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Die „Letzte Generation“ und ihre Parallelen zu Sekten

Autobahnblockaden und Störung des Hamburger Hafens: Die Klimabewegung „Letzte Generation“ hat in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt. PRO hat einen genaueren Blick auf deren Strukturen geworfen – mit überraschenden Erkenntnissen.
Von Martin Schlorke
Letzte Generation

Foto: Stefan Müller | CC BY 2.0 Generic

Aktivisten der „Letzten Generation“ blockiert eine Straße am Berliner Hauptbahnhof

Seit mehreren Wochen blockieren Aktivisten der „Letzten Generation” immer wieder Straßen und Autobahnen, in Berlin, in Hamburg oder Stuttgart. Sie fordern ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und Maßnahmen gegen den Klimawandel. Ihren Protest nennen sie den “Aufstand der letzten Generation”. PRO hat mit dem Referenten in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Michael Utsch, über die „Letzte Generation” gesprochen.

PRO: Herr Utsch, Sie haben in der Neuen Osnabrücker Zeitung der Klimabewegung „Letzte Generation“ Parallelen zu religiösen Sekten attestiert. Wo sehen Sie diese?

Michael Utsch: In der Vergangenheit gab es immer Epochen, in denen sich die jeweilige Bevölkerung als letzte Generation wähnte und zu ihren Lebzeiten ein Gericht Gottes erwartete. Damit einher gehen religiös aufgeladene Sprachbilder, die apokalyptische Endzeitängste schüren.  Ein solches Denken erhöht den Druck auf die Bevölkerung. Es wird erwartet, dass moralisch einwandfrei gelebt wird oder dass bestimmte Ordnungen erfüllt werden, um aus dem Strafgericht Gottes gerettet zu werden. Eine weitere Parallele ist, dass eindeutige Lösungsprozesse von der Gruppe angeboten werden. Es wird also suggeriert zu wissen, wie Heil gewonnen werden kann, beziehungsweise wie eine Rettung aussehen kann. 

Wie sieht das Heil im Falle der „Letzten Generation“ aus?

Für die „Letzte Generation“ geht es beispielsweise um das Retten von Lebensmitteln oder um einen klimaneutralen Lebensstil. Obwohl ein Großteil der Deutschen sich darum auch bemüht und der Klimaschutz gesetzlich festgelegt ist, werden hier radikale Lösungen gefordert. Ein anderes Merkmal von geschlossenen religiösen Gruppen ist ein Schwarz-weiß-Denken. Auf der einen Seite stehen die Guten, auf der anderen ist der Feind. Von diesem grenzt man sich ab und isoliert sich.

Sie sprechen im Kontext der „Letzten Generation“ nicht von Sekte, sondern von Parallelen zu Sekten. Wo sehen Sie Unterschiede?

Es fehlt beispielsweise eine klare Leitungsperson. Auch eine straffe Hierarchie oder eine Gruppenstruktur ist nicht zu erkennen. Insofern sind Ähnlichkeiten zwischen der „Letzten Generation“ und Sekten nur begrenzt vorhanden.

Sehen Sie die Gefahr, dass sich die Klimagruppe zu einer Sekte entwickelt?

Nein, ich glaube nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass eine starke Führungsfigur auftritt, die es schafft, eine nennenswerte einheitliche und geschlossene Bewegung auf die Beine zu stellen. Zudem ist der Gedanke der Nachhaltigkeit und des Umweltbewusstseins in den vergangenen Jahren so ins Bewusstsein unserer Gesellschaft vorgedrungen, dass sich viele Menschen mit den Themen identifizieren und dennoch diese Radikalität der „Letzten Generation“ ablehnen.

Was bedeuten die sektenähnlichen Parallelen für die Mitglieder? Ändern diese Parallelen etwas am Umgang mit ihnen?

Sie sprechen da eine große Herausforderung unserer Zeit an. Wir erleben aktuell in vielen Bereichen eine Meinungsvielfalt und Richtungsstreitigkeiten, die mit einer Verhärtung der Fronten und Kompromisslosigkeit einhergeht. Eine Demokratie funktioniert aber nur, wenn wir dennoch einander respektieren, Mitgefühl entwickeln und ins Gespräch kommen. Fremde Meinungen auszuhalten und andere Positionen ohne Feindschaft zu akzeptieren. Ich glaube, wir haben da insgesamt in Deutschland noch ganz viel zu lernen.

Foto: EZW

Michael Utsch

Michael Utsch, Jahrgang 1960, ist Referent in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Utsch hat Evangelische Theologie und Psychologie in Bonn studiert. In der EZW ist er am Referat Psychologische Aspekte neuer Religiosität, Religion und Gesundheit tätig

Sie haben vorhin von Heil gesprochen. Im Falle des Klimaschutzes sitzen ja alle Menschen im gleichen Boot, nicht nur die Mitglieder der „Letzten Generation“. An wen richtet sich also die Botschaft in erster Linie?

Ich verstehe die Botschaft als ein missionarisches Anliegen an uns alle. Es sollen Menschen zum Umdenken bewegt werden. Das ist übrigens ein Motiv, das wir durchgehend in der Kirchengeschichte finden. Die Menschen sollen von ihrer Verlorenheit überzeugt und zur Umkehr bewegt werden. Dazu müssen Haltung und Gesinnung geändert werden. Auf die „Letzte Generation“ bezogen bedeutet das, unser Konsumverhalten, unseren Materialismus zu ändern. Dafür ist bereits viel geschehen – in der Politik aber auch in der Kirche. Denken Sie nur an die Stichworte Grüne Energie oder Nachhaltigkeit. Klar ist, dass wir dahingehend noch besser werden müssen.

Was ist also bei der „Letzten Generation“ so problematisch?

