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Christival: Eine Ode an die Freude

Mehr als 12.000 junge Christen kamen in Erfurt zusammen. Gemeinschaft, Spaß, Glaube, Party, Lobpreis: Das Christival 2022 hatte einiges zu bieten. Friede, Freude, Eierkuchen? Ein Erfahrungsbericht.
Von Johannes Schwarz
Beim Christival in Erfurt feierten die Teilnehmer das Leben und den Glauben

Foto: Christival/Nik Ebert

Die Freude der Christival-Teilnehmer war nicht zu übersehen

9 Uhr morgens in Erfurt. Ich quetsche mich, wie viele Jugendliche, noch in die Straßenbahn Richtung Messe. Es sind so viele junge Menschen in der Tram, dass niemand mehr umfallen könnte. Ich spüre in meinem Rücken die Tür der Bahn. Es liegt ein gewisser Geruch in der Luft und alle sind müde, doch das hindert die Teilnehmer des Christivals nicht daran, loszusingen. Erst wenige und dann immer mehr: „Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom.“ Die Masse feiert mitten in der Straßenbahn ein Jahrzehnte altes christliches Kinderlied.

Noch eine Station bis zur Messe. Die Tür geht auf. Ein Mann möchte noch rein. Direkt grölen ein paar Jungs: „Einer geht noch, einer geht noch rein.“ Er quetscht sich zu mir und wir fahren weiter. Als wir ankommen, warten schon Ordner, um uns einen sicheren Weg zur Messe zu gewähren.

Es sind nur wenige Minuten und doch steht diese Situation für das gesamte Christival: Es ist ein buntes, lautes und freudiges Jugendfestival für Christen. Trotz Müdigkeit immer zu Freudenausbrüchen bereit.

Mit Philipperbrief in die Freude

In den fünf Tagen wurde gemeinsam der Philipperbrief gelesen. In den zahlreichen Veranstaltungen brachten die Redner immer wieder Abschnitte des Paulus-Briefs ein. Dabei ging es um die Tatsache, dass es nicht auf die Umstände ankommt, um Freude zu empfinden. Das heiße aber nicht, Probleme und Schwierigkeiten zu unterdrücken.

Die wurden auch beim Christival angesprochen: Depressionen, Suizidgedanken, Krankheit, Krieg in Europa, Klimawandel, Corona-Pandemie und Ungerechtigkeit. Mich beeindruckte die Stille, mit der die Jugendlichen bei der Sache waren: Als es um all diese Dinge bei einer Predigt ging, hörte man nichts, trotz tausender Menschen in der Halle. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

Doch dabei blieb es nicht. Die Redner, Impulsgeber und Diskutanten bekräftigten die gültige Aussage aus Philipper 4,4: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ Und diese Freude steckte die jungen Menschen an. Nach Lockdowns in der Corona-Pandemie und der gegenwärtigen Kriegslage in Europa klammerten sich die Jugendlichen an der Gottesfreude fest.

Beim Christival in Erfurt gab es viel Lobpreis und Musik Foto: Christival/Julian Reith
Beim Christival in Erfurt gab es intensive Lobpreiszeiten

Die Freude der Gemeinschaft und des Glaubens konnte nicht verborgen bleiben. Ich sah viele glückliche Menschen und viel Lachen. Bei den Konzerten und Lobpreiszeiten spürte ich die Freude der Teilnehmer. Sicher lag dies auch daran, dass in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Corona-Pandemie wenig Gemeinschaft und Musik möglich waren. Die Massen sangen kräftig mit und feierten den Glauben. Highlights waren neben dem Anfangs– und Abschlussgottesdienst, die letzte Abendveranstaltung, bei der der unter anderem der Komiker Bülent Ceylan und die Musiker O’Bros auftraten.

Begegnungen die bleiben

Immer wieder erfreute es mich, Menschen zu beobachten die sich nach langer Zeit wieder einmal sehen konnten. Bekannte aus anderen Orten und Gemeinde vereint auf dem Christival. Einige Teilnehmer sprachen von „einer großen Familie“ oder einem „Familientreffen“. Beeindruckt war ich außerdem von der Vielfalt der jungen Menschen. Von Pfadfindern über christliche Punks bis zu konservativen wie liberalen Christen waren alle dabei. Trotz der Unterschiede ein großes Freudenfest, oder gerade deswegen!

Auch ich selber sah alte Bekannte wieder. Aber lernte auch viele neue Leute kennen. Etwa Willi Steidle, er macht gerade ein freiwilliges soziales Jahr in einer christlichen Einrichtung. Er besuchte die unzähligen Infostände von unterschiedlichen christlichen Organisationen. Nach zwei Tagen hatte er sich 69 Kugelschreiber zusammen gesammelt. Aber da waren mehr Begegnungen, etwa mit einem Mädchen aus Süddeutschland. Sie ist auf dem Christival 16 Jahre alt geworden und über eine Jugendgruppe quasi aus Versehen auf dem Christival gelandet. Eigentlich glaubt sie nicht an einen Gott, aber die Gemeinschaft der Christen zieht sie an.

