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Bedford-Strohm bekräftigt Nein zu Sterbehilfe in kirchlichen Häusern

Auf der Synodentagung hat der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bekräftigt, dass er assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen ablehnt. Zudem bezeichnete er die Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche als Gradmesser für Glaubwürdigkeit.
Von Jonathan Steinert
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Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Synode Mai 2021, digital

Foto: EKD/Jens Schulze

Heinrich Bedford-Strohm bei seinem Bericht auf der digitalen Tagung der EKD-Synode

Kirchlich-diakonische Einrichtungen sollten sich „in keiner Weise selbst an der Organisation und Durchführung der Suizidassistenz beteiligen“. Das betonte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kiche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag in seinem Bericht vor der Synode. Wenn die geschäftsmäßige Beihilfe zur Selbsttötung rechtlich geschützt und offiziell geregelt sei, werde der assistierte Suizid „eine unter bestimmten Bedingungen normale Möglichkeit“, erklärte er. „Was im Bewusstsein der Menschen, die in einer Gesellschaft leben, als anständig, normal und legitim gilt, wird erst recht beeinflusst von dem, was das Gesetz erlaubt oder nicht erlaubt.“

Für ihn sei klar, dass die Kirche Sterbende ohne Bedingungen auf ihrem letzten Weg begleite. Jedoch müsse sie „für die Ermöglichung des Lebens“ stehen und sich durch „liebevolle Begleitung, optimale palliative Fürsorge und gute Seelsorge“ profilieren – „nicht aber durch Sterbehilfe“. Ihre Haltung orientiere sich am Leben.

Innerhalb des Rates und der Diakonie gibt es dazu unterschiedliche Positionen. Bedford-Strohm betonte jedoch, es sei Konsens, dass eine Beratung in diakonischen und evangelischen Einrichtungen immer eine Beratung zum Leben sei – zwar ergebnisoffen, aber wertegebunden. „Um die konkreten Konsequenzen dieser Haltung ringen wir im Rat ebenso wie die Verantwortlichen in vielen diakonischen Einrichtungen.“

In seinem Bericht betonte Bedford-Strohm zudem, dass die Glaubwürdigkeit der Evangelischen Kirche auch an der Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt gemessen werde. „Es gibt wahrscheinlich kaum eine andere gesellschaftliche Institution, bei der die moralische Fallhöhe so groß ist wie bei einer Institution, die schon vom Auftrag her das Eintreten für Nächstenliebe und die Anwaltschaft für die Schwachen und Verletzlichen in ihre DNA eingeschrieben weiß“, sagte er und erklärte: „Was immer wir tun können, um dazu beizutragen, dass Menschen sich bei uns nicht nur sicher fühlen, sondern es tatsächlich sind, wollen wir tun.“

Dazu gehöre es, sich bei Hinweisen auf Fehler selbstkritisch zu prüfen und dazuzulernen. Er erlebe allerdings auch anhaltendes Misstrauen gegenüber der Evangelischen Kirche. Daher seien Partner von außerhalb der Kirche wichtig, denen Betroffene vertrauen, wie etwa der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagte Bedford-Strohm gegenüber Journalisten. „Ich sehe alle Menschen, die uns helfen und auf Problempunkte hinweisen, als Partner.“

Er bekräftigte zudem das Anliegen, Betroffene einzubinden. Allerdings habe der im vorigen September eingesetzte Betroffenenbeirat angekündigt, sich aufzulösen, nachdem ein Teil seiner Mitglieder zurückgetreten sei, wie diese Woche bekannt wurde. Daher müssten Formen der Zusammenarbeit gefunden werden, die besser funktionierten, sagte Bedford-Strohm.

Warnung vor Impf-Neid

In Bezug auf die Corona-Pandemie sagte der Ratsvorsitzende, er beteilige sich nicht an Spekulationen über Gottes Zorn. Angesichts medizinischer Leistungen, wissenschaftlicher Fortschritte und Tapferkeit von Pflegenden sehe er „seinen guten heiligen Geist in diesen vielen segensreichen Handlungen und Entscheidungen, in der unsichtbaren Solidarität der vielen, vielen Menschen, die mittun an der Pandemiebekämpfung durch Disziplin, Vorsicht und Rücksicht“.

Da die „seelischen Inzidenzwerte“ stiegen, sei „alles an Freiheiten zu ermöglichen, was mit dem Gesundheitsschutz vereinbar ist“, sagte er weiter. Damit bezog sich Bedford-Strohm darauf, dass Geimpfte nach den Beschlüssen des Bundestags Rechte und Freiheiten wieder erlangen sollen, und warb für ein „Gönnen-Können“. Neid sei keine christliche Tugend. „Wer die innere Kraft aufbringt, auf etwas warten zu können, was andere schon genießen dürfen, der setzt das wahre ethische Zeichen.“

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