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Bedford-Strohm: Keine kirchlichen Empfehlungen zur Bundestagswahl

Die evangelische Kirche wird keine Empfehlungen zur Bundestagswahl am 26. September aussprechen. „Unsere Aufgabe ist es sicherlich nicht, bestimmten Parteiprogrammen einen Heiligenschein zu geben“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allerdings werde er weiterhin „klare Eckpunkte inhaltlicher Art“ markieren.
Von epd
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In vielen Fragen der Politik habe die Kirche klare Grundpositionen, eine Empfehlungen für eine Partei werde es aber nicht geben, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm

Der christliche Glaube habe auch etwas mit Weltgestaltung zu tun. „Es ist nicht egal, ob jemand rücksichtslos lebt, oder auch seine Mitmenschen und die nachfolgenden Generationen im Blick hat“, sagte der bayerische Landesbischof und oberste Repräsentant der deutschen Protestanten.

Das gelte beispielsweise für die Verteilung der Impfstoffe gegen Corona. „Die Menschen in Afrika sind verzweifelt, weil sie – im Gegensatz zu den reicheren Ländern – kaum Impfstoff bekommen. Das hat nicht nur eine immense politische Dimension, sondern ist auch ein ethisch relevantes Thema“, sagte Bedford-Strohm.

Auch in der Flüchtlingspolitik habe die Kirche klare Grundpositionen. „Wir sollten endlich begreifen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, sagte der Bischof. Das sei auch im eigenen Interesse, weil viele relevante Branchen dringend Arbeitskräfte benötigten – etwa im Baugewerbe und im Pflegebereich. Es sei einfach nicht verständlich, warum gut integrierte Flüchtlinge mit guten Deutschkenntnissen abgeschoben werden. Nötig sei deshalb in bestimmten Fällen ein „Pfadwechsel“, der es ermöglicht, dass aus einem Asylverfahren eine geregelte Einwanderung werden könne.

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6 Antworten

  1. Ich stimme dem Herrn ja selten zu, aber seine Aussagen sind richtig. Es ist klar, daß wir eine Pandemie haben, daß heißt ein weltweites Infektionsgeschehen, Mutationen bilden sich dort vorrangig, wo wenig geimpft wird. Es ist auch klar, daß Deutschland und andere reiche Länder den Impfstoff bezahlen, den Transport und die Impfung massiv unterstützen müssen. Ja, das kostet Geld, aber besser, als daß es dort Menschenleben kostet und die Verzweifelten sich auf den Weg nach Europa machen. Wir leben weltweit in einer Schicksalsgemeinschaft, jeder Mensch hat vor Gott denselben Wert. Es ist auch nicht zielführend, Patente freizugeben, zum einen wird dann kaum noch jemand Geld in die Entwicklung von Pharmazeutika stecken, zweitens ist kaum ein armes Land in der Lage, Impfstoffe selbst zu produzieren, selbst wenn man ihnen die Patente dazu überließe. Der “Comirnaty”-Impfstoff von BioNTech ist als Impfstoff für diese Länder z.B. wegen der Kühlproblematik völlig ungeeignet, ebenso, wegen der notwendigen zweiten Impfung. Es kommen also nur Impfstoffe wie der von Johnson infrage, der nach einer Impfung vollen Schutz bietet. Man wird die Menschen dort nicht alle dazu bringen, sich zweimal impfen zu lassen, außerdem ist es wesentlich effektiver und schneller, wenn nur eine Impfung für den vollen Schutz notwendig ist. Hier muß Europa sehr bald einen Plan vorliegen, wie man vorgeben will. Bald wird man soviel Impfstoff haben, daß man ihn in Europa nicht mehr verimpft bekommt, nun muß schon längst die Logistik geplant werden.
    Einwanderung ist sicher in einigen Bereichen eine Lösung, aber nicht in allen. Und es ist klar, daß gewisse Voraussetzungen wie ein gewisser IQ, eine Integrationswilligkeit, Sprachkenntnisse und eine gewisse Bildung vorhanden sein muß, damit die Immigration eine Erfolgsgeschichte wird. Was nicht passieren darf ist, daß Immigranten zu Lohndrückern werden, wie dies teilweise passiert. Auch den “Pfadwechsel” befürworte ich definitiv. Da muß es klare Kriterien geben: Der Bewerber hat keine Identitätsverschleierung betrieben, ist nicht wegen Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten in Erscheinung getreten, steht fest auf dem Boden des Grundgesetzes und hat deutsche Sprachkenntnisse, die so weit gehen, daß Deutsch seine Alltagssprache ist. Das ist die Nagelprobe. So erlebe ich, daß die italienischen, spanischen, griechischen und portugisischen “Gastarbeiter” und ihre Nachfolgegenerationen selbstverständlich deutsch als Alltagssprache haben, bei den türkischen klappt es aus irgendwelchen Gründen einfach nicht. Dieser “Pfadwechsel” darf nur erfolgen, wenn der Bewerber absehbar von der geleisteten Arbeit ohne weitere Transferleistungen seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Geringfügige Beschäftigung und Hungerlöhne, die ein “Aufstocken” mit Hartz IV erfordern, gelten da nicht. Es geht darum, daß diese Immigranten nicht zu einer neuen Armutsschicht werden, deswegen dann auch stigmatisiert werden und eine Art bezahlte Lohnsklaven sind. Das hilft niemanden, solche Arbeit sollte niemand tun müssen. Auch muß man aufpassen, daß man nicht den Herkunftsländern alle Fachkräfte wegnimmt. So schön es für Deutschland und seinen Ärztemangel ist, daß zum Beispiel viele syrische Flüchtlinge hier als Arzt arbeiten, so darf das nicht zu eine Unterversorgung in Syrien führen.
    In dem Zusammenhang muß auch klar das Hauptproblem angegangen werden, nämlich, daß die deutschen zu wenig Kinder bekommen, angesichts dieser Tatsache ist es ein Skandal, daß jährlich rund 100.000 Kinder in Deutschland abgetrieben werden. Man rechne das einmal nur für 30 Jahre aus und einem wird klar, wo der Fachkräftemangel , wo die demographische Problematik der Rentenversicherung seine Ursache hat.

