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Russlanddeutsche können Flüchtlingen helfen

Manche Menschen mit russischer Herkunft werden in Deutschland wegen des Krieges in der Ukraine angefeindet. Dabei könnten gerade sie den Flüchtlingen aus der Ukraine helfen, weil sie deren Sprache und Kultur kennen.
Von Norbert Schäfer
Heinrich Derksen

Foto: Bibelseminar Bonn

Heinrich Derksen, dem Leiter des Bibelseminars Bonn, sind bislang noch keine Anfeindungen gegen Russlanddeutsche bekannt. Der Theologe ermutigt die russlanddeutsche Community, den Flüchtlingen aus der Ukraine zu helfen.

In Deutschland leben schätzungsweise rund 2,5 Millionen deutschstämmige Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, die hier umgangssprachlich Russlanddeutsche genannt werden. Rund 200.000 von ihnen gehören einer der insgesamt etwa 1.200 russlanddeutschen Gemeinden in Deutschland an. „Das, was als russlanddeutsche Community angesehen wird, ist aber nicht homogen“, sagt der Theologe Heinrich Derksen.

Ein Russlanddeutscher könne beispielsweise aus Russland nach Deutschland gekommen sein, aber auch aus der Ukraine. Davon zu unterscheiden seien Russen, die zwar in Deutschland lebten und möglicherweise eine Deutsche geheiratet hätten, aber keine deutschen Wurzeln hätten. „In der Öffentlichkeit wird das kaum differenziert“, sagt Derksen. Die Verfolgung in der Sowjetunion, die russlanddeutsche, russische und ukrainische Christen erlebt hätten, verbinde die Menschen hier.

Dennoch gebe es unterschiedliche kulturellen Prägungen, Gepflogenheiten und Meinungen. „Im Großen und Ganzen verurteilen die russlanddeutschen Christen diesen Krieg“, erklärt Derksen. Vereinzelt würden aber auch Erklärungen für Putins Vorgehen gesucht.

Derksen selbst ist in Russland geboren. Im Alter von sechs Jahren ist der Sohn deutscher Eltern nach Deutschland gekommen, hier zur Schule gegangen, hat Abitur gemacht und Theologie studiert. Seit 2005 leitet er das Bibelseminar Bonn. Das ist 1992 von Russlanddeutschen gegründet worden. Derksen ist zudem ehrenamtlicher Pastor einer Freikirche in Köln mit rund 700 Mitgliedern mit überwiegend russlanddeutschen Wurzeln, aber insgesamt mehr als 40 Nationalitäten, und in der russlanddeutschen Gemeinschaft sehr gut vernetzt.

Zusammenhalt, Hilfe und Gebet sind angesagt

Am Freitag hatte CDU-Generalsekretär Mario Czaja Anfeindungen gegen russischstämmige Menschen in Deutschland scharf verurteilt und mehr Zusammenhalt gefordert. Der CDU-Politiker berichtete von Anfeindungen gegen Russlanddeutsche in seinem Wahlkreis und Übergriffe auf russische Geschäfte und eine russisch-deutschen Schule in seinem Wahlkreis. „Wir müssen den Deutschen aus Russland und den Menschen mit russischen Wurzeln deutlich signalisieren, dass sie nicht unsere Gegner sind. Unser Gegner ist nicht das das russische Volk“, erklärte Czaja.

Derksen hat noch keine Anfeindungen nach der russischen Invasion in der Ukraine erlebt. Auch aus dem Umfeld seiner Gemeinde in Köln hat er von derlei Vorfällen keine Kenntnis. „Wenn da ein Geschäft beschmiert worden ist, dann sicher, weil sich der Inhaber pro Putin geäußert hat“, erklärt Derksen, der Wert auf die Unterscheidung zwischen „pro russisch“ und „pro Putin“ legt. Wer hier als Russe lebe und sein einstiges Heimat- und Vaterland liebe, müsse deshalb nicht Putins Krieg gegen die Ukraine automatisch für gut befinden.

Derksen hat den Eindruck, dass Politiker in Deutschland sehr darum bemüht sind, zwischen Putin als dem Kriegstreiber und dem russischen Volk zu unterscheiden. „Das, was gerade passiert, hat nicht das russische Volk zu verantworten, sondern der Machthaber Putin, der die Welt gegen Russland aufwiegelt“, sagt er. Der Krieg und die Menschen, die ihn angezettelt hätten, dürften verurteilt werden. Nicht aber pauschal das russische Volk.

Für die Menschen, die durch den Krieg betroffen seien, zuerst die Ukrainer, aber auch die Russen, gelte es zu beten. Die evangelische Freikirche in Köln hilft, wo das möglich ist und ruft zum Freitagabend-Friedensgebet auf. Die ersten 200 Flüchtlinge aus der Ukraine seien bereits mit Bussen in der Dom-Stadt angekommen und weitere 200 unterwegs, um in russlanddeutschen und russischstämmigen Familien einquartiert zu werden. „Es sind gerade die Russlanddeutschen, die sich jetzt intensiv um die Flüchtlinge aus der Ukraine bemühen sollten, weil sie die Sprache und Kultur verstehen.“


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3 Antworten

  1. Herr Derksen hat völlig Recht, denn SO, wie wir Deutschen heute nicht für die Gräuel der Nazis verantwirtlich gemacht werden dürfen, sehe ich es auch heute mut dem russischen Volk, das in gleicher Weise beligen wird, wie unser Volk damals.
    Lasst uns helfen, so wie es möglich ist.
    Jesus bietet 100-fache Vergeltung. Wo bekommt man eine Verzinsung von 10.000 %? Rs gilt für Jeden, sich Schätze im Himmel zu sammeln. Nitlagen Anderer sind dazu gut geeignet, so traurig, wie das für die Betroffenen auch ist.
    Jesus ist Sieger – auch in und nach diesen schweren Zeiten.

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  2. Es sollte aber auch bedacht werden, dass Putin nicht allein steht, sondern mit anderen Verantwortlichen seines Regimes. Ja, wie im Nazireich ist jetzt auch bei den Russen Zivilcourage gefragt. Und nur durch die mutigen Nazigegner aus dem deutschen Volk sind die Deutschen nach Kriegsende nicht alle in einen Topf geworfen worden. Beten wir darum, dass es viele russische Christen (und andere Russen) gibt, die sich der Putin-Clique aktiv in den Weg stellen und diesen Kriegswahnsinn bekämpfen.

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