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Christen und messianische Juden helfen Ukrainern

Auf der Flucht vor dem Krieg kommen viele Menschen aus der Ukraine auch nach Deutschland. Die Hilfsbereitschaft hier ist groß und hat viele Gesichter. Ein Beispiel aus einer Berliner Gemeinde.
Von PRO
Bananenkisten

Foto: Christina Bachmann

In der methodistischen Kreuzkirche Berlin Lankwitz türmen sich die Bananenkartons mit Hilfsgütern

„Wir brauchen Bananenkartons!“ Keine übliche Ansage nach dem Gottesdienst. Doch in der methodistischen Kreuzkirche Berlin Lankwitz bekommen die Besucher genau diesen Appell mit auf den Weg. Der Grund: In diesen stabilen Kisten lassen sich Hilfsgüter für die Ukraine gut in großen Mengen transportieren.

Einen Tag darauf sind in einem der Gemeinderäume die Tische dicht an dicht bepackt mit Bananenkartons. Gefüllt mit vielen Spenden: Handtücher, Zahnpasta, Socken, Handschuhe, Schals, Süßigkeiten, Kuscheltiere und vielem mehr. Beschriftet sind die Kisten in Englisch, Deutsch und Ukrainisch. Helfer aus der Kreuzkirche sortieren abgegebene Spenden.

Schon länger besteht ein guter Kontakt zur jüdisch-messianischen Gemeinde Beit Schomer Israel in Berlin, zu der viele Ukrainer gehören. So auch Gemeindeleiter Andrei Ignatenko, der aus Kiew stammt und seinen Vater und viele Freunde und Verwandte dort hat. Er leitet diese und auch andere Spenden weiter. „Wir haben die Sammelstellen geprüft, wo wir die Sachen hinbringen“, sagt er. Momentan liefen so viele Initiativen, viele Menschen versuchten zu helfen.

„Wir helfen allen“

„Jeder versucht, seine Kontakte zu nutzen“, sagt Ignatenko. „Einige Leute aus anderen jüdisch-messianischen Gemeinden, die selbst fahren, kennen wir persönlich. Manche schaffen es bis Lemberg in der Ukraine, andere haben Kontakte an der Grenze.“ Der Fokus richte sich zwar auf jüdisch-messianisch Gemeinden in der Ukraine als ein „Herzensanliegen“, sagt der Gemeindeleiter. „Aber wir helfen allen.“

Wladimir Pikman ist der Rabbiner der Berliner Gemeinde, außerdem Gründer und Leiter des jüdisch-messianischen Werkes „Beit Sar Shalom Evangeliumsdienst“. Auch er kommt aus Kiew, viele Verwandte seiner Frau sind noch in der Ukraine. Schon in der Sowjetunion hätten in der Ukraine viele Juden gelebt und das sei immer noch so, erzählt Pikman in einem Online-Interview, er ist gerade in den USA unterwegs. Auch in den letzten Jahrzehnten sei die Ukraine sehr judenfreundlich gewesen.

Foto: Christina Bachmann
Wladimir Pikman selbst hat Verwandtschaft in der Ukraine

Von den messianisch-jüdischen Gemeinden in der Ukraine, zu denen Pikman Kontakt hat, stehen mehrere in diesem Krieg unter Beschuss. „Es ist viel Leid“, sagt Pikman. „Die Menschen sind traumatisiert, sie verstecken sich in Kellerräumen. Viele sind in die Westukraine geflohen und hausen dort mit zwanzig Menschen in einem kleinen Zimmer, mit kaum etwas zu essen. Manche haben es schon bis nach Polen, Ungarn oder noch weiter geschafft.“

Überwältigende Hilfsbereitschaft in Deutschland

Es ermutige ihn, wie die Menschen in Deutschland sich für seine Landsleute einsetzten. „Ich bewundere diese Hilfsbereitschaft“, sagt Pikman, das habe seine Erwartungen übertroffen. „Heutzutage bin ich stolz, ein deutscher Staatsbürger zu sein.“

Was brauchen die Menschen, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen, vor allem? Neben der Unterbringung ist auch seelische Unterstützung nötig, meint der Rabbiner. „Liebe und ein Willkommen, alles, was ihre traumatische Spannung lindern kann.“ Russisch oder Ukrainisch zu sprechen, hilft natürlich sehr. „Aber Unterstützung kann man nicht nur durch Worte geben, wir Menschen haben viele Möglichkeiten, Liebe durch Taten zum Ausdruck zu bringen“, sagt Pikman.

