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Southern-Baptist-Präsident warnt vor christlichem Nationalismus

Christlicher Nationalismus kann zu Christenverfolgung führen. Davor warnte Bart Barber, der Präsident der Southern Baptists – der größten protestantischen Gruppe in den USA. Im November stehen dort Kongresswahlen an.
Von Jonathan Steinert
Bart Barber, Southern Baptist Convention

Foto: CBS News

Bart Barber ist seit Juni Präsident des Southern Baptist Convention

Der neue Vorsitzende der US-amerikanischen Southern Baptist Convention, Bart Barber, hat sich gegen eine Dominanz der Kirche und des christlichen Glaubens gegenüber dem Staat ausgesprochen. In einem Interview des Senders CBS News für das Magazin „60 minutes“ machte der Pastor deutlich, dass christlicher Nationalismus der 400-jährigen Geschichte der Baptisten und seiner eigenen Überzeugung von Religionsfreiheit widerspreche. Die Trennung von Kirche und Staat hätten Baptisten bereits bei ihrer Gründung unterstützt, da sie selbst aus religiösen Gründen verfolgt worden seien.

Barber warnte, dass es in Verfolgung ende, wenn die Kirche nach politischer Macht greife – das sei eine Lehre aus der Geschichte. „Es hört nicht damit auf, dass Menschen verfolgt werden, die keine Christen sind. Tatsächlich läuft es darauf hinaus, dass Menschen verfolgt werden, die Christen sind, deren Ausprägung des christlichen Glaubens aber anders aussieht als die der Regierung.“

Barber ist seit Juni Präsident des Dachverbandes, zu dem nach eigenen Angaben mehr als 47.000 Gemeinden mit rund 14 Millionen Mitgliedern gehören. Er ist damit der größte und einflussreichste protestantische Verband in den USA. Barber selbst ist Pastor in Farmersville in Texas. Die Southern Baptists gelten als konservativ, was auch Barber im Gespräch deutlich machte, etwa beim Thema Abtreibung. Im Mai wurde der Verband von Missbrauchsvorwürfen gegen mehr als 700 Pastoren erschüttert.

„Zum Prinzip Jesu gehört kein gewalttätiger Mob“

Seit Trumps Präsidentschaft wird die starke Politisierung weißer Evangelikaler und ihr Einfluss auf die amerikanische Politik diskutiert. 76 Prozent von ihnen unterstützten den Republikaner bei der Wahl 2020. Der amerikanische Soziologe Philipp Gorski warnt vor einem christlichen weißen Nationalismus. Das sei auch der eigentliche Grund dafür, dass viele weiße Evangelikale Trump wählten, erklärte er im PRO-Interview. Christlicher weißer Nationalismus sei eine Gefahr für die liberale amerikanische Demokratie, legt er mit seinem Kollegen Samuel L. Perry auch in seinem jüngsten Buch „The Flag and the Cross“ dar, weil er sich unter anderem gegen Minderheiten richte.

„Letztlich geht es der religiösen Rechten darum, Amerika wieder zu einer rein christlichen Nation zu machen, in der in allen Lebensbereichen vor allem christliche Ideen und Grundsätze gelten“, erklärte auch der Historiker John Fea von der Messiah University in Mechanicsburg kürzlich dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Derzeit laufen die Wahlkämpfe für die Midterm Elections, bei denen die US-Bürger am 8. November das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats wählen sowie die Gouverneure in einigen Bundesstaaten. Die Halbzeitwahlen gelten als Stimmungstest für die aktuelle Regierung. Hierfür bringen sich die Anhänger Trumps gerade in Stellung.

Barber erklärt, bei der Präsidentschaftswahl 2016 nicht für Donald Trump gestimmt zu haben, vier Jahre später jedoch habe er ihm seine Stimme gegeben. Trumps konsequente Pro-Life-Politik habe ihn dazu ermutigt.

Die gewalttätigen Ausschreitungen am 6. Januar 2021 vor dem Kapitol, als der Kongress das Wahlergebnis offiziell bestätigen sollte, verurteilte Barber: „Ich möchte geleitet sein von den Prinzipien Jesu. Das beinhaltet nicht die Gewalt eines Mobs.“ Er könne schwerlich jemanden wählen, der das unterstütze, sagte Barber. „Viele Baptisten wären sehr froh über die Möglichkeit, jemanden in der Führung unseres Landes zu unterstützen, der auf den Werten steht, die uns wichtig sind, aber der das tun kann, ohne das Leben seines Vizepräsidenten in Gefahr zu bringen.“

Damit spielte Barner darauf an, dass der Mob Trumps Vizepräsident Mike Pence den Tod wünschte, sollte er den Wahlsieg Joe Bidens anerkennen. Als Sitzungsleiter war das an jenem 6. Januar seine Aufgabe. Pence konnte damals gerade noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, bevor die Massen den Saal stürmten. Barber stellte gegenüber CBS klar: Biden ist der rechtmäßige Präsident der USA. „Ich bete ständig für ihn.“ Trump und zahlreiche seiner Anhänger sprechen von einer „gestohlenen Wahl“. Das lehnte Barber ab. Blinde Parteinahme zerstöre alles.

