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Meinung

Eine ziemlich selbstherrliche Familie

Die gesamte Welt hat in den vergangenen Tagen gebannt nach Australien geschaut. Dabei ging es nicht um eine Naturkatastrophe oder einen Staatsstreich, sondern „nur“ darum, ob ein Sportler an einem Tennisturnier teilnehmen kann oder nicht. Als Djokovics Vater das Leiden seines Sohnes mit Jesu Leiden verglich, war eine Grenze überschritten. Ein Kommentar
Von Johannes Blöcher-Weil
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Novak Djokovic
Der Tennisspieler Novak Djokovic beherrscht gerade die Schlazeilen

Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke hat am Freitag ein Machtwort gesprochen. Kraft seines Amtes entzog er dem Tennis-Star Novak Djokovic dessen Visum für Australien. Damit kann der Tennisspieler nicht auf dem Kontinent bleiben und am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres teilnehmen.

Hawke verweigerte das Visum „aus Gründen der Gesundheit und der allgemeinen Ordnung auf Grundlage des öffentlichen Interesses“. Der Politiker wird sich seinen Schritt gut überlegt haben. Gab es doch in den vergangenen Tagen viele Possen, die ihresgleichen suchten. Sie sorgten dafür, dass über den Tennisspieler mehr berichtet wurde als über die wirklichen Probleme dieser Welt. Anlass war der ungeklärte Geimpft- oder Genesenen-Status des Sportlers.

Ich bin Sport-Fan. Olympische Spiele, Fußball-Weltmeisterschaften und Bundesliga-Spieltage rangieren bei mir knapp hinter den hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern. Aber die intensive Berichterstattung und das Bild, das vor allem Djokovics Vater in der Öffentlichkeit von seinem Sohn vermittelte, waren für mich verstörend und selbstherrlich.

Grenze des guten Geschmacks überschritten

Srdjan Djokovic kann zu Recht stolz sein auf die sportlichen Leistungen seines Sohns: Der Serbe kann sich mit zahlreichen Rekorden schmücken, er gehört zu den besten Tennisspielern der Welt. Als der Vater allerdings den Aufenthalt seines Sohnes in einem Quarantäne-Hotel in Australien mit den Leiden Jesu verglich, war die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Nicht nur das: Er missbrauchte das zentrale Heilsgeschehen der christlichen Botschaft, stellte seinen Sohn auf eine Stufe wie den Messias.

„Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns“, führte er aus. Dass Srdjan Djokovic sein Presse-Statement jetzt nicht nutzen würde, um Menschen zum christlichen Glauben einzuladen, war mir klar. Den Nachsatz hätte sich Djokovic senior aber sparen können. „Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.“

Selbst für einen Sportler und seinen vor Selbstvertrauen strotzenden Vater war das ein absolutes „No-Go“. In der Sportgeschichte gab es schon viele, die als Fußball-Götter galten: von Toni Turek, dem WM-Torwart der „Helden von Bern“ 1954, bis zum argentinischen Fußballer Diego Maradona, der bei seinem berühmtesten Tor sogar die Hand Gottes einsetzte. Das biblische Vokabular wird immer wieder gerne verwendet. Aber hier ist es ganz eindeutig fehl am Platz.

Preisgeld vs. Schmerzensgeld

Im Berliner Tagesspiegel erteilt Redakteur Carsten Vetter solchen Vergleichen eine deutliche Absage. Wenn jemand eine Sportart gut beherrsche, qualifiziere ihn das nicht dazu, sich mit Gott vergleichen zu dürfen. Außerdem verletzen solche Vergleiche den Glauben vieler Menschen: „Lasst Gott aus dem Spiel“, fordert Vetter.

Wo wir aber schon bei dem wenig durchdachten Vergleich von Djokovics Vater sind: Die Schmerzen Jesu sind mit nichts vergleichbar. Er hat ein hohes Schmerzensgeld bezahlt, um die Menschen von ihrer Gottverlorenheit zu erlösen. Das war höher als das Preisgeld des serbischen Tennisspielers in seiner gesamten Karriere. Laut Wikipedia sind das aktuell geschätzte 154 Millionen Dollar.

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3 Antworten

  1. Sehr gut, dass ich nun auch noch Christen am Djokovic-Bashing beteiligen. Dieser gesunde, sportliche Mensch ist einfach untragbar geworden und gehört an den Pranger gestellt. Das ist das Mindeste, wenn man ihn schon nicht verbrennen kann wie in der guten alten Zeit der heiligen Inquisition.

  2. Den Kommentar kann ich unterschreiben. Während der letzten zwei Jahre musste man einges an Opferneid und Selbstviktimisierung mitansehen (ich erinnere an die unsägliche “Jana aus Kassel” oder die bei den Querdenkern und auch neuen Rechten beliebte Bezugnahme auf D. Bonhoeffer), aber Djokovics Vater setzt noch einen drauf.

  3. Christlichkeit sollte die Liebe anstatt Hass zu verbreiten, was zwischen anderem auch bedeuted einem zu verzeihen!
    Hier sehe ich es alles umgekeht-nicht C von Christlich!!!

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