  2. Es gibt aktuelle vielbeachtete Themen, aber eben auch Themen, die ebenso Aufmerksamkeit bei der Wahlentscheidung verdienten, weil es dabei um Menschen- und Lebensrechte geht.

    Ich selbst werde bei meiner Wahlentscheidung diese Prüfsteine anlegen:

    1. Ist der Kandidat selbst sich seiner “Verantwortung vor Gott und den Menschen” bewusst, ist er Christ?
    (siehe Präambel des Grundgesetzes: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/pr_ambel.html )

    2. Setzt sich der Kandidat und seine Partei für die Verfolgten ein?
    https://www.pro-medienmagazin.de/open-doors-corona-krise-verschaerft-christenverfolgung/

    3. Schutz für ungeborene Menschen und für Alte, Behinderte und Kranke.
    https://www.pro-medienmagazin.de/eu-parlament-stimmt-fuer-matic-bericht/

    4. In Fragen der künstlichen Befruchtung:
    Steht das Wohl des Kindes im Vordergrund?
    Wird es in eine intakte Familie geboren werden, oder geht es vor allem um die Selbstverwirklichung eines Erwachsenen und seines Kinderwunsches?
    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/neues-gesetz-in-frankreich-kuenstliche-befruchtung-fuer-alle-17415089.html

    5. Setzt der Kandidat und seine Partei sich ein für eine altersgemäße, rücksichtsvolle Sexualaufklärung, – oder will er bestimmte Ideologien an die Kinder herantragen?
    Denn so bitte nicht:
    >Workshop mit Achtklässlern: vier Stunden Aufklärung, die Jugendlichen dürfen fragen, was sie wollen. Anne Michael spricht von “blasen”, “lecken” und 
”spritzen” so, wie andere einen Weg beschreiben. Mal läuft sie zur Tafel, dann kniet sie wieder in der Mitte der Runde und liest Fragen vor, die die 14-Jährigen auf bunte Zettel geschrieben haben: “Wie schmeckt Sperma?”, “Warum tut man blasen?”, “Was passiert, wenn das Kondom platzt?”.<
    https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2019/42366/sexualkunde-der-schule

    6. Setzt sich der Kandidat und seine Partei gegen Menschenhandel und Ausbeutung ein?
    https://www.pro-medienmagazin.de/wir-haben-die-frau-zur-ware-gemacht/

