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„Kirche hat Prägekraft“

Die Bundesrepublik Deutschland ist historisch stark von religiösen Werten geprägt. Die Solidarität zur christlichen Religion in Deutschland nimmt aber weiterhin ab. Dies hat die Politikwissenschaftlerin Karin Schnebel bei einem Online-Vortrag der Hanns-Seidel-Stiftung betont.
Von Johannes Blöcher-Weil
Gekreuzigter Jesus
Wenn selbst Kirchenobere das Aufhängen von Kruzifixen kritisieren, verabschiedet sich Kirche von ihren ureigensten Zielen, findet die Politikwissenschaftlerin Karin Schnebel

Das Christentum hat immer noch eine große Prägekraft. Das sagte die Passauer Politikwissenschaftlerin Karin Schnebel in einer Online-Veranstaltung der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. So sei das Christentum und Jesus Lehre bedeutsam für die Menschenrechte gewesen. Auch beobachte sie, dass der Weltjugendtag einen enormen Zulauf gehabt habe, religiöse Themen in allen Medien zunehmen würden und sich die Freikirchen über immer mehr Mitglieder freuen dürften. Deutschland müsse in seiner religionspolitischen Ordnung in Zukunft aber auch die Konfessionslosen mitbedenken.

Im Laufe der Geschichte sei die religiöse Wahrheit und die Macht der Kirchen immer mehr infrage gestellt worden. Frankreich habe 1803 darauf mit der klaren Trennung von Staat und Kirche reagiert, mit fatalen Folgen für das geistliche Leben. Deutschland habe sich verstärkt seit den 1960er Jahren von einer bi- zu einer multikonfessionellen Gesellschaft gewandelt: „Dabei waren die Menschen früher nicht unbedingt religiöser, sondern sie hatten keine Alternativen.“

„Selbstverständlichkeiten werden infrage gestellt“

Die Politikwissenschaftlerin zeigte sich verwundert darüber, dass sogar aus dem Inneren der Kirche Kritik an Markus Söders Schritt komme, Kreuze in öffentlichen Gebäuden aufzuhängen: „Die Kirche nimmt hier Abstand zu ihren ureigensten Zielen.“ Viele Selbstverständlichkeiten würden in Frage gestellt und die Solidarität zur christlichen Religion nehme ab.

In Deutschland seien die Religionsfreiheit und der Religionsunterricht im Grundgesetz verankert. Einen Laizismus wie in Frankreich strebe keine Partei an. Allerdings sinke die Akzeptanz für das jetzige Modell des traditionellen Religionsunterrichts. Vielen reiche eine Wertevermittlung im Fach Ethik. Auch dies könne drastische Folgen für die christlichen Kirchen haben.

Abschließend ging die Referentin noch auf Italien ein, einem Staat mit „katholischer Monokultur“. Im Grundgesetz werde dort sogar auf das historisches Erbe und den Wert der religiösen Kultur verwiesen. Ganz anders sei dies in Frankreich, wo die Religion bis heute komplett aus dem Staatlichen herausgehalten werde: „Öffentlich über den Glauben zu sprechen, ist heute verpönt“, sagte Schnebel.

Kirchen haben bedeutende Rolle im Gemeinwesen

Schnebel bilanzierte: „Politik ist sich über die Entwicklung der Religionen in der heterogeneren Gesellschaft nicht einig. Die Bedeutung der Religion für die Demokratie wird oft nicht mit in Rechenschaft gezogen.“ Vor allem die sozialen Dienste in Deutschland unter christlicher Trägerschaft spielten für die soziale, moralische und religiöse Haltung in der Gesellschaft eine wichtige Rolle: „Dafür gibt es keinen Ersatz! Religionen sind diejenigen, die die Stimme für die Menschen und deren Würde erheben.“ Diese Stimmen müsse es auch in Zukunft geben.

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