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Mit der Bibel zum Yoga

Yoga liegt derzeit im Trend. Mittlerweile gibt es auch Angebote, die sich „christliches Yoga“ nennen. Kann man eine ursprünglich südasiatische Praxis mit dem Christentum verbinden? Eine Theologin und Yoga-Lehrerin meint: Ja. Kritiker sehen jedoch Widersprüche zum christlichen Glauben.
Von Swanhild Zacharias
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Foto: privat
Katharina Mutzbauer ist Theologin und ausgebildete Yoga-Lehrerin. Auf ihrem YouTube-Kanal „Yoga himmelwärts“ praktiziert sie christliches Yoga.

Katharina Mutzbauer sitzt im Schneidersitz auf ihrer Yogamatte. Mit einem „Hallo und herzlich Willkommen“ begrüßt sie die Zuschauer zu ihrem YouTube-Video „Sonnengruß Flow am Morgen“. Doch statt Yoga gibt es erst einmal einen geistlichen Input. „Was passt besser zum Begrüßen des Tages und zu Christus, dem Licht unseres Lebens, als der Sonnengruß?“, fragt Mutzbauer. Das ganze Video dreht sich um den Bibelvers Johannes 8,12, in dem Jesus sich als das Licht der Welt bezeichnet. Es folgt die Yoga-Übung „Sonnengruß“. Zum Schluss gibt es einen Segen. 

Die junge Frau ist ausgebildete Yoga-Lehrerin und derzeit Vikarin in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Mutzbauer praktiziert „christliches Yoga“, zum Beispiel auf ihrem YouTube-Kanal „Yoga himmelwärts“. Die Einheiten laufen oft so ab, wie eingangs beschrieben. „Wir bewegen unseren Körper unter einem Thema aus dem biblisch-christlichen Umfeld“, sagt Mutzbauer im Interview. Sie erfahre Gottes Gnade und Geborgenheit dadurch oft ganz neu und werde still vor Gott. Die bewusste Atmung und die Übungen helfen ihr dabei. „Ich finde die Idee von Körpergebet total schön. So verstehe ich auch meine Praxis. Ein Gebet mit dem Körper und nichts anderes.“ Doch weil sie dabei Yoga-Übungen ausführe und auch die entsprechende Ausbildung habe, nenne sie es „christliches Yoga“. 

Zwischen Yoga und dem christlichen Glauben sieht Mutzbauer vor allem das Verbindende. Im Yoga seien Asana (die Körperhaltung), Pranajama (die Atmung) und Meditation wichtig. Die Körperübungen könne man damit verbinden, Geschöpf Gottes zu sein. Vom Gott gegebenen Atem spreche schon die Bibel in ihren ersten Kapiteln, auch Paulus betone das in Apostelgeschichte 17 bei seiner Rede auf dem Areopag. Die Meditation komme für sie nahe an das Gebet heran. 

Der Begriff „Yoga“ kommt vom Verb „yuj“ aus der altindischen Sprache Sanskrit. Es stammt ursprünglich aus dem landwirtschaftlichen Kontext und bedeutet soviel wie „binden“, „verbinden“ oder „anschirren“, zum Beispiel einen Wagen anspannen oder anjochen. Es ist auch mit dem deutschen Wort „Joch“ eng verwandt. Über die praktische Bedeutung hinaus sei der Begriff im Indischen vor allem philosophisch konnotiert, erklärt Alexander Benatar vom EZW. Es gehe um die Vorstellung, dass die Seele in einem Wagen reist. Den Wagen stelle der Körper dar. Yoga sei das Joch oder das Geschirr, was die Seele mit dem Wagen verbinde. Das Bild des Anschirrens von Zugtieren vermittele die Aspekte des Yoga: Kräfte werden vereinigt, gebündelt und beherrscht.

Man müsse bei Yoga zwischen Ursprung und Entwicklung unterscheiden, sagt sie. „Eine der wichtigsten Schriften für die Yoga-Ausbildung ist das ‚Yogasutra‘ von Patanjali aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Darin kommen keine Götter vor, nicht mal Körperübungen. Es geht allein darum, den Geist zur Ruhe zu führen.“ Deshalb ist es für sie kein Widerspruch, als Christin Yoga zu machen. Die religiöse Dimension des Yoga, bei der es im Hinduismus darum geht, aus dem Kreislauf der Wiedergeburt auszubrechen und Erlösung zu finden, habe sich erst später entwickelt.

