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Meinung

Putin lässt Papst warten

Papst Franziskus will mit Putin sprechen. Eine entsprechende Anfrage läuft seit langem, sagt das Kirchenoberhaupt. Doch Putin schweigt – ein Affront.
Von Johannes Schwarz
Hofft auf ein friedvolles Treffen mit Wladimir Putin: Papst Franziskus ist zu einem Gespräch bereit.

Papst Franziskus will sich in Moskau mit Putin treffen. Das lässt aufhorchen: Der Papst zu Putin? Mit der Mission, Frieden zu stiften? Ja, die Hoffnung ist da! Russlands Präsident Wladimir Putin jedoch antwortet dem Heiligen Stuhl seit Wochen nicht, wie jetzt bekannt wurde. Stattdessen lässt Putin weiter töten.

Nun mal nach der Reihe: Vor Wochen, Mitte März genau zu sein, als der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine etwa drei Wochen tobte, schickte der Papst ein Schreiben nach Moskau. Eine Bitte um ein Gespräch. Eine Bitte, über eine friedliche Lösung zu reden. Seither wartet das katholische Oberhaupt auf eine russische Antwort. Dies verriet Franziskus in einem Interview mit der Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“.

Von einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sieht der Papst vorerst ab. Zwar haben die beiden Männer bereits zu Beginn des Krieges telefoniert, doch zuerst müsse er nach Moskau, sagt der Papst. „Ich tue, was immer ich tun kann. Wenn nur Putin die Tür öffnen würde…“, sagte Franziskus resigniert.

Krieg steht über allem

Es ist nicht das erste päpstliche Gespräch mit russischen Ansprechpartnern. Ein Online-Treffen mit dem umstrittenen russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill bewertete der Papst als wenig zielführend. Kyrill verlass eine ausführliche Begründung für den Einmarsch in die Ukraine. Daraufhin antwortete der Papst ihm: „Ich habe nichts davon verstanden. Mein Bruder, wir sind nicht die Geistlichen des Staates. Wir dürfen nicht die Sprache der Politik sprechen, sondern die Sprache Jesu. Wir sind beide Hirten des gleichen Gottesvolkes. Deshalb müssen wir nach Wegen zum Frieden suchen, einen Waffenstillstand anstreben.“ Ein vor dem Krieg ausgemachtes Treffen der beiden im Juni ist bereits abgesagt.

Die Geschehnisse zeigen eines glasklar: Putin hat die orthodoxe Kirche in Russland für den Krieg instrumentalisiert. Kyrill und weitere Geistliche sind längst zu religiösen Gehilfen Putins degradiert worden. Der Papst will nun den direkten Kontakt mit Putin. Ihm geht es um den Frieden, ein edles Motiv. Franziskus will dort Frieden stiften, wo Leid hineingebracht wurde.

Doch Putin stellt sich – zumindest bisher – dagegen. Dem Papst bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Alleine das ist ein Affront gegenüber dem Kirchenführer, der als Staatsoberhaupt auf derselben diplomatischen Stufe wie der russische Präsident steht. Selbst wenn Putin doch zu einem Gespräch bereit wäre: Den Krieg würde das wohl nicht beenden. Auch Franziskus weiß über seine schlechten Erfolgsaussichten Bescheid: „Ich fürchte, Putin ist derzeit nicht zu einer solchen Begegnung bereit.“

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