Das christliche Medienmagazin

Trotz Krieg: „Immer mehr Menschen suchen Gott“

Mitten im Krieg sendet das christliche Radio TWR Ukraine das Evangelium in das Land. Leiter Alexander Chmut erklärt, wie der Krieg das Programm verändert hat.
Von Jonathan Steinert
Gebet, Hände, beten, Gott, Farben Ukraine
Die christliche Botschaft berührt Menschen auch im Krieg, stellt das Team von TWR Ukraine fest

PRO: Wie und von wo aus kann TWR Ukraine derzeit seine Sendungen produzieren und ausstrahlen?

Alexander Chmut: Durch den Krieg wurden die Mitarbeiter von TWR Ukraine in verschiedene Städte und einige sogar in verschiedene Länder verstreut. Das war das erste Mal in unserem Leben und wir waren nicht darauf vorbereitet. Wir wussten nicht, wie wir weiterarbeiten sollten. Aber wir haben verstanden, dass wir weiterhin Programme vorbereiten müssen.

Wir blieben miteinander in Kontakt, machten Aufnahmen am Telefon und sendeten direkt vom Telefon an den Radiosender. Mittlerweile ist ein Teil des Personals ins Büro zurückgekehrt, und wir bereiten die Programme wie zuvor im Büro vor und senden sie an den Radiosender.

Der Krieg hat einige Anpassungen in unserer Arbeit erfordert. Seitdem hat sich unser Dienst in den sozialen Medien rasant entwickelt. Wir machen kurze Videos, die Hunderttausende von Zugriffen erhalten. Wir machen aber auch weiterhin Radioprogramme, die auf der Mittelwelle ausgestrahlt werden.

Sind Mitarbeiter von TWR Ukraine selbst als Soldaten oder Kämpfer im Einsatz?

Keiner der Mitarbeiter von TWR Ukraine war an Kampfhandlungen beteiligt. Viele engagierten sich jedoch als Freiwillige und nahmen auch an bestimmten von den Behörden initiierten Arbeiten zur Sicherung der Wohngebiete teil. Einige engagieren sich noch ehrenamtlich: in der Flüchtlingshilfe, bei der Verteilung von Hilfsgütern zum Beispiel.

Haben Sie Mitarbeiter durch den Krieg verloren?

Keiner von uns wurde körperlich verletzt. In einigen Fällen wurden Wohnungen und Eigentum beschädigt.

Inwiefern ist die Produktion von Angriffen und Bombardement beeinträchtigt?

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Krieg unsere Inhalte auf radikale Weise verändert hat. Fast alles, was wir vor dem Krieg getan haben, ist jetzt irrelevant.

Die Menschen warten auf Worte des Trostes und der Hoffnung, sie wollen die Wahrheit über die Geschehnisse hören. Alles, worüber wir jetzt sprechen, berührt auf die eine oder andere Weise die Ereignisse in unserem Land. Es ist für uns alle sehr schmerzhaft: Die Städte sind zerstört, Zehntausende von Menschen sind tot. Es ist nicht möglich, im Moment über etwas anderes zu sprechen. Wir weinen mit denen, die weinen, und versuchen, Hoffnung in Jesus zu geben.

Welche Inhalte und Formate senden Sie derzeit?

Wir haben die Programmformate leicht geändert, weil die Mitarbeiter nicht zusammenkommen können, um Dialoge zu führen. Wir versuchen, Interviews mit verschiedenen Menschen zu führen, die vom Krieg betroffen sind, die selbst oder deren Angehörige leiden müssen.

Wir bereiten auch kurze Monologe auf Video und Audio vor und versuchen, all die Momente aufzugreifen, die während des Krieges von großer Bedeutung sind: Tod, Gewalt, Verlust von Eigentum, Verlust von geliebten Menschen, Angst und so weiter. Fast alle unsere Inhalte befassen sich mit dem Schmerz, den die Menschen heute erleben. Die Menschen haben viele Fragen: Wo ist Gott in dieser Zeit? Warum ist er still? Warum erhört er die Gebete nicht?