Foto: Christina Bachmann
Auch für die Kleinsten wird gespendet: Kuscheltiere

Das beginne schon mit einem Händedruck oder einem freundlichen Blick. Ganz praktisch hilft, wer Flüchtlinge beim Gang zu Behörden begleitet, private Unterkünfte vermittelt, Menschen dorthin oder für die Weiterreise zum Bahnhof bringt. Auch die Gemeinde Beit Schomer Israel hat ehrenamtliche Mitarbeiter am Bahnhof, die versuchen, Unterkünfte zu organisieren. Gemeindeleiter Ignatenko wird auch nachts angerufen.

Berührende Einzelschicksale

„Man muss schnell reagieren“, bestätigt Martina Schwarz, eine der spontanen Helferinnen aus der Kreuzkirche. Sie ist mit einigen anderen an einem Abend mit belegten Brötchen, warmem Tee und dicker Kleidung im Gepäck zum Landesamt für Flüchtlinge (LAF) in Berlin-Charlottenburg gefahren. Anschließend war sie noch mit dem Auto unterwegs, brachte zwei Frauen zum Bahnhof und in eine Unterkunft.

Aus diesen Begegnungen blieben Fragmente persönlicher Schicksale: Eine nigerianische Studentin, die vier Tage in einem ukrainischen Keller gesessen hat, „kalt, dunkel, kein Wasser“, erzählt Martina Schwarz. Die andere Frau war zu Fuß bis zur polnischen Grenze gelaufen und nur noch müde, mit leerem Blick.

Auch in der Kreuzkirche haben in der Nacht sechs Ukrainer und Ukrainerinnen geschlafen. Sie werden mit einem großen Topf Gulasch bekocht. Eine Dolmetscherin, die „Beit Sar Shalom“ vermittelt hat, kann Sprachbarrieren überbrücken. Gelebte Liebe, die den Geflüchteten guttut. „Es ist hier wie im Himmel“, sagt eine ältere Frau, die einen Bombeneinschlag direkt neben ihrem Haus erlebt hat.

Gebet für den Frieden

Ein anderer Übernachtungsgast, ein älterer Mann, kommt herein, zeigt auf seine Füße, die barfuß in den Schuhen stecken. Martina Schwarz wühlt in dem Bananenkarton mit den Sockenpaaren. „Die sind alle nur bis 38, zu klein“, ruft sie den anderen zu. „Wir brauchen größere Socken!“ Vielleicht Anregung für eine weitere Ansage nach dem Gottesdienst.

Dort wird schon seit Beginn des Krieges immer wieder für Frieden in der Ukraine gebetet. Auch Wladimir Pikmans Gebet ist es, „dass Gott Menschen vor dem Sterben bewahrt, dass er ihnen in ihrer Not hilft und beisteht, und dass viele Menschen in dieser Krise zum Glauben kommen.“

Menschlich gesehen hat Pikman wenig Hoffnung, dass der Krieg beendet wird. „Es braucht ein Wunder biblischen Ausmaßes“, sagt der Rabbiner und ermutigt zum Gebet für die Ukraine. „Gebet selbst kann nicht den Frieden bringen, aber Gott kann es und das Gebet kann dazu beitragen.“

Von: Christina Bachmann

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Eine Antwort

  1. Ein großartiger Bericht, über das , was dort in der Gemeinde geleistet wird; sicher gibt es inzwischen ähnlich bewegende, organisierte Hilfen in ganz vielen Gemeinden. Wir wissen z.B. Von einer Freien Evangelischen Gemeinde in Detmold „Schöne Aussicht“, dass von dort großartiges geleistet wird. Wenn man so etwas hört und liest, rührt es uns zu Tränen und zur Dankbarkeit !
    Mir tat der Satz des Berliner Rabbiners gut: „Gebet selbst kann nicht den Frieden bringen, aber Gott kann es und das Gebet kann dazu beitragen“.
    Ja, für Martin Schlorke werden wir jetzt auch in der Fürbitte vor Gott eintreten ! Versprochen ist versprochen !!

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