Wir alle müssen bei Fragen des Klimaschutzes besser werden und unser Verhalten ändern. Aber das so radikal zu machen und einzufordern, halte ich für falsch. Zudem schert die „Letzte Generation“ alle Menschen über einen Kamm. Nach dem Motto: Nur unsere Gruppe, beziehungsweise nur unser Vorgehen führt zum Erfolg. Das halte ich für problematisch. Schwierig finde ich auch diverse Hochrechnungen von Klimaaktivisten, wie lange wir noch auf unserer Erde leben können. Es kann unmöglich gesagt werden, wann uns die Luft zum Atmen ausgeht. Zumal wir ja Maßnahmen ergreifen, um das zu verhindern.

Das erinnert an Sekten, die feste Zeitpunkte für den Weltuntergang bestimmt haben.

Absolut. Das ist ebenfalls eine Parallele zu Sekten, die wir aus vielen anderen Bewegungen, wie den Zeugen Jehovas, kennen, die mit präzisen Endzeitberechnungen Angst schürten. Aber aus christlicher Sicht sind wir als Geschöpfe Gottes in seiner Hand geborgen. Die Erde ist seine Schöpfung und Gott leidet auch an der Umweltzerstörung. Dennoch bestimmt Gott über das Ende der Welt, nicht der Mensch.

Anhänger, Aktivisten Gläubige, …. Welche Bezeichnung finden Sie für die „Letzte Generation am passendsten?

Ich würde von Aktivisten sprechen. Diese Bezeichnung bringt am ehesten diesen missionarischen Drang zum Ausdruck.

Vielen Dank für das Gespräch!

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5 Antworten

  1. Guten Abend Herr Utsch,
    Leider kommt ihr Interview vollkommen manipulativ bei mir an. Entweder haben Sie sich gar nicht mit dieser Gruppierung beschäftigt oder stellen absichtlich ein sehr schräges diffuses Bild davon dar um sie zu diskreditieren :

    1. Die Gruppe hat keinerlei religiösen Bezug auch wenn das wünschenswert wäre. Sie deshalb in einen Sack mit religiösen Endzeitpropheten zu stecken ist einfach falsch. (Strafgericht Gottes etc. )
    2. Die zeitliche Komponente des Handlungsbedarfs ( wegen des Klimawandels) wird von Ihnen als Weltuntergangsprophezeiung dargestellt. Das ist auch nicht korrekt. Klimaforscher sagen uns anhand
    ihrer Modelle vorraus dass in etwa 10 Jahren ohne radikalere Änderung der Lebens- und Wirtschaftsweise sogenannte Kipppunkte (z.B. Abschmelzen der Polkappen,Auftauen der Tundra) erreicht werden, die den Wandel extrem weiter beschleunigen und die Erde in großen Teilen unbewohnbar werden wird. Das könnte dann gegen Ende des Jahrhunderts sein.
    3. Die jetzt lebenden Generationen können als letzte noch etwas tun , danach ist der Wandel in einer selbstverstärkenden Spirale . Das ist auch die Bedeutung von “Last Generation” und nicht die letzte lebende Generation auf der Erde. Das kann man übrigens alles auf der Homepage nachlesen.
    4. Ja zum Glück ist die Politik aufgrund von solchen Protesten ( FFF) aufgewacht und leitet Massnahmen ein, allerdings halbherzig und durch Lobbyismus gebremst . Die Massnahmen und das Umsetzungstempo werden nicht reichen um z.B. das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Wir tun etwas ,aber zu wenig. Durch das lange Leugnen, Verharmlosen und Nichtstun ( an dem sich übrigens auch PRO mit entsprechenden Artikeln beteiligt hat) müssten die Massnahmen jetzt kräftiger ausfallen. Und das ist unpopulär.
    5. Letztlich sind die meisten Menschen nicht bereit ihre komfortzone zu verlassen, sich einzuschränken , weniger zu konsumieren. Lieber kauft man einen prestigeträchtigen Geländewagen als sein Haus zu dämmen. Samstags morgens fährt man damit in der Jogginghose zum Brötchenholen .
    Daran wird es auch meiner Meinung nach scheitern . Der “alte Mensch” in uns ist egoistisch und will einfach “sein Brot nicht im Schweiße seines Angesichts essen”. Das ist auch der Ausdruck unserer Getrenntheit von Gott.
    6. Ich kann diese jungen Menschen verstehen, solange Sie keine Gewalt anwenden und nur einen Sitzstreik oder ähnliche Aktionen durchführen. Auch wenn Sie vielleicht ahnen dass es nicht mehr zu retten ist, können Sie ihren Kindern wenigsten sagen, dass Sie aufgestanden sind und mutig etwas getan haben.
    Mir tun auch meine Kinder leid wenn ich denke in welche grausige Zukunft Sie steuern.
    7. Sie stellen gar keinen Absolutheitsanspruch wie manche Sekten. Sie hören nur das was die Wissenschaft inzwischen auch laut sagt und ziehen die richtigen Schlüsse daraus. Versuchen es den Mitmenschen auf eindringliche Weise klar zu machen.
    8. Ich glaube dass Jesus uns auch fragen wird wie wir uns bei diesem Thema verhalten haben. Der Klimawandel kostet jetzt schon vielen Menschen das Leben und wird noch viel weiteres Unheil über die Menschheit bringen.

    mit freundlichen Grüßen
    M.Diehl

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  2. Guten Abend Herr Merz,
    Könnten Sie bitte Ihren Beitrag und den Zusammenhang zum Artikel etwas näher erläutern ?
    mfg
    M.Diehl

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  3. Grüß Gott,

    Die letzte Generation ist eine dumme Sekte! Es gibt auch Seiten ohne Anführer da jeder dann in dieser Anarchie den Guru spielen will.

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