Nach Ansicht des Theologen Michael Kotsch, des Vorsitzenden des Bibelbundes, ist Yoga hingegen fest im Hinduismus verankert. „Yoga ist ein Heilsweg, einer der fünf des Hinduismus“, sagt er. Wer Yoga ernst nehme, der könne weder nur die Übungen allein als Sport ausführen, wie es heutzutage oft praktiziert werde, noch es als Gebetspraxis sehen. Ein Indiz dafür ist für Kotsch, dass es bei dem größten europäischen Yoga-Netzwerk „Yoga Vidya“ mit Sitz in Horn-Bad Meinberg eindeutig um hinduistische Inhalte gehe. „Im Programm wird deutlich gesagt, dass körperliche Übungen lediglich ein Einstieg sind“, sagt Kotsch. Das Yogasutra biete zudem viel Interpretationsspielraum. Zwar nenne es keine konkreten Götter, Brahman sei aber wichtig. „Brahman“ ist nach hinduistischer Vorstellung die „Weltseele“, ein unpersönliches, göttliches Konzept ohne Schöpfer. Kotsch sieht Yoga eher als „Konkurrenzveranstaltung“ zum Christentum. „Yoga kann auch von Gott wegführen“, gibt er zu bedenken. Vor allem für diejenigen, die es ernsthaft betrieben. Es sei nicht falsch, körperliche Übungen in der Verbindung mit Gott zu sehen, wie Mutzbauer es tut. „Ich würde es aber nicht mit Yoga verbinden.“

„Yoga ist keine Religion“

Von einer festen Verankerung des Yoga im Hinduismus zu sprechen, sei nicht ganz richtig, sagt Alexander Benatar. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und beschäftigte sich für seine Promotion mit Südasien. Yoga könne zwar nicht komplett losgelöst von seinen indischen Ursprüngen gesehen werden. Er bestätigt aber Mutzbauers Aussage, dass es anfangs lediglich um die Suche nach innerer Ruhe gegangen sei. Aber: „Es geht um das philosophische Ziel der Auflösung der Individualseele in einem großen Ganzen.“ Das ähnelt Kotschs Verständnis des Yogasutra. Dem Christentum sei das fremd. „Das heißt aber nicht, dass man Yoga nicht in der jüdisch-christlichen Glaubenspraxis fruchtbar machen könnte.“ Yoga sei eine Meditationstechnik, die im südasiatischen Raum als Religionspraxis benutzt werde. „Man kann es im spirituellen Kontext ausüben, muss es aber nicht.“ Yoga sei kein in sich geschlossenes, religiöses System.

„Yoga ist keine Religion und möchte auch nicht von einer Religion beansprucht werden“, sagt auch Mutzbauer. So praktizierten auch nicht alle Hindus Yoga. Benatar betont, dass Yoga auch in Teilen des Buddhismus vertreten sei. Ihm selbst sei es bei einem Besuch einer Gruppe von Sikhs in Indien begegnet. Auch wenn Yoga keinen christlichen Ursprung hat, findet er: „Wenn man Yoga macht, bedeutet das nicht automatisch eine Abwendung vom christlichen Glauben.“

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Alexander Benatar ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)

„Wenn man es entsprechend theologisch begründet, halte ich das für möglich“, ist Benatars Antwort auf die Frage, ob christliches Yoga möglich ist. Denn: Glaubenspraxis und Kirche veränderten sich. Es brauche jedoch die passende Übersetzung. „Man könnte es mit biblischen Texten einleiten, die man durch Wiederholungen oder Übungen versucht zu verinnerlichen. Sodass Yoga ein Hilfsmittel ist, um ein Bibelwort fühlbar zu machen.“ Das ähnelt Mutzbauers Praxis.

Benatar gibt wie Kotsch zu bedenken, dass Übergänge in eine religiöse Dimension fließend sein können. Wer Yoga zunächst unverbindlich als Sport betreibe, könne durchaus unter einen fremden religiösen Einfluss geraten, wenn er zum Beispiel weitere Angebote der Lieblings-Yogalehrerin wahrnehme, bei denen es dann auf einmal eine spirituelle Dimension gebe. Mutzbauer empfiehlt, nichts mitzumachen, was man nicht verstehe oder wobei man sich unwohl fühle. So habe sie in ihrer Yoga-Ausbildung Sanskrit-Silben nicht mitgesprochen und stattdessen still für sich gebetet. Auch der ursprüngliche Gedanke der Yoga-Meditation, sich als Person und Seele vollkommen auflösen zu wollen, sei ihr fremd. „Wenn ich in der Bibel lese, Psalm 139 zum Beispiel, dann sehe ich, dass da ein Gott ist, der mich als Person kennen möchte. Und nicht, dass ich mich erstmal auflösen muss“, sagt sie. 

Wer Angst habe, durch Yoga seinen Glauben zu verlieren, solle lieber darauf verzichten. Wer unsicher sei, für den sei Beten ein guter Rat. „Ich frage immer Gott, ob ich auf dem richtigen Weg bin und ob er den auch mitgeht. Das kann jeder genauso machen.“

