tatsächlich sehe ich diese Inschrift auf seinem Schloss als Ausdruck der Demut des damaligen Monarchen.
    Er sieht sich selbst gerade nicht als letzte Instanz, sondern sich zur Verantwortung vor Gott aufgefordert, vor dem auch er die Knie beugen wird, – so wie auch jeder andere.

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  5. Einen erhellenden Beitrag hat dazu Richard Schröder geschrieben:
    “Alle, die zu uns kommen, wissen, dass sie in eine postchristliche und beispielsweise nicht in eine postmuslimische Gesellschaft kommen. Sie sind von Kirchen und Kreuzen im öffentlichen Raum nicht schockiert. Eher erstaunt es sie, wenn wir unsere Geschichte verleugnen, die wir nachträglich nicht ändern können.”

    und weiter:

    “Zustimmung zu erzwingen, ist deshalb eine fortwährende Versuchung auch in der Demokratie.
    Um die Toleranz ist es schlecht bestellt, wenn nicht einmal der Anblick eines hundertfünfzig Jahre alten Textes ertragen wird, dem doch niemand zustimmen muss.”

    https://www.nzz.ch/feuilleton/humboldt-forum-mit-kruder-weltsicht-zum-interkulturellen-dialog-ld.1667563

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  6. Danke, Herr Franz, ich denke Sie haben die richtigen Worte gefunden!
    Dem von Ihnen angeführten Humboldt-Zitat muss man eigentlich nichts hinzufügen, außer dem frommen Wunsch, dass bestimmte Kommetatoren dieses auch verstehen mögen!
    Dass die einschlägig Bekannten nun den Untergang des Abendlandes und eine heraufziehende Christenverfolgung unken, sagt rein garnichts über die Wirklichkeit, aber sehr viel über deren sozialpsychologische Befindlichkeit.
    (PS Es fällt zunehmend auf, dass sich Kommentatoren mit dezidiert rechten und fundamentalistischen Positionen hier im Kommentarteil konzentrieren, wohingegen diese auf der FB-Seite eher eine Minderheit darstellen, weil sie dort weit mehr mit weit mehr Widerstand konfrontiert sind!)

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    1. Können Sie nicht ein einziges Mal versuchen, zu verstehen, was ein anderer für eine Intention beim Schreiben hatte, ohne diesen sofort ins rechte oder fundamentalistische Eck zu drücken. Vielleicht war die Aussage einfach nur “Achtung, wehret den Anfängen!” Aber wahrscheinlich ist das Nachdenken über die eigentliche Intention des anderen und womöglich sogar das tatsächliche recherchiche Prüfen dieser wirklich über ihren Horizont (vermutlich können Sie den Artikel in “Norge i dag” ja auch nicht lesen bzw verstehen). Wie gesagt, es hat keinen Sinn mit Ihnen zu diskutieren.

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      1. Nein, ich kann keine norwegischen Zeitungen lesen (die Bibel allerdings in Originalsprachen).
        Sie haben sich zu einem Junge-Erde-Kreationismus bekannt, schlicht falsche Äußerungen im Hinblick auf Wissenschafts- und Erkenntnistheorie getätigt und sich dabei auf einschlägige “Koryphäen” der fundamentalistischen Szene berufen; darüber hinaus sind Sie sich zu recht eindeutigen Einschätzungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hinreißen lassen.
        Daraus auf eine fundamentalistische und rechte Gesinnung zu schließen, stellt keine hermeneutische Spitzenleistung dar, es ist einfach offensichtlich und hat in diesem Falle nichts mit Horizont zu tun!
        Sie haben allerdings im Diskurs mit Kaja oder mir nie Argumente auf Augenhöhe einbringen können, das ist leider schlicht Fakt! Daher stimme ich Ihnen vollauf zu, eine Diskussion ist sinnlos. Aber widersprechen werde ich Ihnen und ähnlich Verlautbarenden weiterhin.
        Ein schönes Wochenende!

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        1. Ich habe mich nie zum russische Angriffskrieg geäußert, maximal zu der Sinnhaftigkeit von Sanktionen. Das sie einzelne Punkte nicht unterscheiden können, ist eine Schwäche von Ihnen. Daher – um Ihnen auf die Sprünge zu helfen – Ich verurteile den russische Angriffskrieg. Nichts rechtfertigt in meinen Augen einen Krieg. Ich bin absoluter Pazifist.

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  7. “Fordert Rachel wirklich ein „Bekenntnis“ zu dieser Inschrift, die selbstverständlich einen politischen Herrschaftsanspruch formuliert?” Politischer Herrschaftsanspruch? Quatsch, den alle die verbreiten, die mit der christlichen Botschafts nichts anfangen können. Die hinter Bibelversen Verschwörertum sehen. Bei Claudia Roth hätte ich ja für diese Haltung noch Verständnis, aber bei anderen ??? Jesus Christus sagte von sich, dass Sein Reich nicht von dieser Welt ist. Desweiteren: Hat Jesus Christus zu Seinen Lebzeiten in Israel einen politischen Herrschaftsanspruch erhoben? Nie.

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Kommentare sind geschlossen.

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