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Religiosität sinkt durch Einführung des Ethik-Unterrichts

Die Einführung des Ethikunterrichts als Alternative zu Religion fürt zu geringerer Religiosität im Erwachsenenalter. Das haben Forscher des ifo-Instituts nachgewiesen.
Von Jonathan Steinert
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„Eine Rückbesinnung, warum das Grundgesetz den Religionsunterricht verfassungsrechtlich garantiert, tut not", schreibt Hans Michael Heinig

Foto: contrastwerkstatt, fotolia

Religionsunterricht ist im Grundgesetz verankert

Religionsunterricht, der sich an den Grundsätzen einer Religionsgemeinschaft orientiert, ist in den verschiedenen Bundesländern ein Wahl- oder Wahlpflichtfach. Das heißt, die Schüler können zwischen Religion und einem Fach wie Ethik wählen oder das Fach freiwillig als zusätzliches Angebot belegen. Das war nicht immer so.

Alternativen zum Religionsunterricht wurden in den Bundesländern erst zwischen 1972 und 2004 eingeführt. Berlin und Bremen sind dabei Ausnahmen. Denn schon vor Einführung des Grundgesetzes 1949, in dem der bekenntnisgebundene Religionsunterricht verankert ist, hatten sie andere Modelle in ihren Verfassungen stehen.

Forscher des Zentrums für Bildungsökonomik am ifo-Institut in München haben in einem aktuellen Arbeitspapier untersucht, welchen Effekt die Reform des Religions- und die Einführung des Ethikunterrichtes auf die Religiosität im Erwachsenenalter hatte. Dazu haben sie in statistischen Verfahren Daten aus großen, wiederkehrenden Umfragen unter der bundesdeutschen Bevölkerung ausgewertet – dem sozioökonomischen Panel, dem Nationalen Bildungspanel und der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften.

Angaben zur Religiosität haben sie dabei in Beziehung gesetzt zu den Einschulungsjahrgängen der Befragten, dem Bundesland, in dem sie in die Schule kamen, und den Jahren, in denen in den jeweiligen Ländern Ethik als Schulfach eingeführt wurde. So konnten die Forscher die Jahrgangskohorten verschiedener Bundesländer jeweils vor und nach der jeweiligen Reform miteinander vergleichen. Insgesamt standen dafür die Daten von rund 58.000 Erwachsenen zur Verfügung, die zwischen 1950 und 2004 in die erste Klasse kamen.

Ethik kommt, Reli-Unterricht modernisiert sich

Die Untersuchung zeigt, dass es tatsächlich einen Effekt gibt zwischen der Einführung von Ethik und der Religiosität: Denn diese war bei denjenigen geringer ausgeprägt, in deren Schulzeit eine solche Reform fiel oder die danach eingeschult wurden. Sie beteten als Erwachsene weniger, gingen seltener in den Gottesdienst und traten häufiger aus der Kirche aus.

Dabei spielte es keine Rolle, ob die betreffende Person als Kind Religion oder Ethik in der Schule besuchte. „Wir sehen nämlich, dass sich auch der Religionsunterricht in den Jahren nach der Einführung des Ethikunterrichts modernisiert, und wir können nicht trennen, welche Effekte auf den Besuch des neuen Ethikunterrichts oder durch den Besuch des modernisierten Religionsunterrichts zurückzuführen sind“, erklärt Benjamin Arold, einer der Autoren, gegenüber PRO.

Die Forscher zeigen in ihrem Aufsatz, dass sich die Ziele des Religionsunterrichts im Zuge der Reformen verschoben haben – weg von einer Auseinandersetzung mit der eigenen Konfession, hin zu einer allgemeineren Beschäftigung mit Werten und verantwortungsvollem Leben auf der Basis von Religion und Glaube.

Keinen Einfluss hat die Abschaffung des verpflichtenden Religionsunterrichts auf generelle Werte wie Vertrauen, Lebenszufriedenheit oder die Bereitschaft für freiwilliges Engagement. Das ist für die Forscher schlüssig: Schließlich sei werteorientierter Unterricht nicht komplett gestrichen worden, sondern es sei ein zweiter Typ davon entstanden.

Allerdings weist die Studie Auswirkungen auf andere Einstellungen nach: Die Einführung von Ethik führte etwa dazu, dass diejenigen, die währenddessen oder danach die Schule besuchten, seltener traditionelle Familienbilder und Geschlechterrollen etwa in Bezug auf technische Fertigkeiten vertraten. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie heirateten, wie auch die Zahl der Kinder war bei ihnen etwas geringer als im Durchschnitt. Sie waren häufiger berufstätig, arbeiteten länger und verdienten mehr. Insofern habe die Reform das Leben der Menschen weit über die religiöse Sphäre hinaus beeinflusst, heißt es in dem Aufsatz.

Religiosität sei kein Phänomen, das losgelöst sei von anderen Lebensbereichen. Es stehe in Beziehung zu „anderen gesellschaftlich relevanten Größen wie Geschlechterrollen sowie dem Familien- und Arbeitsleben “, erklärt Arold. Dies habe die Studie für den Fall des Religions- und Ethikunterrichts kausal zeigen können.

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Eine Antwort

  1. Die Bildung von Werten außerhalb des Elternhauses wird laut Aussagen von Psychologen weit überschätzt. Das ist und bleibt die Aufgabe der Eltern, Paten und Bezugspersonen der Kinder. Wenn denen nicht daran liegt, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und wenn sie nicht mit ihnen den Glauben leben (vor allem in den ersten 6 Jahren der Kinder) haben sowohl Bildungseinrichtungen als auch kirchliche Angebote wenig Chancen, “christliche Werte” zu vermitteln.

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