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Mit Gott und Einstein auf Du und Du

Ernst Peter Fischer ist ein Urgestein der deutschen Wissenschaftsvermittlung. Er hat viele aufklärerische Bücher über Naturwissenschaft geschrieben. Auffällig oft geht es darin auch um Gott.
Von Jörn Schumacher
Ernst Peter Fischer

Foto: Jörn Schumacher

Wer naturwissenschaftlich forscht, kommt an Gott nicht vorbei, findet Ernst Peter Fischer

Wer sich mit Naturwissenschaft beschäftigt, stößt fast unweigerlich irgendwann auf seinen Namen: Ernst Peter Fischer. Er hat Mathematik, Physik und Biologie studiert und als Professor an der Universität Konstanz Wissenschaftsgeschichte gelehrt. In unzähligen Artikeln in GEO, Bild der Wissenschaft, Weltwoche und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte er naturwissenschaftliche Zusammenhänge so, dass auch Laien sie gut verstehen – und steckte die Leser mit seiner Faszination für die Forschung an.

Auch zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher stammen aus seiner Feder. Im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks erklärte er in der Reihe „Die Entdeckungen großer Forscher“ jeweils in 15 Minuten die wichtigsten Errungenschaften eines Wissenschaftlers.

Dabei ging es ihm nie nur darum, historische Fakten herunterzurasseln, sondern immer auch das Weltbild eines Denkers zu vermitteln. Bei Fischer wird klar, wie fesselnd die Fragen aus dem Grenzbereich von Physik und Philosophie, Materie und Geist, Verstand und Glaube sein können.

Kaum hat Fischer mit dem Besucher an der Garderobe ein paar Worte zur Begrüßung ausgetauscht, ist er – noch auf dem Weg ins Wohnzimmer – mitten in einem tiefgründigen Vortrag über Platon, Planck und Protonen. Im Februar erschien Fischers neues Buch: „Die Stunde der Physiker“, das von den wichtigsten Jahren der Physiker-Genies Einstein, Bohr und Heisenberg handelt.

Das nächste Werk folgt schon im April: In „Wider den Unverstand“ kritisiert er die Wissenschaftsvermittlung in Deutschland. Denn an der, vor allem im Fernsehen, lässt er kein gutes Haar, sei es bei dem Astrophysiker Harald Lesch (u.a. „Terra X“, „Leschs Kosmos“, ZDF), Gert Scobel (Wissenschaftsmagazin „scobel“; 3sat) oder dem jungen Shooting-Star der Wissenschaftsmoderation, der Chemikerin und YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim. In den Augen Fischers fehlt es an Tiefe.

Auch ein Grund, warum er selbst nicht mehr vor der Kamera steht: In einer Viertelstunde die Faszination für einen Forscher und sein Weltbild zu vermitteln, sei fast unmöglich, stellt er fest. Fischer könnte Stunden gebrauchen.

Leibniz: „Gott rechnet mit uns“

In Ernst Peter Fischer schlägt das Herz eines Naturwissenschaftlers, aber auch das eines Gottsuchers. Eigentlich wollte er immer Biophysiker werden, sagt er. Er promovierte bei Max Delbrück, der 1969 den Nobelpreis bekam und so etwas wie ein Idol für Fischer war. Der große Forscher bat den jungen Doktoranden darum, eine Biografie über ihn zu schreiben. Es wurde Fischers erstes Buch, viele weitere folgten. Der Berufsweg war von da an vorgezeichnet.

