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Russisch-orthodoxer Patriarch macht Westen für Krieg verantwortlich

Patriarch Kyrill I. hat den „Westen“ und das Militärbündnis Nato für den Krieg in der Ukraine verantwortlich gemacht. Der Westen habe Russland zum Feind erkoren.
Von PRO
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Wladimir Putin und Patriarch Kyrill, russisch-orthodoxe Kirche
Wladimir Putin (links), Präsident der Russischen Föderation, mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I.

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., hat den „Westen“ und das Militärbündnis Nato für die Ursachen des Krieges in der Ukraine verantwortlich gemacht. Der tragische Konflikt sei Teil einer „großangelegten geopolitischen Strategie“ zur Schwächung Russlands, schreibt der Moskauer Patriarch in einem Brief, wie der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf am Freitag dem Evangelischen Pressedienst bestätigte.

Westliche Kräfte hätten nach dem Ende des Kalten Krieges vor mehr als 30 Jahren Russland zu ihrem „Feind“ erkoren und seien immer näher an die Grenzen seines Heimatlandes gerückt, erklärte der Patriarch in seinem Antwortbrief an den Weltkirchenrat, dem auch die russisch-orthodoxe Kirche angehört. Der Westen habe im Osten Europas eine Militärpräsenz aufgebaut und die berechtigten Sicherheitssorgen Russlands ignoriert.

Die westlichen Kräfte hätten beschlossen, nicht selbst gegen Russland zu kämpfen. Sie hätten stattdessen versucht, die Brudervölker Russlands und der Ukraine in Feinde zu verwandeln. Die Ukraine sei mit Waffen und Instruktionen zur Kriegsführung überflutet worden. Es sei ein Versuch unternommen worden, die Ukrainer „umzuerziehen“, und gegen Russland aufzustacheln.

Kyrill nur eine Marionette Putins ?

Kyrill erwähnt laut der englischen Übersetzung des Briefes aus dem Russischen, die der ÖRK zur Verfügung stellte, den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht. Der geschäftsführende Generalsekretär des ÖRK, Ioan Sauca, hatte Kyrill am 2. März aufgerufen, seine Stimme zu erheben, um den Krieg in der Ukraine zu stoppen.

Kyrill gilt als enger Verbündeter Putins. Der Mainzer Ostkirchenkundler Mihai Grigore sieht in der orthodoxen Kirche prinzipiell eine Kraft, die den Verlauf des von Russland begonnenen Krieges beeinflussen könnte. Patriarch Kyrill sei mehr als eine Marionette Putins, er hätte durchaus Einfluss, wenn er sich klar positionieren würde.

Auch die meisten anderen orthodoxen Kirchenoberhäupter in der Welt hätten sich bislang nur sehr zurückhaltend zu der Invasion geäußert. Eine klare proukrainische und proeuropäische Stellungnahme habe es vor allem in Rumänien gegeben. ÖRK-Generalsekretär Sauca gehört der rumänisch-orthodoxen Kirche an.

Russisch-orthodoxe Ukrainer widersprechen Kyrill

Die Äußerungen Kyrills stießen bei russisch-orthodoxen Gläubigen in der Ukraine auf Ablehnung, erklärte der Kirchengeschichtler und Experte für Ostkirchenkunde an der Humboldt-Universität Berlin, Reinhard Flogaus, in einem Interview mit mdr-aktuell. Die Gläubigen in der Ukraine, die etwa ein Drittel des Moskauer Patriarchats ausmachten, wendeten sich „ganz klar gegen diesen Krieg“, sagte der Historiker.

Im Gottesdienst werde der Patriarch deshalb entgegen der orthodoxen Tradition nun nicht mehr erwähnt. Sollte die Ukraine als selbstständiger Staat erhalten bleiben, rechnet Flogaus mit einer Abspaltung der Ukraine vom Moskauer Patriarchat. Sollte sich jedoch Putin durchsetzen, fürchtet er, dass die Kleriker in der Ukraine zur Rechenschaft gezogen würden.

Orthodoxe Kirche stiftet nationale Identität

Mehr als zwei Drittel der russischen Bevölkerung identzifizierten sich nach Angaben von Detlef Pollack, Religionssoziologe an der Universität Münster, mit der Orthodoxie. Dieser Anteil sei in den vergangenen Jahren gewachsen. „Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Kirche zum Hoffnungsträger einer gedemütigten Nation“, erklärte Pollack in einer Mitteilung des Exzellenzclusters Religion und Politik. Viele Menschen verknüpften ihre nationale Identität mit der Kirche. Der Patriarch unterstütze Putins Krieg, indem er „böse Mächte“ dafür verantwortlich mache. „Der Angriff Russlands wird damit entpolitisiert und metaphysisch erhöht.“

Putin unterstütze die russisch-orthodoxe Kirche seinerseits auch finanziell, sie sei steuerlich begünstigt und gegenüber anderen Religionsgeeinschaften privilegiert, erklärte Pollack. Gemeinsam kämpften Kirche und russischer Staat gegen westliche Werte wie Demokratie und plurale Lebensformen und instrumentalisierten sich so gegenseitig. 

