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Kardinal Marx will auf sein Amt verzichten

Paukenschlag in der katholischen Kirche: Kardinal Marx hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Damit zog er Konsequenzen aus dem Umgang mit den Missbrauchsfällen in der Kirche.
Von epd
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Kardinal Reinhard Marx Foto: pro/Jonathan Steinert
Kardinal Reinhard Marx ist seit 2008 Erzbischof von München und Freising

Kardinal Reinhard Marx hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Mit diesem Schritt wolle der 68-jährige Theologe, der seit 2008 an der Spitze des Erzbistums München und Freising steht, Mitverantwortung übernehmen „für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“, schrieb Marx nach Angaben seines Erzbistums vom Freitag an den Papst.

In einer persönlichen Erklärung hob Marx hervor, er wolle mit seinem Amtsverzicht persönliche Verantwortung tragen, „nicht nur für eigene mögliche Fehler, sondern für die Institution Kirche“. Er könne nicht zufrieden damit sein, dass ihm selbst juristisch nichts oder nur wenig nachgewiesen werden konnte.

Die Diskussionen der letzten Zeit hätten gezeigt, „dass manche in der Kirche gerade dieses Element der Mitverantwortung und damit auch Mitschuld der Institution nicht wahrhaben wollen und deshalb jedem Reform- und Erneuerungsdialog im Zusammenhang mit der Missbrauchskrise ablehnend gegenüberstehen“. Die katholische Kirche sei an einem „toten Punkt“ angekommen. Mit seinem Amtsverzicht könne vielleicht ein persönliches Zeichen gesetzt werden für neue Anfänge, für einen neuen Aufbruch der Kirche. „Ich will zeigen, dass nicht das Amt im Vordergrund steht, sondern der Auftrag des Evangeliums.“

Kardinal Marx, der von 2014 bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, hatte zuvor bereits einen Großteil seines Privatvermögens einer Stiftung für Missbrauchsopfer zukommen lassen.

In der persönlichen Erklärung hieß es weiter, er habe in den vergangenen Monaten immer wieder über einen Amtsverzicht nachgedacht. „Ereignisse und Diskussionen der letzten Wochen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle“, betonte Marx. Sein Brief an Papst Franziskus ist auf den 21. Mai datiert.

Er wolle er sich in den nächsten Jahren verstärkt der Seelsorge widmen und sich für die für eine geistliche Erneuerung der Kirche einsetzen. Als Erzbischof von München und Freising hatte Marx, der mit dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einem Freundschaftsverhältnis steht, die Ökumene mit der evangelischen Kirche entscheidend geprägt. Außerdem brachte Marx eine Verwaltungsreform hin zu größeren Seelsorge-Einheiten in seinem Bistum auf den Weg, die bei der kirchlichen Basis teilweise auf Widerstand gestoßen war.

Vor seiner Berufung nach München hatte Marx, der aus dem westfälischen Geseke stammt, Weihbischof in Paderborn und Bischof in Trier.

Kritik an Woelki

Wie Marx laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte, wolle er mit seinem Schritt „auf die Mitbrüder da nicht einwirken“. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht darin jedoch eine direkte Attacke auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der in der Bischofskonferenz stets als sein konservativer Gegenspieler galt: „Er greift direkt Kardinal Woelki frontal an, wenn er von denen spricht, die sich hinter juristischen Gutachten verstecken und nicht bereit sind, die systemischen Ursachen der sexualisierten Gewalt in der Kirche mit mutigen Reformen anzugehen“, sagte Schüller der dpa.

Woelki selbst äußerte „großen Respekt“ vor Marx’ Entscheidung. In einer Stellungnahme teilte er mit, er habe Papst Franziskus im vorigen Dezember „gebeten, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln sowie meine persönliche Verantwortung zu bewerten. Damit habe ich mein Schicksal damals vertrauensvoll in die Hände des Papstes gegeben“. Mittlerweile habe der Papst zu diesem Zwecke Visitatoren entsandt.

Indirekt kritisierte auch Georg Bätzing, der Limburger Bischof und Voristzende der Deutschen Bischofskonferenz, den Kölner Kardinal. „Für eine solche Entscheidung, da braucht man menschliche Stabilität, und da muss man auch geistlich offen sein, sagte er dem ZDF. Der Punkt dieser Souveränität sei in Köln mit die Überprüfung durch den Vatikan überschritten.

Der evangelische bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm habe das Rücktrittsgesuch Marx‘ mit Respekt und Bedauern aufgenommen, berichtet die dpa. Es zeige die „beispielgebende Geradlinigkeit und Konsequenz, mit der er die Erneuerung seiner Kirche betreibt“, zitiert sie ihn.

Die Initiative von Missbrauchsopfern „Eckiger Tisch“ lobte den Münchener Erzbischof. „Es ist ein beeindruckender Schritt, dass endlich ein Bischof in Deutschland in der Ich-Form spricht und Verantwortung übernimmt“, zitiert die dpa einen Sprecher. Der bisherige Prozess der Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle sei an einen toten Punkt gekommen. Jetzt könne etwas Neues beginnen.

Von: epd/Jonathan Steinert

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Eine Antwort

  1. Abducken und weglaufen hat auch schon in der Großstadt Ninive beim Propheten Jona nicht geklappt und nach dem “Walaufenthalt” ließ er sich doch noch schicken und predigte das Verderbnis der lästerhaften Stadt !

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