Ernst Peter Fischer

» geboren am 18. Januar 1947 in Wuppertal
» schreibt für GEO, Bild der Wissenschaft, Weltwoche und Frankfurter Allgemeine Zeitung
» moderierte unter anderem beim Bayerischen Rundfunk die TV-Reihe „Die Entdeckungen großer Forscher“
» Autor zahlreicher Bücher über Naturwissenschaft, Philosophie und die Überschneidungen; Bücher wie „Gott und der Urknall“ oder „Wenn das Wissen nicht mehr reicht“ fragen nach Gott in der Naturwissenschaft
» Immer wieder ist der Glaube und der Gott der Bibel Thema in seinen Büchern und Vorträgen sowie Forscher, die sich mit Fragen des Glaubens auseinandergesetzt haben wie z.B. Johannes Kepler, Gottfried Wilhelm Leibniz, Max Planck, Niels Bohr, Albert Einstein

Bei alledem denkt Fischer nicht im Traum daran, unter die Frage nach Gott einen Schlussstrich zu ziehen und zu behaupten, der Glaube sei durch moderne Wissenschaft abgeschafft worden. Wenn der britische Physiker Stephen Hawking etwa in seinem letzten Buch behauptete, dank der Gravitation könne eine Schöpfung auch ohne Gott erklärt werden, setzt Fischer mit dem Kirchenvater Augustinus entgegen: „Man muss sich Gott als Autor zweier Bücher vorstellen. Eines davon ist die Bibel, die Gottes Wort verkündet, das zweite ist das Buch der Natur, mit deren Hilfe sich Gott den in und von ihr lebenden Menschen in seiner Schöpfung offenbart.“

In der BR-Sendung über Johannes Kepler, den er besonders bewundert, versuchte Fischer, die Quintessenz des Forschers so auf den Punkt zu bringen: „Wahrheit erkennen bedeutet, Schönheit zu erkennen.“ Und den Gedankenbau Gottfried Wilhelm Leibniz’, für den die Welt ein großer Computer und Gott sein Erbauer war, fasste Fischer so zusammen: „Gott rechnet mit uns.“ Und der Moderator schmunzelt dabei, vielleicht weil er allein über diesen Satz zwei Stunden reden könnte.

Empört stellte Fischer fest, dass in dem vielbeachteten Buch „Bildung. Alles, was man wissen muss“ von Dietrich Schwanitz (1999) zwar angeblich das breite Allgemeinwissen vermittelt wird, die Naturwissenschaft aber gänzlich außen vor gelassen wurde. Er setzte dem sein eigenes Buch entgegen: „Die andere Bildung: Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte“.

Religion und Wissenschaft ergänzen sich

Und außerdem ist er überzeugt: Die Welt, die Religion, ja den Menschen könne man nicht ausreichend verstehen, wenn man sein Sehnen nach höheren Sphären, nach göttlicher Wahrheit nicht mit einbezieht.

In mehreren Büchern griff Ernst Peter Fischer diese Überschneidungen aus Glaube und Wissenschaft auf, etwa in „Der Mensch, das Wissen und der Glaube“, „Gott und der Urknall. Religion und Wissenschaft im Wechselspiel der Geschichte“ und „Wenn das Wissen nicht mehr reicht“. Religion und Naturwissenschaft, ein Gegensatz? Nein, für Fischer gilt das Gegenteil: Religion und Wissenschaft ergänzen sich. Die eine kann nicht ohne die andere.

Dem berühmten Satz Albert Einsteins „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind“ fügt Fischer hinzu: „Trotz aller Erfolge der Wissenschaft hängen die Menschen viel stärker an der Religion.“ In seinem Buch „Gott und der Urknall“ schreibt er: „Natürlich hat man keine Schwierigkeiten, Wissenschaftler zu finden, die nicht an Gott glauben oder die wirklich glauben, nicht an Gott zu glauben. Aber haben sie diesen Gedanken wirklich zu Ende gedacht, und sind sie bereit, die philosophischen Konsequenzen zu tragen?“

„Wenn Sie verstehen, wie ein Atom aufgebaut ist, dann empfinden Sie ein Gefühl der Dankbarkeit. Bei wem bedankt man sich da? Bei einem Schöpfer!“

Er selbst sei christlich erzogen worden, getauft und konfirmiert, habe kirchlich geheiratet, und auch seine eigenen Kinder habe er taufen lassen. Er möge die Bibel und habe sogar Hebräisch gelernt, sagt er. „Aber zu einem Glauben an einen gütigen Gottvater im Himmel bin ich dabei nicht einmal in Ansätzen gekommen.“

