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Joe Biden, der katholische Präsident

Immer wenn ein neuer US-Präsident gewählt wird, regnet es Biografien auf dem Büchermarkt. Der Journalist Maximilian Lutz hat den Fokus auf einen wichtigen Aspekt im Lebenslauf von US-Präsident Joe Biden ausgerichtet: seinen tiefen katholischen Glauben.
Von Jörn Schumacher
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Foto: St. Benno Buch und Zeitschriften Verlagsgesellschaft mbH Leipzig
Der deutsche Journalist Maximilian Lutz stellt vor: „Joe Biden. Ein Katholik im Weißen Haus“

Der katholische Glaube, das wird bei der Lektüre von Maximilian Lutz’ Buch schnell deutlich, ist für den amtierenden Präsidenten der USA mehr als nur eine schicke Idee, der man viel abgewinnen kann. Den Katholizismus sog Biden von Kindheitstagen in sich auf und wurde zu einem Teil von ihm. Lutz, der seit 2016 Redakteur bei der in Würzburg erscheinenden katholischen Wochenzeitung Die Tagespost ist, beschreibt auf 144 Seiten, welchen Einfluss der Glaube auf Biden hatte, wie ihn die Kirche prägt, als Mensch und als Politiker.

Joe Biden ist erst der zweite Katholik im Amt. Sechzig Jahre nach John F. Kennnedy, den Biden sehr verehrte, betonte der 1942 geborene ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama offen seine Loyalität zur katholischen Kirche. „Ich bin in kultureller wie in theologischer Hinsicht Katholik“, sagt Biden über sich. Für den Politiker, der stets einen Rosenkranz bei sich trägt, sei Theologie so eine Art „Nebenbeschäftigung“, sagt er. In seiner langen politischen Laufbahn traf Biden drei Päpste: Franziskus, Benedikt XVI. und Johannes Paul II.

Lutz beleuchtet in einem eigenen Kapitel das große Vorbild: John F. Kennnedy. Biden teile mit ihm zwar dessen Katholizismus, doch seien beide ansonsten sehr unterschiedlich. Interessant ist zudem Lutz’ kurzer geschichtlicher Überblick über die Religion in den USA, war und ist doch der Katholizismus nicht gerade die typische Religion der sonst durchaus religiösen Amerikaner. Von Anfang an waren Protestanten in der Neuen Welt zahlenmäßig deutlich überlegen, später dominierten vor allem die Iren den US-Katholizismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Während um 1950 nur rund 35 Millionen Katholiken im Land gewesen seien, gebe es heute rund 70 Millionen, was etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmache. Zudem ist vor allem für die evangelikale Leserschaft interessant: Billy Graham, schon damals der wohl bekannteste evangelikale US-Pastor und einer der einflussreichsten Prediger des 20. Jahrhunderts, schlug sich bei der Wahl Kennedy/Nixon auf die Seite der konservativen Republikaner.

Überhaupt sind konservative Ansichten, wie sie im Katholizismus vertreten werden, in den USA traditionell eher mit den Republikanern verbunden. Das zeigt sich bei Themen wie Abtreibung: „Abtreibungsgegner wählen republikanisch, Befürworter demokratisch“, stellt Lutz fest. Und so ist Bidens liberale Haltung bei diesem Thema dann auch immer wieder Grund zu Konflikten mit den Amtsträgern der katholischen Kirche. Der Pfarrer der Diözese Florence im Bundesstaat South Carolina weigerte sich, Biden die Kommunion zu spenden. „Jede öffentliche Person, die Abtreibungen befürwortet, positioniert sich damit außerhalb der Lehre der Kirche“, lautete die Begründung des Geistlichen. Auch mit seinem Einsatz für die Rechte der Personen, die ihre geschlechtliche Identität als nicht-binär oder ihre Orientierung nicht als heterosexuell betrachten (LGBT-Personen) steuert Biden auf Konfrontationskurs mit seiner Kirche.

Schicksalsschläge prägten Biden

Einen großen Teil des Buches widmet Lutz der Biografie des US-Präsidenten, die deutlich macht, dass der Katholizismus ihm in die Wiege gelegt wurde. Der gesamte mütterliche Zweig der Familie hatte irische Wurzeln. Biden ging sonntags zur Kirche, die ihm „wie ein erweitertes Zuhause“ vorkam, wie Biden in seiner Autobiografie „Promises to keep“ schreibt. „Ich konnte den gesamten Katechismus praktisch auswendig.“ Loyalität und Religion: Diese Elemente sorgten in der Familie Biden für den Zusammenhalt. Und sie bestimmten auch heute noch die politische Basis des Präsidenten. Biden, der viel von Nonnen unterrichtet wurde, wollte eine zeitlang auch Priester werden.

