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Vertrauen in die Medien gewachsen

Die Corona-Krise hat einiges durcheinander gewirbelt und zudem viele Fragen aufgeworfen: Wer versorgt mit guten Informationen? Wem kann man trauen? Wie sich das Vertrauen in die Medien aktuell darstellt, wurde während der Medientage Mitteldeutschland diskutiert.
Von Valerie Wolf
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Laut einer Studie hat das Vertrauen in die Medien seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen

Sowohl für die Politik als auch für die Medien waren die vergangenen eineinhalb Jahre ein echter Stresstest. Die Corona-Pandemie brachte und bringt viele an ihre Grenzen, sorgt für Überforderung und Unverständnis. Doch wie gut sind die Medien ihrer Vermittlerrolle zwischen Politik und Bevölkerung in diesen Krisenzeiten bisher gerecht geworden? Wie groß ist das Vertrauen der Deutschen in die Medien? Laut einer Studie der Universität Mainz ist das deutlich gestiegen.

Im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland stellte Oliver Quiring, Professor an der Universität Mainz, am Mittwoch Daten aus der Langzeitstudie „Medienvertrauen“ vor. Demnach gaben 56 Prozent der Befragten an, bei wichtigen Themen, wie Umweltproblemen oder Gesundheitsgefahren, könne man den Medien „eher“ oder sogar „voll und ganz“ vertrauen. Weitere 28 Prozent antworteten auf diese Frage mit „teils, teils“. 2019 waren nur 43 Prozent der Ansicht, man könne den Medien „eher“ oder „voll und ganz“ vertrauen. 28 Prozent gaben damals an, man können den Medien „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen. Im Jahr 2020 fanden sich nur noch 16 Prozent in dieser Kategorie wieder. 

Mehr Information im privaten Fernsehen

Das Zeugnis in Sachen Corona-Berichterstattung fällt sogar noch besser aus. Hier waren 63 Prozent „eher“ oder „voll und ganz“ mit den Medien zufrieden. Der Medienzynismus habe zudem abgenommen. Aussagen wie beispielsweise dass die Bevölkerung systematisch von den Medien belogen würde, schenkten nur 11 Prozent Glauben. 2019 waren es 18 Prozent. Über diese Entwicklung freute sich unter anderem die Redaktionsleiterin des Arte Journals Carolin Ollivier. Corona habe dafür gesorgt, dass die Menschen vermehrt nach Informationen und auch Orientierung gesucht hätte, erklärte sie in der anschließenden Diskussionsrunde. Die Ergebnisse der Studie würden sich mit ihren Beobachtungen bei Arte decken. 

Der Verdacht, dass Soziale Medien die Öffentlich-Rechtlichen in Sachen Information und Vertrauen ablösen könnten, wurde nicht bestätigt. Nach Angaben der Studie aus Mainz finden nur etwa fünf Prozent der Befragten Nachrichten in den Sozialen Netzwerken vertrauenswürdig. Auch Nachrichten in Gruppen auf Messengerdiensten sind kein adäquater Ersatz im Vergleich zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das von 70 Prozent der Befragten als vertrauenswürdig eingestuft wird.

Dennoch sei es gerade für die etablierten Medien wichtig, ihre Verbreitungswege auszubauen, erklärte Ollivier. Auch junge Menschen sowie Zweifler und Skeptiker müssten erreicht werden. „Wir können nicht mehr erwarten, dass die Leute zu uns kommen, wir müssen zu ihnen kommen“, gab sie zu bedenken. Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen, riet, die Verbreitung von Informationen nicht nur in die Hand der Öffentlich-Rechtlichen zu legen. Auch das Privatfernsehen könne zur Meinungsbildung der Menschen beitragen. Tom Zwiessler, Programmleiter bei RTL-Zwei, begrüßte dies und verwies darauf, dass das Privatfernsehen sein Angebot an journalistischen Beiträgen und aktuellen Nachrichten bereits gesteigert habe. Claudia Maicher, Abgeordnete der Grünen im Sächsischen Landtag, erklärte außerdem, auch der Lokaljournalismus spiele eine wichtige Rolle und müsse unterstützt werden.

Ausbau von Verbreitungswegen und Formaten 

Um weiterhin zukunftsfähig zu bleiben und das in der Krise gewonnen Vertrauen zu erhalten, dürfe man jedoch nicht stehen bleiben, lautete der einstimmige Tenor. Neben dem Ausbau von Verbreitungswegen übers Internet sei auch der Aufbau von neuen Formaten gerade in Hinblick auf junge Menschen unerlässlich. Zwiessler und Ollivier forderten zudem, journalistische Arbeitsweisen transparenter zu machen und auch über Grenzen aufzuklären. 

Zum Abschluss der Diskussion bat Moderator Stopp die Teilnehmer, den Medien eine Note für ihre Arbeit zu geben. Das Ergebnis: Note 2. Marlehn Thieme, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, erklärte, man habe die Bedürfnisse der Zuschauer nach Information aber auch Unterhaltung gestillt. Auch Liminski zog eine positive Bilanz: „Die Medien sind ihrer Verantwortung gerecht geworden.“ 

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es irrtümlicherweise, Frau Maicher komme aus Sachsen-Anhalt. Korrekt ist, dass Frau Maicher aus Sachsen kommt und Abgeordnete im dortigen Landtag ist. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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