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„Ich glaube, der Kirche in Russland droht ein baldiges Ende“

Dietrich Brauer ist Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland. Wenige Tage nach Beginn des Krieges flüchtete er mit seiner Familie von Moskau nach Deutschland. In einem Interview spricht er über die Lage der Kirchen in Russland.
Von Johannes Schwarz
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Der russische Theologe Brauer floh mit seiner Familie nach Deutschland

Foto: Nordkirche

Mittlerweile predigt der russische Theologe Brauer in Deutschland. Seiner Heimat hat er den Rücken gekehrt.

Die evangelische Kirche in Russland steht vor einem Dilemma: Einerseits vertreten die Gläubigen die christliche Friedensbotschaft. Andererseits verlangt die Staatsführung, dass die Kirche die russische Ukrainepolitik und somit auch den Krieg unterstützt. „Ich glaube, der Kirche in Russland droht ein baldiges Ende, wenn sie die Wahrheit nicht mehr dem Evangelium gemäß bezeugen kann.“ Das sagte der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, Dietrich Brauer, in einem Interview mit der Zeit.

Brauer erlebt selbst diese Zerrissenheit der Gläubigen. Seit 2014 ist er der ranghöchste evangelische Geistliche in Russland. Noch wenige Tage nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine am 24. Februar stand er selbst in Moskau auf der Kanzel. Er predigte über ein friedvolles Leben. Er habe jedoch nicht einmal das Wort Krieg benutzt, denn dies ist verboten. Schon wenige Tage später entschloss er sich mit seiner Familie nach Deutschland zu fliehen. Seitdem lebt er in Baden-Württemberg.

Religion nicht frei von Politik

Für ihn war bereits zu Beginn des Krieges klar: Russland wird nicht locker lassen. „Für das Recht, frei zu glauben, frei zu sprechen, wird man in Russland teuer bezahlen müssen.“ Schnell bemerkten er und seine Kollegen selbst die politische Instrumentalisierung. Der russische Staat drängt, die Religionsführer, „die richtige Position“ zu beziehen. Brauer sollte seine Friedenspredigt widerrufen. Dies tat er jedoch bis heute nicht. „Denn Religion darf sich von der Politik nicht erpressen lassen“, erklärte Brauer.

Am 6. März floh schließlich seine Familie und er. Der Russlanddeutsche und seine Frau, die auch Pfarrerin ist, haben weiter Kontakt zu ihrer Gemeinde und den Christen in Russland. Außerdem stehen sie in Verbindung zu Theologen in der Ukraine. Es schmerze, wie verzerrt in Russland über den Krieg berichtet wird.

Der evangelische Theologe konnte seit Beginn des Krieges noch nicht mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill sprechen. Dennoch zeigt er sich enttäuscht von ihm: „Da ich den Patriarchen persönlich kenne, macht mich sein Verhalten traurig.“ Einem möglichen Treffen von Franziskus mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin steht Brauer positiv gegenüber. „Ich glaube fest, dass klare Worte wirken“, außerdem sei die Solidarität mit den Opfern des Krieges „entscheidend“.

Der Theologe Brauer schöpft aus dem „Wort Gottes“ Kraft. „Es leitet mich durch diese finstere Zeit. Vieles, was wir auswendig kennen, wird plötzlich auf neue Weise lebendig.“

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