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7 Antworten

  1. Auch in unserem Land muss man sich inzwischen diesem Thema stellen. Gerade im Zusammenhang mit der Corona-Politik haben sich manche Christen unangemessen politisiert. Viele Machwerke sind da zu lesen oder zu hören wie etwa zuletzt die sogenannte “Frankfurter Erklärung”, in der in sehr unchristlicher Weise Politiker mit missbräuchlichen Begriffen und Vorwürfen überzogen werden.

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  2. Es könnte so einfach sein, schlicht das Prinzip “Trennung von Kirche und Staat ” beherzigen !
    Das schließt den Wunsch nach einer werteorientierten Politik ja nicht aus und man darf auch weiterhin jammern und klagen (noch besser beten ), wo dies systematisch untergraben wird.
    Ansonsten lassen wir Gläubigen die “böse Welt” ihren Lauf nehmen und verzichten auf Einflussnahme, das sollte sich nicht nur die religiöse Rechte, sondern auch die liberale Kirche mit ihrer Umwelt und Genderagenda hinter die Ohren schreiben ! Unsere Heimat ist im Himmel !

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  3. Ohne werteorientierte Politik mit einer gesunden Betonung von Nation, Gott und Familie wird Demokratie zur Anarchie oder es regiert das Recht des Stärkeren. Die Wurzeln der Demokratie liegen in diesen Werten und wenn man das nicht beachtet sägt man auf dem Ast auf dem man sitzt. Deshalb schafft es diese Erklärung gleichzeitig auf 2 Seiten vom Pferd zu fallen

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    1. Stammtischbruder, Sie haben mal wieder einen Volltreffer gelandet. Und die Redaktion einen feinen Kommentar. Weiter so.

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      1. Lieber Herr Mette, vielleicht verstehe ich Sie falsch, aber Stammtischbruder kann ich nicht zustimmen – denn “die böse Welt” ihren Lauf nehmen lassen, das ist für mein Verständnis nicht christlich. Man kann sich doch eigentlich gar nicht unpolitisch verhalten – im schlimmsten Fall unterstützt man damit “die Falschen”. Das ist für mich eine Erkenntnis aus dem Lesen von Äußerungen, auch von Christen, in der Zeit vor und unter Hitler. Volle Zustimmung aber zum letzten Satz von Stammtischbruder!

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  4. Dem kann man weitgehend zustimmen, bei einer Sache ist aber Wachsamkeit angesagt. Gerade, weil die Unionsparteien gegen die christlichen Werte Politik gemacht habe ( “Ehe” für alle, Lebensrechtfragen..) sollten Christen sehr wachsam sein, wem sie ihre Stimme geben. Gerade Rechtspopulisten greifen gern diese Themen auf, um Christen dazu zu bewegen, ihre Stimme dieser Partei zu geben, die aber eine ganz andere Agenda tarnt, die alles andere als christlich ist, dem christlichen Menschenbild völlig zuwider läuft. Das sollte schwerer wiegen, als daß sich diese Partei gegen Genderideologie und Abtreibung ausspricht. Das sind nur billige Köder, um Wähler zu gewinnen. So hat es Trump auch gemacht, ebenso hat Putin gehandelt. Auch Hitler hat damalige Stimmungen aufgegriffen, die enorme Arbeitslosigkeit mit Krieggüterproduktion bekämpft. Die Menschen fielen darauf herein, weil sie wieder Arbeit hatten, damals noch lebenswichtiger als heute, da das soziale Netz nicht so allumfassend wir heute war. Da wurden die menschenverachtenden Dinge ausgeblendet, da sie die meisten nicht betrafen. Christen sollten gegenüber rechten und linken Rattenfängern gefeit sein, beide tragen Ideologien in sich, die teuflisch und gegen Gott gerichtet sind, wie übrigens auch der Liberalismus, der jeden Menschen zu seinem eigenen Gott machen will, das ist Satan in Reinkultur. Unsere Aufgabe ist nicht die Politik, sondern das Evangelium zu verkünden und für alle Regierenden, auch für Herrn Putin und das Mullahregime im Iran zu beten.

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  5. Man könnte sich als christliche Kirche / als christliche Einzelpersonen ja auch freundlich / konstruktiv-kritisch in Politik einsetzen ohne plumpe Polemisierung / Schwarz-Weiß-Malerei und aufhetzenden Feindbildern … Auch hier gilt evtl. Jakokus 4 ?

    Glauben ist ein Weg / Prozess und kein unreflektiertes Beharren auf tw. überkommenen Vorstellungen …

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