Selbstverständlich befasst sich Lutz mit den schweren Schicksalsschlägen, mit denen Biden in seinem Leben fertig werden musste und inwiefern der Glaube dabei half. Bidens Frau Neilia und die kleine Tochter Naomi starben 1972 bei einem Autounfall; Sein ältester Sohn Beau starb an einer Krebserkrankung – er wurde nur 46 Jahre alt. Der tragische Tod seiner Frau und seiner Tochter ließ ihn zunächst auch mit Gott hadern, schreibt Lutz. Sein Leben lang sei er im Glauben an einen gütigen Gott erzogen worden, so Biden. An einen Gott, der vergibt, der gerecht ist, an einen liebenden, tröstenden Gott. Biden berichtet: „Jetzt wollte ich nichts mehr von Gottes Gnade wissen. Ich hatte das Gefühl, Gott habe mir einen fürchterlichen Streich gespielt, und ich war wütend. Ich fand keinen Trost in der Kirche.“ Und dennoch, so berichtete Biden später, gab es in dieser tiefsten Phase der Verzweiflung auch einen Moment, in dem er wieder in Erwägung zog, Priester zu werden.

Diese Schicksalsschläge haben Biden geprägt und führten dazu, dass er eine besondere Glaubwürdigkeit erlangte, wenn es um die Anteilnahme ging. „Wenn es eine auf Joe Biden maßgeschneiderte Rolle gibt, auf die sich langjährige Weggefährten, Freunde und auch Gegner einigen können, dann ist es die des Trösters“, stellt Lutz fest. Zuletzt wurde das deutlich, als Biden über die an Covid-19 verstorbenen Amerikaner sprach. „Ich kenne das nur zu gut“, sagte Biden über die Trauer der Hinterbliebenen.

Das Kapitel über das Verhältnis zwischen Biden und Papst Franziskus überschreibt Lutz vielleicht etwas pathetisch mit dem Ausdruck „Brüder im Geiste“. Beide verträten ähnliche Prinzipien, von denen ihr Handeln bestimmt sei: die Sorge für Arme und Benachteiligte, Dialogbereitschaft, Nächstenliebe“, so Lutz. In seinem Arbeitszimmer im Weißen Haus, dem „Oval Office“, habe er sogar ein Bild des argentinischen Papstes aufgestellt. Lutz weiß aber noch von anderen Zusammenhängen zu berichten: So kämpfe Präsident Biden etwa dafür, dass die Todesstrafe, die immer noch in 28 der 50 US-Bundesstaaten zugelassen ist, abzuschaffen. Papst Franziskus entschied sich 2018 dafür, die Todesstrafe zu ächten und den Katechismus dementsprechend zu ändern.

Das Buch bringt den katholischen Glauben des mächtigsten Mannes der Welt dem Leser näher, und das glücklicherweise in einem kompakten Format. Es gibt aber auch einen guten Überblick über die religiöse Landschaft der USA. So ist es auch für evangelikale Leser interessant zu erfahren, wo die Schnittmengen zwischen Katholiken, Evangelikale, Demokraten und Republikaner verlaufen.

Maximilian Lutz: „Joe Biden. Ein Katholik im Weißen Haus“, St. Benno, 144 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 9783746259161

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3 Antworten

  1. Ich freue mich schon sehr auf die Erscheinung der Biographie.
    Das hört sich nach einer interessanten Lektüre an.

  2. „Abtreibungsgegner wählen republikanisch, Befürworter demokratisch“
    vermutlich, weil sie dort jeweils ihr Anliegen vertreten sehen. Leider – und das ist das starke Argument gegen Bidens Integrität – stellt er sich als “Demokrat” auf Parteilinie und eben nicht als Katholik gegen das Töten von Kindern im Mutterleib.

    Wie erschreckend die Abtreibungslobby agiert, das macht z.B. der Film “Unplanned” deutlich. Übrigens aktuell ist “Unplanned” auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste (DVD-Charts für Spielfilme)
    https://www.pro-medienmagazin.de/unplanned-von-der-leiterin-einer-abtreibungsklinik-zur-pro-life-aktivistin/?unapproved=1769&moderation-hash=cda742c7a590be6d87fd5a5fb6e57b3e#comment-1769

  3. Ein tiefgläubiger Katholik. So ein Witz. Wäre er das, würde er die ihm verliehene Macht dazu nutzen, die Mordmaschinerie Planned Parenthood zumindest nicht zu unterstützen. Stattdessen hat er die Finanzierung dieser Mörder durch den Staat bei Amtsantritt wieder aufgenommen, nachdem Trump als Amtshandlung Nr. 1 die Staatsfinanzierung abgeschafft hatte.
    Desgleichen die massive Förderung der LBTQ-und-was-nicht-alles Bewegung, die getrost als die Christenfeindlichste Bewegung seit Ende des Kommunismus betrachtet werden darf.
    Und das soll ein tiefgläubiger Katholik sein?
    Für wie doof und uninformiert hält der Schreiber dieser „Biografie“ seine potentiellen Leser?

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