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Fake News im Gewand des Journalismus eine große Gefahr

Internet-Nutzer werden häufig überflutet mit „Breaking News“. Zudem finden undurchsichtige Diskurse zwischen Meinung und Fakten statt. Wie es trotzdem gelingen kann, sorgfältig zu recherchieren und und glaubwürdige Quellen zu erkennen, darüber wurde bei den Münchener Medientagen im Panel „We Care A Lot“ diskutiert.
Von Johannes Blöcher-Weil

Foto: Medien.Bayern GmbH

Moderatorin Pauline Tillmann (links), unterhält sich mit ihren Diskussionspartnern über die journalistische Sorgfaltspflicht im Internet

Die journalistische Sorgfaltspflicht ist das A und O für vertrauenswürdige Medien. Darin waren sich Eva Flecken, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, und der Journalist und Autor Khesrau Behroz im Rahmen der Münchener Medientage einig. Wenn Fake News im Gewand des Journalismus daher kämen, stelle das eine große Gefahr dar.

Zunächst erläuterte Flecken die Vorgehensweise ihres Arbeitgebers. Es gehe nicht darum,als „Geschmackspolizei“  zu agieren, sondern die Medien in Rundfunk, Hörfunk und seit neuestem  auch im Online-Bereich auf mögliche Fehler bei der journalistischen Sorgfaltspflicht aufmerksam zu machen: „Die Meinungsfreiheit bleibt dabei das höchste Gut“, erklärte Flecken. Wenn ihre Anstalt auf einen Verdacht aufmerksam gemacht werde, könne sich der Anbieter dazu erklären. Dann schaue die jeweilige Medienanstalt auf die Reaktion. Reagierten die Anbieter nicht, komme es zu einem förmlichen Anhörungsverfahren und der Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht könne geahndet werden.

„Wir sind keine Zensurbehörde“

Dabei müsse es sich um ein journalistisch-redaktionelles Angebot handeln. Wenn etwas gemeldet werde, gehe es häufig um Verschwörungserzählungen, aber auch falsche Tatsachenbehauptungen oder fehlende Quellen: „Wir sind aber das Gegenteil einer Zensurbehörde, zum einen weil wir staatsfern organisiert sind, zum anderen, weil wir erst im Nachhinein auf Hinweise reagieren.“

Flecken machte deutlich, dass sich die Zahl der Beschwerden in den letzten Jahren verdoppelt hätten. Auch insgesamt würden die Debatten hitziger. Gerade bei Messenger-Diensten wie Telegram sei es aber rechtlich auch nicht einfach zu sagen, ob es redaktionell sei, „wenn jemand nur seine Meinung postet“. Sie wünsche sich, dass Menschen mit anderen digital so umgehen würden, wie sie es auch im Analogen tun.

Weiterer Gesprächspartner war Khesrau Behroz. Der Autor und Journalist hatte sich unter anderem als Macher des Podcasts „Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?“ einen Namen gemacht. Bei seinen Recherchen über den Journalisten Jebsen habe ihn verwundert, wie schnell nach dem Anschlag vom 11. September dieser seine Verschwörungstheorien entwickelt hatte und wie lange er die Mythen verbreiten konnte.

TikTok zu wenig reguliert

Auch das neue TV-Format der Bild-Zeitung kritisierte Behroz scharf: Wenn der stellvertretende Chefredakteur Paul Ronzheimer vor laufender Kamera Nachrichten aus seinem Handy vorlese, könne von journalistischer Sorgfaltspflicht keine Rede sein. Diese Infos seien oft gar nicht gesichert und müssten später revidiert werden. Wenn jeder posten könne, was er wolle, führe das zu extremer Verunsicherung. Die Verunsicherung in der Gesellschaft gehe zudem über auf den Journalismus.

„Vor allem bei TikTok grassiert die Desinformation, weil der Kanal nicht reguliert ist. Er hat nichts aus den Fehlern der anderen Plattformen gelernt“, erklärte Behroz. Die Nutzer befänden sich vor allem in der jungen Zielgruppe und die Algorithmen wüssten gespenstisch genau, was man möchte. Damit Medien Vertrauen zurückgewinnen können, sollten sie sich wieder auf ihre Basics besinnen: „Der Journalismus muss nicht neu erfunden werden. Es gibt schon lange Journalismus und lange sehr guten Journalismus.

Im Zeitalter der Breaking News sei es sinnvoll, auch einmal den „Mut zur Lücke zu haben“ und bestimmte Dinge, die man noch nicht gesichert weiß, auch noch nicht zu verbreiten: „Obwohl wir alle ein Bedürfnis nach aktuellen und schnellen Informationen haben, braucht es eine Impulskontrolle der Rezipienten und der Macher. Gerade in einer gesellschaftlich sehr fragilen Situation müsse der Journalismus eine gute Arbeit machen.

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Eine Antwort

  1. Man sollte zu der Fülle an Meinungen, Meldungen und auch Fakes, mit Martin Luther diese kritische Haltung einnehmen – und sich auf dieselben Fundamente stützen wie Luther:
    „Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder durch klare Gründe der Vernunft überführt werde – denn allein dem Papst oder den Konzilien (oder Zeitungen, SocialMedia, Internet, Wissenschaftlern oder Prominenten) glaube ich nicht, da es feststeht, dass sie häufig geirrt und sich selbst widersprochen haben –, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten Schriftstellen, und mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort.“

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