    7. Erfüllt der Kandidat die biblischen Ansprüche an eine Leitungspersönlichkeit?
    "Darum kommt als Gemeindeleiter nur jemand in Frage, der ein untadeliges Leben führt.
    Er muss seiner Frau treu sein und sich durch Besonnenheit und Verantwortungsbewusstsein auszeichnen.
    Sein Verhalten darf keinen Anstoß erregen,
    er muss gastfreundlich sein,
    und er muss fähig sein zu lehren.
    Er darf weder alkoholsüchtig sein noch zur Gewalttätigkeit neigen,
    muss freundlich sein,
    darf keinen Streit suchen
    und darf nicht am Geld hängen.
    Er muss sich in vorbildlicher Weise um seine Familie kümmern
    und seine Kinder zum Gehorsam erziehen und dazu anhalten, ein glaubwürdiges Leben zu führen.
    Oder kann jemand für die Gemeinde Gottes sorgen, wenn er nicht einmal imstande ist, sich um die eigene Familie zu kümmern?"

    1. @Christian Bütker
      bei Punkt 7 müssten Sie merken, dass Ihre Messlatte enorm hoch hängt und Sie de facto niemanden wählen können (wahrscheinlich auch sich selbst nicht- sofern Sie kein Engel sind 😉 ).
      Zu Ihrem Punkt 5.: Was verstehen Sie denn unter einer “altersgemäßen, rücksichtsvollen Aufklärung”, wenn sie nicht so abläuft, dass Kinder und Jugendliche offen ihre Fragen stellen dürfen, die sie eben haben? Womöglich haben Sie keinen Bezug zu heutigen Jugendlichen, aber in der Realität liegt das Problem nicht im Aufklärungsunterricht in den Bildungseinrichtungen, sondern die Tatsache, dass schon 11-Jährige mit ihren Smartphones auf dem Pausenhof Pornos und Videos mit sexueller Gewalt ansehen, die ein krankes Bild von Sexualität vermitteln. Es ist enorm wichtig, dass es möglichst frühzeitig Aufklärungsunterricht gibt, damit Kinder davon eine Vorstellung bekommen, wie respektvoll gelebte Sexualität aussehen kann, und nicht von dem geprägt werden, was in ihren Messengergruppen geteilt wird.
      Für eine realistische Einschätzung, wofür sich Kinder und Jugendliche in welchem Alter aufgrund ihrer Entwicklung interessieren (oder sich interessieren würden, wenn man Sexualität nicht tabuisiert oder als schmutzig diffamiert, wie es in vielen christlich-konservativen Kreisen leider geschieht), empfehle ich Ihnen die Übersicht der Sexologin Veronika Schmidt: https://static1.squarespace.com/static/54dc771de4b01b81e4dbfe06/t/5ea6d48ce10a3647f6fc8655/1587991693333/Sexuelle+Enwicklungsphasen+Kinder.pdf

      1. Hallo Kaja,
        danke für die Stellungnahme.

        Ja, die Ansprüche an die Leiter und Verantwortungsträger müssen die höchsten sein.
        Da wäre die Selbstprüfung der Kandidaten schon der erste Schritt – wer sich selbst allzu leichtfertig zu höchsten Weihen berufen sieht, dessen Bewerbung sollte von vorneherein sehr kritisch beurteilt werden.
        (siehe dazu auch Richter 9, Verse 7-15)

        Und zu ihrer Ausführung zu “christlich-konsvervativ”:
        Wenn die Sexologin in der von Ihren genannten Quelle als “Entwicklungsgerechtes Sexualverhalten von Kindern und Jugendlichen”, nun aber für die Altersgruppe “13 Jahre und älter” u.a. folgendes als angemessen bezeichnet, dann zweifle ich doch sehr an dieser angeblichen Altersangemessenheit:
        – ” Gegenseitiges Masturbieren, Küssen, Petting”
        – ” Geschlechtsverkehr”

        Das ist auch keine “Altersfrage”, sondern eine Beziehungsfrage. Deshalb ist die Ehe Voraussetzung für Geschlechtsverkehr.
        Ich sehe deshalb in der Frühsexualisierung der Kinder ein großes Problem für ihre Bindungsfähigkeit.
        Wir müssen uns nur die Scheidungszahlen ansehen, samt den mitbetroffenen Kindern als Scheidungswaisen, um realistischerweise festzustellen, dass unsere Gesellschaft keinen angemessenen Umgang mit Sexualität pflegt.