Welche christliche Botschaft gibt TWR Ukraine seinen Zuhörern mit? Wie ist es möglich, während des Krieges etwas von Gottes Liebe und Hoffnung zu berichten?

Wir reden weiterhin über Gott, wir predigen das Evangelium. Wir haben keine andere Botschaft als diese. Befreiung von Leid und Sünde gibt es nur in Jesus. Er schenkt ewiges Leben, heilt Wunden und verändert Herzen. Viele Nichtchristen schreiben uns Kommentare unter unsere Videos. Man kann sehen, dass das Wort ihre Herzen berührt hat und sie bereit sind für Veränderungen.

Am vergangenen Woche wurde in der Ukraine Ostern gefeiert. Was bedeutet das Fest für Sie in dieser Zeit und wie thematisieren Sie das mit TWR?

Wir haben mehrere Programme und Videos zum Thema Ostern vorbereitet. Selbst in diesen tragischen Tagen verliert dieser Feiertag nicht an Bedeutung. Wir glauben weiterhin, dass wir auferstehen werden, auch wenn der Tod einige von uns holt.

Wir haben auch den großen Wunsch, dass die Ukraine beginnt, Ostern gemeinsam mit allen Christen in der Welt zu feiern. Bis heute feiern wir ihn an einem anderen Tag, und das ist traurig. Um einen Schritt in diese Richtung zu tun, haben wir uns als TWR zusammengeschlossen, um das Fest der Christen im Westen zu feiern, und unsere Hörer und Zuschauer eingeladen, uns zu unterstützen. Es gibt so viele Menschen, die diese Veränderung unterstützen.

Osterei, Ukraine, Gott Foto: George Pankewytch | CC BY-NC-ND 2.0 Generic
„Christus ist auferstanden“ steht auf diesem ukrainisch dekoriertem Osterei. In der Ukraine wie auch in anderen Ländern der Ostkirche wird Ostern nach dem julianischen Kalender gefeiert – und damit etwas später als in den Westkirchen.

Hat sich die Nachfrage zum Programm von TWR Ukraine und das Interesse am christlichen Glauben seit dem Krieg verändert?

Der Krieg ist noch nicht zu Ende und wir wissen nicht, wann er zu Ende sein wird. Im Moment beobachten die Menschen aktiv, hören zu und reagieren. Wir glauben, dass Christus durch sein Wort weiterhin in ihren Herzen wirken wird. Derzeit erleben wir in unserem Land trotz des Krieges ein geistiges Erwachen. Und wir sind zuversichtlich, dass dieses Erwachen nicht mit dem Ende des Krieges enden wird. Es kommen immer mehr Menschen in unsere Kirchen, Menschen, die noch nie zuvor da waren, und sie sind wirklich auf der Suche nach Gott.

Trans World Radio (TWR) ist ein 1954 gegründetes internationales Rundfunk-Missionswerk, das mit 54 nationalen Partnern nach eigenen Angaben Menschen in 190 Ländern erreicht. In Deutschland gehört der Sender ERF Medien zum TWR-Netzwerk.
TRW Ukraine hat eigenen Angabe zufolge etwa 60.000 Abonnenten in den sozialen Netzwerken (Instagram, Facebook und YouTube), darüber hinaus hat das Radio 10.000 Player mit Aufzeichnungen der Programme verteilt. Durchschnitt nutzen laut Alexander Chmut „wahrscheinlich über 100.000 Menschen“ die Angebote. Zudem ist das Programm über Mittelwellenradio zu empfangen. „Die Reichweite des potenziellen Publikums auf Mittelwelle ist riesig, es sind Millionen von Menschen“, sagt Chmut.

Wie blicken Sie persönlich auf die Menschen in Russland? Sind sie Feinde?

Dies ist ein sehr sensibles Thema. Vor dem Krieg dachten wir, es gäbe viel weniger Menschen, die Putin unterstützen, aber wir haben uns getäuscht. Unglücklicherweise ist Russland jetzt mehrheitlich der Feind der Ukraine. Und der eindeutige Beweis dafür sind unsere zerstörten Städte, ermordete Unschuldige, geplündertes Eigentum. Es war nicht nur eine Person, die das getan hat. Meistens unterstützt Russland seinen Präsidenten und ist für die in unserem Land begangenen Kriegsverbrechen verantwortlich.