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9 Antworten

  1. Natürlich wurde Yoga in vorchristlicher Zeit innerhalb eines religiösen Zusammenhanges entwickelt. Die Beweggründe dafür waren die gleichen, die auch später dem christlichen Glauben zugrunde gelegt wurden (“Habt nicht lieb die Welt, noch was in ihr ist” 1. Joh. 2,15-17): Loslösung von der Welt, Hinwendung zu Gott.
    Natürlich gibt es nur einen Gott, und wie man diesen geistes- und kulturgeschichtlich benennen und erkennen konnte, ist überhaupt nicht relevant, wenn es sich um die Sammlung und Verinnerlichung handelt. In diesem Sinne ist Yoga keinesfalls gefährlich für Christen. Sie kommen da mit keinen “fremden Göttern” in Verbindung, da es die ja gar nicht gibt. Vielmehr ist unserem veräußerlichten Christentum das Praktizieren des zur Ruhe- und in die Stillekommens sehr nötig.
    Ich empfehle auf meinem Blog zwar kein Yoga, aber doch ein vertiefstes Christentum, wie es unsere Zeit so sehr nötig hat: https://manfredreichelt.wordpress.com/inhaltsverzeichnis/

  2. Klingt alles ganz schön, allerdings höre und lese ich von indischen Yoga-Meistern, die sagen, dass sich Yoga nicht trennen lässt von geistlichen Wirkungen. Es gebe kein Yoga, das sich nur auf den Körper auswirkt. sie warnen auch davor, Yoga ohne eingeweihten Lehrer zu lernen oder auszuführen, da tiefgreifende seelische und geistige Prozesse in Gang gesetzt werden können. Ich selbst habe auch erst Yoga-Kurse besucht und das Gelernte dann weitergegeben, solange ich spirituell auf dem Weg war. Als ich die Kraft Gottes im Heiligen Geist kennenlernte, wurde mir der Unterschied bewusst und ich löste mich von vielen Praktiken, die ich während 19 Jahren ausübte, unter anderem auch von Yoga. Inzwischen warne ich davor, weil es eher von der Verbundenheit mit Gott in Jesus Christus wegführt.
    Mehr dazu bei https://superkraft.ch/2018/09/26/christian-findet-freiheit-und-erfuellung-beim-heiland/

  3. Klingt alles ganz schön, allerdings höre und lese ich von indischen Yoga-Meistern, die sagen, dass sich Yoga nicht trennen lässt von geistlichen Wirkungen. Es gebe kein Yoga, das sich nur auf den Körper auswirkt. sie warnen auch davor, Yoga ohne eingeweihten Lehrer zu lernen oder auszuführen, da tiefgreifende seelische und geistige Prozesse in Gang gesetzt werden können. Ich selbst habe auch erst Yoga-Kurse besucht und das Gelernte dann weitergegeben, solange ich spirituell auf dem Weg war. Als ich die Kraft Gottes im Heiligen Geist kennenlernte, wurde mir der Unterschied bewusst und ich löste mich von vielen Praktiken, die ich während 19 Jahren ausübte, unter anderem auch von Yoga. Inzwischen warne ich davor, weil es eher von der Verbundenheit mit Gott in Jesus Christus wegführt.
    Mehr dazu bei https://superkraft.ch/2018/09/26/christian-findet-freiheit-und-erfuellung-beim-heiland/

  4. Yoga wie wir es als körperbezogene Übungen kennen, ist ein Aushandlungsorodukt interkultureller Begegnungen und enthält wohl mehr westliche Gymnastik-, Fitness und Bodybuilding- Einflüsse als Patanjali-Sutren. Teilweise wurde es von den indischen Yogis als sektiererisch bezeichnet. Wer sich dafür interessiert: https://www.ezw-berlin.de/html/119_10564.php

  5. Hier liegt ein typisches Beispiel vom ungenauen Umgang mit Begriffen vor. Sehr oft werden reine gymnastische Übungen als Yoga angeboten und viele meinen dann das wäre wirklich Yoga. So muss man hier fragen: Welches Yoga und wenn ja wie viele. Auf jeden Fall ist eines klar: Yoga mit klarem Bezug auf religiöse Inhalte ist aus christlicher Sicht klar abzulehnen

  6. Moin,

    Yama – ethische Disziplin nach „außen“
    Niyama – ethische Disziplin nach „innen“

    Sowohl Yama als auch niyama beinhalten 5 Unterpunkte.

    Spannend wird es bei niyama und dem 5. Punkt unszwar heißt der „Hingabe an das göttliche“.
    Noch spannender wird es, da es im Yoga heißt, dass die Yamas und niyamas Empfehlungen sind, dass auch „das göttliche“ einem selbst überlassen wird, was oder wem man sich da hingibt.
    Und die inspirierende Dame gibt sich eben Jesus hin, Halleluja!

    Wir Menschen Mensch sind nicht perfekt und sollte sich nicht anmaßen zu urteilen.
    Schon garnicht als Pastor, wenn diese Yogalehrerin, liebe, Frieden und Stille in sich regt.

    Schaut euch ihr Foto an und dann ihr Gesicht.
    Sie sieht glücklich aus, ist das nicht schön?

    Falls sie das lesen sollte:

    Von meinem Herzen zu deinem Herzen, mach weiter so meine liebe, ich bewundere dich!
    Jesus führt dich und das allein zählt.
    Gerettet bist du schon!
    Und wenn du das laufen als Neugeborene durch die Asanas machst umso besser.

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