Ihm sei allerdings bewusst: Noch zur Zeit von Kopernikus Anfang des 16. Jahrhunderts war das Weltbild durchdrungen vom Glauben an die Existenz Gottes. Mit Kepler, Newton und Einstein wurde dann klarer, dass die Welt wohl nicht den Idealen der Antike entspricht. Und doch kehrte mit der modernen Wissenschaft ein Fragen nach einem göttlichen Ursprung der Naturgesetze zurück.

Wer forscht, stößt auf ein Gefühl von Gott

Für Fischer hat es Werner Heisenberg ganz gut so ausgedrückt: „Es gibt Dinge, auf die man sich einigen kann, und es gibt Dinge, die einem etwas bedeuten.“ Man könne zwar exakt sagen, wo der Mond gerade steht und warum sein Licht scheint. „Aber ob mir das Mondlicht ein Gefühl der Sehnsucht, der Angst oder des Verliebtseins gibt, kann ich nicht messen“, sagt Fischer.

Sein „Held“ Heisenberg habe festgestellt: Was man mit dem Kopf vielleicht versteht, bleibt vom Herzen vielleicht unerreicht. „Die großen Forscher wie Einstein, Planck, Heisenberg, hatten überhaupt kein Problem mit Gott“, fügt Ernst Peter Fischer hinzu Nach der Aufklärung habe man jedenfalls festgestellt: „Es gibt eben noch etwas anderes als die wissenschaftlich messbaren Tatsachen. Und das sind Werte.“

Max Planck habe in einem Vortrag über Religion und Naturwissenschaft eine schöne und sehr schlichte Beschreibung benutzt. Fischer gibt sie sinngemäß wieder: „Die religiösen Menschen sind am Anfang bei Gott, und der Wissenschaftler findet am Ende zu Gott. Er meinte damit: „Wenn Sie wissenschaftlich arbeiten und zum Beispiel plötzlich verstehen, wie ein Atom aufgebaut ist, dann empfinden Sie ein Gefühl der Dankbarkeit. Bei wem bedankt man sich da? Bei einem Schöpfer!“

Den biblischen Gott will Ernst Peter Fischer hier nicht sofort einsetzen. Er glaube da eher an den Gott Einsteins und Spinozas, also ein übernatürliches Wesen, das die Welt in einer wunderbaren Ordnung erschaffen hat und dem man durch Naturwissenschaft vielleicht auf die Schliche kommen kann. „Das ist aber auch ein Gott, der hinter der Harmonie der Naturgesetze steckt. Insofern auch ein Gott, bei dem ich mich bedanken kann.“

Dieser Text ist in der Ausgabe 2/2022 des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen. Das Heft können Sie kostenlos online bestellen oder telefonisch unter 0 64 41/5 66 77 00.

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Eine Antwort

  1. Man muss unterscheiden zwischen dem, was ein Naturwissenschaftler aus der Naturwissenschaft gewinnt und dem, was die Naturwissenschaft mit der breiten Öffentlichkeit macht. Da führt sie nämlich den Menschen von Gott weg. Deshalb ist es notwendig, dass man nicht nur das Mess- und Wägbare, also das, was sich der naturwissenschaftlichen METHODE erschließt, erforscht, sondern vor allem das Leben selbst, das die Materie in den lebenden Organismen in ganz andere Zusammenhänge stellt, als sie rein physikalisch-chemisch auftreten. Ich habe davon etwas in meiner Arbeit https://www.academia.edu/47776276/Ursprung_und_Ziel_Wie_die_Evolution_weitergeht_ skizziert, aber auch in anderen Beiträgen auf academia.edu . Vielleicht nimmt sie ja auch E.P. Fischer zur Kenntnis und wird darin die gewünschte Tiefe finden? Das wäre schön!

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