Welche Bitte haben Sie an Europa und die Christen in Deutschland?

Ich weiß nicht, ob es richtig ist, etwas von denen zu verlangen, die schon so viel für unser Land getan haben. Sie helfen uns finanziell, Sie nehmen Flüchtlinge auf. Das ist eine Menge. Und es ist wichtig für die Ukraine.

Wir sind eine Rundfunkorganisation. Unser Dienst beschränkt sich auf die Tatsache, dass wir das Wort Gottes auf verschiedene Weise über die Medien verbreiten. Wir träumen davon, das gesamte Gebiet der Ukraine mit dem Radiosignal aus der Ukraine abzudecken. Wir beten dafür, dass der Herr die Möglichkeit öffnet, die gesamte Ukraine mit einem Radiosender abzudecken, so dass die Menschen uns in einer besseren Qualität als heute im Radio hören können. Bitte unterstützen Sie unseren Traum im Gebet.

Vielen Dank!

Alexander Chmut hat die Fragen schriftlich beantwortet. Die Fragen und Antworten wurden von TWR übersetzt.

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3 Antworten

  1. Putin möchte gläubig wirken, wenn er sich mal in einer orthodoxen Kirche bekreuzigt, aber das wird wohl eine Farce sein für das Volk ?! Er selbst hat nur im Blick, dass die NATO sich der russischen Westgrenze immer mehr genähert hat, aber da stets die ehemaligen Vasallenstaaten es waren, welche in die NATO wollten, sollte er sich mal – ehrlicherweise – die Frage stellen, warum die ehemaligen ‘Warschauer Pakt’ – Staaten alle von Russland weg wollten ? Auch Weißrussland wäre nach der Wahl 2021 eigentlich bereits
    demokratisch, falls die Manipulationen Lukaschenkos nicht erfolgreich gewesen wären . . . und auch die Ukraine wäre über kurz oder lang demokratisch – beide tendenziell auch Richtung NATO und EU ! Dann begänne das russische Reich direkt an der russischen Westgrenze. Das ist Putins Horror-Vorstellung !!
    Das ist Putins Krankheit : Alles machtbesessen bestimmen zu wollen und keine demokratischen Tendenzen zuzulassen, koste es , was es wolle . . Und dieser Mann sagte noch 2001 vor dem Deutschen Bundestag : “Der Kalte Krieg ist vorbei !” Er vergaß den Zusatz : “Bald beginnt wieder der heiße Krieg !”
    Wer nur noch lügt und morden lässt, baut nur eine Schreckensherrschaft auf ! Nein, danke !!
    Dieser Ukraine-‘Konflikt’ könnte durchaus derjenige werden, der immer mehr und mehr eskaliert, bis ein ‘bewunderter’ Machtmensch kommt, der diesen Riesenkonflikt mit einem ‘Supervorschlag’ beenden wird und der deswegen als “Friedensbringer” gefeiert werden wird – aber dieser Mensch wird von Satan gesteuert – er wird der “Antichist”, von dem die Offenbarung spricht !
    Man lese dazu den Propheten Daniel und die Offenbarung ( speziell ab Kapitel 5 )

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    1. ja ich habe auch Angst und ich bete zu Gott, das die Situation nicht weiter eskaliert und es zu einem Atomkrieg kommt. Da hätte doch keiner was von.

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  2. Ich habe auch Angst und ich bete zu Gott, das dieser Krieg nicht weiter eskaliert und es zu einem Atomkrieg kommt. Es ist auch so schon genug Leid geschehen. Möge dieser sinnlose Krieg bald beeendet werden. Ich hoffe,das Gott die Gebete aller Menschen hört und alles zum guten wendet. Auch wünsche ich mir, das Herr Putin endlich aufwacht und sieht was er angerichtet hat. Gott segne ihn und öffne ihm die Augen.

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