        1. Lieber Herr Bütker,
          selbstverständlich sollte JEDER Mensch sich immer wieder prüfen. Mein Beitrag galt lediglich der Beobachtung, dass Sie mit diesen Ihren angelegten Prüfsteinen niemanden wählen können. Weil es keinen Menschen gibt, der diese Kriterien vollumfänglich und zu jeder Zeit erfüllt.
          Wenn Sie schon die Kompetenz einer Sexologin infrage stellen, ist es vermutlich nicht möglich, Ihnen auf Ihren Einwand etwas zu antworten, was Sie zufrieden stellen wird. Nur soviel: Das Schreckgespenst der angeblichen “Frühsexualisierung” in Bildungseinrichtungen ist eine Erfindung bestimmter konservativer Kreise, die nicht der Realität entspricht. Kinder sind von Anfang an auch sexuelle Wesen. Und wenn man die Furcht vor der Sexualität einmal loslässt und einfach nur wertfrei Kinder in ihrer Entwicklung beobachtet, ohne ihnen Scham und Ekel vor der eigenen Sexualität anzutrainieren, stellt man fest, dass die sexuelle Selbsterfahrung ganz natürlich zur Entwicklung dazugehört. Darin gilt es, sie zu begleiten und ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Sexualität zu lehren. Der kann aber nicht so aussehen, dass man erst alles verbietet und in die Schmuddel-Ecke schiebt und dann in den buntesten Farben eine angeblich voll gelingende Sexualität in der Ehe ausmalt (wenn man nur mit dem Sex wartet) – die es so nicht gibt. Dies zeigen zumindest die Erfahrungen von Eheberatungen und die Berichte zahlreicher konservativ erzogener Menschen, die ehrlich erzählen, wie es bei ihnen in der Ehe so aussieht und welche enormen Schwierigkeiten sie durch diese Erziehung in ihrer Ehe haben/hatten.
          Leider wollen Konservative die Sexualität in die Ehe sperren, unter anderem weil sie sich des immensen Unterschiedes zwischen den gesellschaftlichen Vorstellungen von und Anforderungen an Ehe zu biblischen Zeiten und heute nicht bewusst sind und fälschlicherweise das, was sie heute als Ehe praktizieren, als „biblisch“ bezeichnen.
          Die Scheidungsraten und die Bindungsfähigkeit von Kindern mit der Art der Aufklärung und der Einstellung zu Sexualität in Korrelation zu bringen, halte ich für ein mehr als spekulatives Unterfangen.

  3. Eigentlich bin ich über die Aussage von Herrn Bedford-Strohm, keine kirchlichen Empfehlungen zur Bundestagswahl im September zu geben, etwas erstaunt. Hat er seine Meinung über die Politischen Parteien im Zusammenhang mit seinem Rückzug aus der EKD-Leitung geändert oder gehört er zu denjenigen, die der Meinung sind, “was kümmert mich mein Geschwätz von gestern”? Er sagt : ” Unsere Aufgabe ist es sicherlich nicht, bestimmten Parteiprogrammen einen Heiligenschein zu geben.” Wer möchte schon gerne in einem von Bedford-Strohm erzeugten Heiligenschein stehen? Ich nicht! Mir fällt da in diesem Zusammenhang der letzte Evangelische Kirchentag ein. Laut einem Beschluß des Präsidiums des Ev.Kirchentages ( epd vom 28.09.2018 ) sollten Vertreter der AfD nicht zur Mitwirkung auf Podien und zu Diskussionsveranstaltungen des anstehenden Kirchentages in Dortmund 2019 eingeladen werden.
    Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Bedford-Strohm hat diesen Beschluß begrüßt und ausdrücklich unterstützt. Einer solchen Partei ein öffentliches Forum anzubieten, sei unangemessen. Eine schriftliche Anfrage meinerseits an den damaligen Präsidenten des Kirchentages blieb unbeantwortet. Errare humanum est?

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