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Anna-Nicole Heinrich neue Präses der EKD-Synode

Die EKD-Synode hat eine neue Präses: die 25-jährige Anna-Nicole Heinrich. Sie folgt auf Irmgard Schwaetzer, die das Amt seit 2013 inne hatte.
Von Jonathan Steinert
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Anna-Nicole Heinrich

Foto: Anna-Nicole Heinrich

Die 25-jährige Anna-Nicole Heinrich ist Studentin an der Universität Regensburg

Anna-Nicole Heinrich ist neue Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Synodalen, die sich an diesem Wochenende zur konstituierenden Sitzung des neu zusammengesetzten Gremiums online zusammenfanden, wählten sie am Samstag zur Nachfolgerin von Irmgard Schwaetzer. Diese hatte das Amt seit November 2013 inne.

Die 25-jährige Heinrich erhielt 75 von 65 notwendigen Stimmen. 39 Stimmen erhielt Nadine Bernshausen, Richterin und Kommunalpolitikerin aus Marburg, seit 2015 Mitglied der EKD-Synode. Die neue Präses absolviert in Regensburg Masterstudien zu „Digital Humanities“ und „Menschenbild und Werte“ und ist zudem wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Regensburg. Sie gehörte der 12. Synode bereits als Jugenddelegierte an und ist Mitglied der Synode der bayerischen Landeskirche. Heinrich ist eine der Initiatoren des Kirchen-Hackathons #glaubengemeinsam, der im vorigen Jahr zum ersten Mal stattfand und in diesem März eine Fortsetzung fand. Auch ins Zukunftsteam der EKD wurde sie berufen, das die „Zwölf Leitsätze zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche“ formulierte.

Heinrich berichtete bei ihrer Vorstellung, sie habe durch den Religionsunterricht zum Glauben gefunden und habe sich im Kindesalter taufen lassen. Auftrag der Kirche sei es, „hinaus ins Weite“ zu gehen und den Glauben zu leben. Als Präses stehe sie für eine „hoffnungsvolle, integrierende, pragmatische Kirche“, die ihren „missionalen und diakonischen Auftrag“ nie aus dem Blick verlieren dürfe.

„Kirche muss Deutungshoheit abgeben“

Schwaetzer hielt am Freitagabend ihren letzten Bericht als Präses. Sie ermutigte die Synodalen dazu, ihre christlichen Überzeugungen in die öffentliche Diskussion einzubringen. Als ein aktuelles Themen nannte sie dabei unter anderem die Corona-Pandemie und ihre Folgen für Kirche und Gesellschaft. „Als Christinnen und Christen sind wir hier auf vielen Ebenen gefragt: Wir können und müssen Trauer zulassen und begleiten, Mut zusprechen, Hoffnungswege aufzeigen in der tiefen Gewissheit, dass Gott uns auch in dieser schweren Zeit trägt und hält.“

Die Pandemie und der Lockdown hätten in der Kirche eine große Kreativität freigesetzt. Neues sei entstanden, „das in die Zukunft weist und zeigt, wo und wie wir uns verändern können und müssen, um in einer Welt das Evangelium zu verkündigen, in der die Digitalisierung auch schon vor der Pandemie viele Lebensgewohnheiten verändert hat“. Auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen stelle die Kirche vor die Aufgabe, „Traditionen und Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Wege der Verkündigung zu finden“.

Schwaetzer betonte zudem, dass bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirche größtmögliche Transparenz und die Beteiligung Betroffener von zentraler Bedeutung seien. Dazu sollten Betroffene auch zu den Synodentagungen eingeladen werden, um den Austausch zwischen ihnen und Synodalen zu fördern. „Ich bin der Überzeugung, dass die Evangelische Kirche Macht und Deutungshoheit abgeben muss, damit eine gelingende Zusammenarbeit mit Betroffenen möglich wird.“

Als weitere Aufgabenfelder für die neue Synode nannte Schwaetzer die kirchliche Friedensarbeit wie auch die Fragen in Zusammenhang mit Sterbehilfe.

Erstmals Linken-Politiker in der Synode

Der 13. EKD-Synode gehören insgesamt 128 Mitglieder an. Sie sind für sechs Jahre gewählt. Die aktuelle Synode hat sich im Vergleich zur vorigen verjüngt. 25 Synodale sind jünger als 27 Jahre. Im Vergleich zu den gewählten und berufenen Mitglieder im Mai 2015 ist das Durchschnittsalter um knapp 5,5 Jahre auf 48,35 Jahre gesunken.

Wieder dabei sind die Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe (CDU), Kerstin Griese (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne). Neu hinzugekommen sind Linda Teuteberg (FDP), Annette Sawade (bis 2017 SPD-Bundestagsabgeordnete) und mit dem Bundestagsabgeordneten Friedrich Straetmann erstmals ein Linken-Politiker. Auch die Grünen-Politikerin Sigrid Beer, Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag, der WDR-Journalist Arnd Henze sowie Steffen Kern, zukünftiger Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, gehören der Synode an.

Die Synode ist neben dem Rat und der Kirchenkonferenz eines von drei Leitungsgremien der EKD. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, Kundgebungen und Beschlüsse zu Fragen der Zeit zu erarbeiten und die Arbeit des Rates der EKD durch Richtlinien zu begleiten. Die Synode berät und beschließt den Haushalt und die Kirchengesetze und wählt den Rat. Geleitet wird die Synode vom Präsidium unter dem Vorsitz der Präses, die durch ihr Amt auch dem Rat angehört.

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2 Antworten

  1. „Wie verdammt mutig ist eine Kirche, die eine junge Frau in so ein Amt wählt“ sagte sie laut “Tagesspiegel” nach ihrer Wahl. Mutig oder verzweifelt, je nachdem wie man es sieht. Die nächten Jahre werden zeigen was zutrifft.

  2. Das hätte ich den Synodalen nicht zugetraut. Endlich geht es in die richtige Richtung !!Wir brauchen den Aufbruch.Auch ein linker Politiker ist dabei. Weiter so.

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