Die russisch-orthodoxe Kirche ist die größte Einzelkirche im ÖRK. Dem Dachverband gehören 352 Kirchen aus mehr als 120 Ländern an, die weltweit über 580 Millionen Christinnen und Christen vertreten.

Von: PRO/epd

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7 Antworten

  1. Wenn Religion und Nationalismus zusammenkommen, wird es toxisch!
    Und nicht zu vergessen: Wladimir Putin und Wladimir Gundjajew (Kyrill I) stammen aus demselben Stall, Kyrill war KGB Offizier!

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  2. Nichts anderes habe ich erwartet. Der Herr “Patriarch” ist halt nicht erst seit heute ein durch und durch schlechter Mensch.

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    1. Ja, es ist wirklich traurig, doch (für mich) keineswegs verwunderlich, wie sich auch der Moskauer Patriarch Kyrill und die Russisch-Orthodoxe Kirche gerade jetzt, wie auch schon die ganze frühere Zeit, verhält. Sein tatsächlich unchristliches Verhalten ist daher sehr bezeichnend und aufschlussreich. Hier können uns die warnenden und äußerst wichtigen Worte Jesu (s. z.B. in Mt. 24; 3-28) helfen zu verstehen und Mut machen der Anweisung Jesu “Seht zu, erschreckt nicht/habt keine Angst, denn . . . !” zu gehorchen.
      Deshalb sollten wir – was das weltliche/politische, wie auch das pseudo-christliche Weltgeschehen betrifft – möglichst immer auf dem Laufenden bleiben und dabei unseren Blick auf unseren Erlöser Jesus Christus richten. Niemand und nichts – auch kein vielleicht noch schrecklicheres Ereignis, als der jetzige Krieg in der Ukraine – sollte uns von IHM abringen! Denken wir daran, wie oft unser Herr Jesus Seine Jünger angewiesen hat: “Fürchtet euch nicht!” Diese klare, diese ernste und gleichzeitig liebevolle Anweisung (= Befehl Jesu an die Seinen) gilt auch heute noch für alle Seine Nachfolger. Die Gleichnisse Jesu (s. Mt. 13) helfen uns weiter im rechten Verständnis.
      Ja, lassen wir uns nicht entmutigen, sondern mit Jesus jeden Tag leben und neu erleben, denn jeder Tag ist ein kostbares Geschenk, trotz allem was geschieht. Gott hat alles, d.h. selbstverständlich auch das ganze Weltgeschehen, unter Kontrolle. Es ist an der Zeit, dass sich jeder einzelne (betr. alle, die sich Christen nennen) gewissenhaft selbst prüft, ob er wirklich im Glauben steht oder nur ein getarnter Mitläufer ist (s. Jesu Worte vom schmalen und vom breiten Weg!). Gott ist reu und gerecht – Alle Ehre und aller Dank gebührt IHM allein!

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  3. Lieber Bruder Patriarch Kyrill, bist du wirklich Christ oder eher russ. Politiker ? , hast du in deiner Antwort an den ÖKR eher ein politisches Statement abgegeben oder würfelst du noch mit Herrn Putin im stillen Kämmerlein ob du dich für unschuldiges Blutvergießen und das Einhalten der ZEHN Gebote sowie das “neue 11. Jesu Gebot , ” liebe deinen Nächsten ” einsetzt ? Wenn du lieber Kyrill , daß was du der Weltkirche als Vertreter einer großen Kirche wirklich ernstlich bei vollem Bewußtsein geschrieben hast , dann mußt du endlich dringend die mahnenden Worte Jesu in der Bibel nachlesen die bei Matthäus 5 (18-26) und Mt. 23 ( 13-36 ) oder Johannes 3 (18-20) bestimmt auch in kyrillischer Schrift aufgeschrieben und übersetzt wurden !
    In diesen Bibelversen werden solche Gelehrte wie du , als Patriarch von Moskau , nämlich als Heuchler, Narr oder Toren und blinder Führer bezeichnet. Wenn du lieber Kyrill als Moskauer Kirchenvertreter ruhigen Herzens mit ansehen kannst ,wie Raketen ,Granaten und Bomben russische Bürger und Kinder verletzten und zerfetzen, dann brauchst du nach dem Krieg mehr wie Pilatus, nämlich nicht nur ein Schälchen Wasser (Mt. 27, 23-25) zum Hände reinigen sondern schon eher einen ganzen Swimmingpool voller Wasser !

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  4. Kyrill ist kein Verteter von christlichen Werten. Er sollte aus der kirchlichen Gemeinde (ÖRK) direkt rausgeworfen werden. Er ist schlimmer als ein Islamist. Wenn sich die christlichen Kirchen nicht von solch einem Dispoten distanziert, werden die Kirchenaustritte zunehmen.

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  5. Die Kirche in Russland war immer eng mit den Mächtigen verbandelt. Putin sieht sich wohl als gegenwärtige Analogie zu Wladimir I., der zum Heiligen erhoben worden war. Ich sehe bei Putin immer den Schein heilig schimmern. Die Frage ist nur, warum bringt er seine $ Scheine alle ins Ausland, statt sie bei Mütterchen Russland zu belassen?

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