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Ukraine-Krieg droht humanitäre Krise in Afrika zu verschärfen

Der Krieg in der Ukraine könnte viele Menschen in der Dritten Welt hart treffen. Weil zunehmend Hilfe in die Ukraine fließt, gerät die für Afrika aus dem Blick. Zudem steigen Preise für Nahrungsmittel.
Von PRO
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Weizenernte
Ukraine und Russland verantworten zusammen etwa ein Drittel der globalen Weizenexporte. Wegen des Krieges sind die Ernten bedroht – die Preise für Nahrungsmittel steigen.

Millionen von Menschen in Afrika könnten den Krieg in der Urkaine schon bald zu spüren bekommen. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) befürchtet, dass der Krieg die ohnehin „fragile Ernährungssicherheit“ in vielen afrikanischen Ländern und dem Nahen Osten „massiv beeinträchtigen“ könnte. Der Verband rechnet mit Versorgungsengpässen und weiteren Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln, etwa in der von einer schweren Dürre geplagten Region am Horn von Afrika.

Die Ukraine und Russland sind bedeutende Produzenten von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Pflanzenöl. Anbau und Export der Nahrungsmittel sind jedoch wegen des Krieges in dem Land gefährdet.

Trotz der massiven humanitären Auswirkungen des Krieges in der Ukraine dürften die politischen und humanitären Krisen in anderen Ländern und die humanitäre Hilfe dort nicht aus dem Blick geraten, fordert VENRO. Zusätzliche Mittel für die Ukraine dürften nicht zu Lasten anderer Krisenregionen gehen.

Im Jemen etwa seien Millionen Menschen wegen des Bürgerkrieges und seiner Folgen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. „Nach der russischen Invasion in der Ukraine sind die Weizenpreise in die Höhe geschossen“, erklärt Martin Knispel, Vorsitzender der humanitären Hilfsorganisation Tearfund, einem Mitglied bei VENRO. Etwa ein Fünftel des Getreides werden im Jemen aus der Ukraine und Russland importiert.

„Die Explosion der Preise hat zu Hamsterkäufen geführt. Die Menschen haben Angst, dass das Mehl ausgeht“, sagt Knispel. Wer in dem Land noch Geld habe, kaufe deshalb Weizen. Das verschlimmere die Situation der Ärmsten zusätzlich. Auch in afrikanischen Ländern seien die Preise für Mehl und Speiseöl enorm gestiegen.

Die nationalen Tearfund-Partner in Europa berichten nach Angaben von Knispel insgesamt von enormer Hilfsbereitschaft für die Ukraine. „Das ist erfreulich. Aber die Sorge ist auch da, dass dadurch Hungers- und Flüchtlingskrisen in Ostafrika und anderen Ländern nicht die Hilfe erfahren, die die Notleidenden momentan dringend bräuchten.“

Geber haben Kürzungen für Afrika angekündigt

Dass Hilfsorganisationen warnen, die Nothilfe für die Ukraine könne auf Kosten afrikanischer Länder gehen, berichtet auch der Evangelische Pressedienst (epd) am Freitag. Verschiedene Geber hätten bereits angekündigt, 70 Prozent ihrer Hilfen für den Sahel zu kürzen, um damit Hilfslieferungen in die Ukraine zu finanzieren, erklärte die Generaldirektorin von „Ärzte der Welt“ im westafrikanischen Burkina Faso, Safia Torche, laut einer Mitteilung mehrerer Hilfsorganisationen vom Donnerstag. „Wir sind sehr besorgt, dass dies ein Trend wird und damit der Zugang zu Gesundheitsversorgung für Vertriebene in Burkina Faso noch begrenzter wird“, erklärte Torche.

Das Norwegische Flüchtlingshilfswerk (NRC), Action Against Hunger, „Ärzte der Welt“ und Oxfam teilten in der gemeinsamen Erklärung mit, die Finanzmittel für die Bewältigung der Krise in Westafrika deckten weniger als die Hälfte von dem, was eigentlich benötigt werde. Es sei entscheidend, dass die Krise in der Ukraine nicht die Gelder und Aufmerksamkeit für die Sahel-Region verringere.

Die steigenden Getreidepreise durch den Konflikt in der Ukraine drohten die Situation in Ländern wie Burkina Faso zu verschärfen. Derzeit sind in der Region 1,7 Millionen Menschen auf der Flucht, zwei Drittel davon sind Kinder. In Burkina Faso und der Region haben bewaffnete Konflikte, transnationale Kriminalität und Gewalt eine humanitäre Krise ausgelöst, die durch Wetterextreme und die Folgen des Klimawandels noch verschärft wird.

Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, forderte nach epd-Angaben vom Mittwoch, dass Deutschland seine Unterstützung für die weltweite Hungerbekämpfung sofort ausbauen und finanzielles Engagement für Nahrungsmittelhilfe steigern müsse.

Die Ukraine gilt als die „Kornkammer Europas“. Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreide-Exporteuren. Allein Afrika bezieht rund 30 Prozent seiner Weizenimporte aus der Ukraine und Russland. Die Ukraine ist zudem der größte Exporteur von Sonnenblumenöl auf der Welt.

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2 Antworten

  1. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass China aktuell seine Lagerbestände an Getreide auf 50 % der Welt gesteigert hat laut Bloomberg. Da dies erst kurz vor dem Krieg massiv geschah scheint dies darauf hinzudeuten, dass es Infos über diesen Krieg vorab in China gab. Auch erschwert das
    nicht nur die Lage in Afrika sondern viele andere Krisen wie die z.B die Lage von Millionen syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens. Es wird deshalb insgesamt massiv mit mehr Hungernden auf der Welt zu rechnen sein. Aber die Folgen gehen noch viel weiter: selbst die ärmeren Regionen in Europa werden unter den steigenden Preisen sehr zu leiden haben: in Griechenland, wo die Renten seit die Finanzkrise halbiert wurde, sind in den letzten Wochen die Brotpreise um 20 % gestiegen. Die EU wird wie bei den Krisen in den letzten Jahren wieder sehr viele an den Lasten tragen. Da die Wirtschaft durch den Krieg auf Jahre geschädigt wird lassen sich die Folgen für die Welt nicht absehen. Die größte Rolle in diesem Krieg spielt China. Die Chinesen sind die einzigen, die Russland in den Arm fallen können. Tun sie das nicht und meinen aus dem Krieg Vorteile ziehen zu müssen wird der Schaden auch für die westliche Welt riesig sein.

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  2. Noch ergänzend: auch große Mengen an Düngemittel kommen aus Russland und der Ukraine. So ist Brasilien sehr stark in diesem Punkt von den beiden Ländern abhängig, da es u.a. 2016 seine eigene Düngemittelproduktion beendet hat. Das erklärt vielleicht auch u.a. die Enthaltung von Brasilien und anderen Ländern bei der UN Vollversammlung.

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