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Katharina, der Tod und eine himmlische Perspektive

Hoffnung über den Tod hinaus und erfrischende Perspektiven für das Leben: Anne Fleck verarbeitet in „Zartheit und Krawall“ zwar den Tod ihrer geliebten Freundin. Das Buch ist aber eine Bereicherung für das Leben im Hier und Jetzt.
Von Swanhild Brenneke

Foto: Fontis

Die verstorbene Freundin Katharina war für Autorin Anne Fleck Vorbild in vielen Lebensbereichen

Katharina starb viel zu früh an Krebs. Ihre beste Freundin Anne Fleck hat ihre Trauer darüber in einem Buch mit vielen Essays verarbeitet. Herausgekommen ist „Zartheit und Krawall“ – ein Werk, das sich schonungslos ehrlich mit großen Themen des Lebens, Glaubens und Sterbens auseinandersetzt.

Auf den ersten Seiten fühlt es sich ungewohnt an, so viel über die für den Leser fremde Katharina zu erfahren. Zwar fühlt man die Trauer der Autorin über den Tod der geliebten Freundin mit, doch man fragt sich: Was bringt es mir, das alles über eine völlig Fremde zu lesen?

Spätestens nach dem zweiten Essay aber wird klar, worum es Fleck geht: Katharina war für sie in vielen Lebens- und Glaubensfragen ein großes Vorbild. Anhand von Katharinas Sicht auf die Welt packt die Autorin große Themen an wie Demut, Berufung, Glück, Sterben oder auch Toleranz und Vielfalt. Katharina war Freikirchlerin, Fleck selbst ist Katholikin. Sie beschreibt eigene Einsichten und erklärt, wie ihre verstorbene Freundin zu diesem oder jenem stand und warum sie von ihr lernen konnte.

Die Autorin äußert auch mal eine unkonventionelle Meinung und das macht das Lesen erfrischend. Sie schreibt, wie es ihr gerade in den Sinn kommt. So liest man zum Beispiel ganz ungeniert von „Arschproletentum“ und ein Kapitel trägt die Überschrift „Arsch in der Hose“. Im Kontext wirkt das aber keinesfalls abstoßend.

Zum Thema Demut heißt es:

„Aber manchmal benehmen wir uns auch einfach wie selbstgerechte Ärsche, und wenn uns dann keiner leiden kann, tun wir so, als hätten wir – bei aller Demut natürlich – bemerkt, dass das an der Gottesferne der Welt liegt.“

Auch eine gewisse Portion Humor ist bei Flecks Schreibstil dabei: „Demut. Ein anstrengender Begriff auf den ersten Blick. Stammt etymologisch von ‚Mut zu dienen‘, glaube ich. Da haben es die Katholiken leichter als die Evangelischen. Die sind vertrauter mit mangelnder linguistischer Coolness. Die finden sich schon voll modern, wenn von Demut und nicht von humilitas die Rede ist. Demut klingt nicht wie das, was alle wollen – in echt ist sie aber das Nonplusultra.“

Auch wenn die Autorin mit dem Buch ihre Trauer verarbeitet, geht es verhältnismäßig wenig um das Sterben der Freundin. Stattdessen wird der Leser ermutigt und gewinnt in vielen Dingen neue Perspektiven auf Themen. Und nicht nur einmal findet man sich in darin selbst wieder. So zum Beispiel beim Essay zum Gebet: „Ich glaube, dass in Katharinas Engagement fürs Gebet ein großes Geheimnis liegt: Manchmal sehnen wir uns nach Gott oder sind traurig, dass er nicht mit uns spricht. Aber wir hören keine Sekunde lang zu, sind die ganze Zeit am Rennen und umgeben von Krach, der uns von unserem Inneren ablenkt.“

Und weiter:

„Gott spricht dauernd zu uns, nur zieht er einen dabei normalerweise nicht brüllend am Handgelenk, sondern flüstert ins Ohr oder zeigt vorsichtig in eine Richtung.“

Auch vor Kritik an den eigenen Reihen der Christenheit scheut sich Fleck nicht: „Wir erzählen den Menschen von unserem Glauben, aber wir tun es mit der falschesten aller Haltungen. Statt zu vermitteln: ‚Ich teile das Schönste, was ich habe, und das Schönste ist Christus!‘, rennen wir rum, erzählen allen von unseren Überzeugungen und lassen sie dabei spüren, was uns antreibt, nämlich der Gedanke: ‚Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!‘“

Besonders schön ist, dass der Leser immer wieder die Perspektive auf die Ewigkeit mitnimmt, und die Vorfreude auf das, was Christen im Leben nach dem Tod erwartet: „Mit dem Tod meines Großvaters und dem Tod von Katharina letztes Jahr hat sich auch das mit der Entfernung geändert. Der Himmel ist nähergekommen, hat an Realität gewonnen und ist zum greifbaren Ort der Sehnsucht geworden. Inzwischen freu ich mich auf die Gang dort“, schreibt Fleck. „Katharina […] hat, was die Gesprächspartner anbelangt, ein krasses Upgrade gemacht.“ Oder: „Jetzt hängt sie mit Engeln ab.“

Die Texte in „Zartheit und Krawall“ sind eine wirkliche Bereicherung. Auch wenn die Erkenntnisse nicht alle neu sind, führen sie dem Leser doch oft das eigene Ich vor Augen. Und die „himmlische“ Perspektive hilft zu einer entspannteren Sicht auf einiges, über das man sich als Christ manchmal zu gerne zu viele Gedanken macht. Der Untertitel des Buchtitels fasst es perfekt zusammen: „Über die unverschämte Hoffnung, die mich der Tod meiner Herzensfreundin lehrte“.

Anne Fleck: „Zartheit und Krawall“, 144 Seiten, fontis, 13,50 Euro, ISBN 9783038481928, erhältlich ab 1. Juli.

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