Christival-Teilnehmer Willi Steidle Foto: Johannes Schwarz
Er fiel auf: Christival-Teilnehmer Willi Steidle mit seinen 69 Kugelschreibern

Die mehr als 12.000 Christen blieben nicht nur unter sich, sondern waren auch in Erfurt sichtbar. Am bekannten Domplatz gab es jeden Tag viele Angebote, um mit den Erfurtern in Kontakt zu kommen. Von Bühnen gab es christliche Musik, Tanz, Poetry Slam. Außerdem organisierten die Veranstalter ein Riesenrad auf dem Platz. Dies konnten alle Erfurter und die Teilnehmer des Christivals kostenlos nutzen.

Es fanden Begegnung und Austausch statt. An allen Tagen war der Domplatz und die weiteren Begegnungsorten voller Menschen: Familien mit Kindern neben Jugendlichen, die in einer Gruppe beteten. Andere zeigten sich von der Lobpreis-Musik, die man hunderte Meter weit hören konnte, genervt. Doch grundsätzlich ging das Konzept des Christivals auf: Die jungen Christen veränderten das Stadtbild zum Positiven. Immer wieder kam es zu Begegnung.

Alles wunderbar?

Es ist beachtlich, was die knapp 1.800 Ehrenamtlichen im Vorfeld und während des Christivals geleistet haben. Die Ordner, die Seelsorger, die Techniker – die Menschen im Hintergrund haben gute Arbeit geleistet.

Doch nicht alles lief ohne Probleme. Teilnehmer beschwerten sich schon nach zwei Tagen, dass keine Seife und kaum Toilettenpapier an Ort und Stelle war. Ich selbst als Pressevertreter musste bei manchen Programmpunkten erst erfragen, ob ich teilnehmen durfte. Und noch ein größeres Problem: Manche Veranstaltungen dauerten schlichtweg zu lang. Am letzten Abend mussten bei der zentralen Veranstaltung in der Messehalle mehrere Teilnehmer von Sanitätern versorgt werden. Zu wenig Schlaf und zu wenig Trinken führte zu den ein oder anderen Kreislaufbeschwerden. Man hätte sensibler mit dieser Situation umgehen müssen.

Und dann ist da noch die gerade laufende Corona-Pandemie. Die Organisatoren hatten vor Beginn des Festivals bekannt gegeben, dass keine Maskenpflicht herrscht – Maske tragen jedoch empfohlen ist. Die Realität zeigt: Mehr als 12.000 Menschen kamen sich nah. So nah, dass davon auszugehen ist, dass Corona sich ebenfalls freute. Keiner wurde aufgrund seiner Haltung zu der Pandemie kritisiert. Ein starkes Zeichen in diesen polarisierten Zeiten. Doch Corona hatte sicher leichtes Spiel.

Ein Riesenrad der Begegnung beim Christival in Erfurt Foto: Christival/Marc Schwips
Auf dem Erfurter Domplatz begegneten sich Erfurter und Teilnehmer des Christivals

Doch alles in allem zeigte das Christival, was Christen drauf haben: Sie können sich freuen, unabhängig der Umstände. Sie können sich freuen aufgrund des Glaubens. Das Christival kam zur richtigen Zeit. Es ermutigte die Christen fürs „Hoffen offen“ zu sein, wie der Vorsitzende des Christivals, Karsten Hüttmann, sagte. Junge Christen erlebten in Erfurt schlicht eine Ode an die Freude.

Das Christival fand 2022 zum siebten Mal statt. Mehr als 80 Werke und Organisationen verschiedener Konfessionen und Denominationen sind Träger der Veranstaltung. Das nächste Christival soll 2028 stattfinden. Ort und Datum stehen noch nicht fest.

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2 Antworten

  1. Vielleicht wäre noch ein Hinweis auf die Kingdom Club Night Angebracht. Rave, Disko, Elektropop mit über 600 Teilnehmern war mal zum Thema Freude ein fettes Highlight.
    Organisiert von Kingdom Artist. Ein Beispiel wie es nach dem christival in Städten und Gemeinden weitergehen könnte.

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  2. Lieber Johannes Schwarz,
    Du hast einen „echt“ lebendigen Bericht über das Christival „abgeliefert“! Mit Herz und Verstand; mit Lob und ( auch, wo nötig) mit offener Kritik ! Zum Beispiel : dachte auch ich sofort beim lesen: „oh weih“ ! Corona wird dort „fröhliche Urständ“ gefeiert haben, vor allem in der Enge der Straßenbahn. Ich wurde natürlich auch sofort erinnert, wie ich als junger Diakonenschüler beim Kirchentag 1961
    in Berlin mit tausenden , auch vielen jungen Menschen teil nahm und wie „man“ angerührt und be—rührt war z.B. von inhaltlich guten Bibelarbeiten und Vorträgen. Aber ich verschweige auch nicht, dass wir heute, als alt gewordene Menschen denken: gut, dass wir da nicht mehr dabei sein „müssen“! U N D, dass Gott meine liebe Sigrid und mich damals, auf dem Kirchentag zusammengeführt hat, ist eine QUALITÄT, die bis heute Gültigkeit hat, indem wir inzwischen 56 Jahre verheiratet sind.
    Dir, lieber Johannes von Johannes herzlichen Dank , dass Du uns an „Erfurt“ teilhaben ließest und liebe Grüße

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