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Die Dokumentation „Gefangen im Netz“ zeigt auf beklemmende Weise, wie leicht Mädchen im Internet zum Opfer von sexueller Belästigung und Missbrauch werden. Eine entschärfte Fassung soll Schüler auf die Gefahren aufmerksam machen.
Von PRO
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Gefangen im Netz, Cybergrooming, Missbrauch

Foto: Hypermarket Film/Filmwelt Verleihagentur

Darstellerin Tereza Těžká beim Chatten im Kinderzimmer-Set im Filmstudio

Die Zahlen sind erschreckend: 2.458 Fälle von sexuellem Missbrauch im Internet an drei Mädchen in nur zehn Tagen. Das zeigt „Gefangen im Netz“, ein Dokumentarfilm der tschechischen Filmemacher Barbora Chalupová und Vít Klusák, der im Juni in Deutschland in den Kinos lief und gegen Gebühr online abrufbar ist. Drei volljährige, aber kindlich aussehende Schauspielerinnen wurden aus insgesamt 23 Bewerberinnen gecastet, ihre fiktiven Profile als Zwölfjährige in die Sozialen Medien gestellt, darunter Facebook, Skype, Snapchat und ein tschechischer Anbieter. Bereits im Casting berichten neunzehn junge Frauen von Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch im Internet in ihrer Kindheit. „In Deutschland werden pro Tag neun Kinder Opfer sexueller Gewalt im Internet. In jeder Schulklasse sitzen aktuell ein bis zwei betroffene Kinder“, ist über die deutsche Internetseite von „Gefangen im Netz“ zu erfahren.

Cybergrooming, also die gezielte Suche von Tätern nach Opfern im Netz, ist das Thema des Films. Dafür wurden in einem Studio drei authentische Kinderzimmer aufgebaut, die als Setting dienen. Um sich besser in die Rolle als zwölfjährige Mädchen einzufinden, brachte jede der Schauspielerinnen Gegenstände aus ihrer Kindheit in „ihr Zimmer“ mit – Bücher, Bilder, Spielzeug, ein Puppenhaus. Zum Team hinter den Kulissen gehörten Psychologen und eine Sexualforscherin.

Als das Profilbild eines der Mädchen freigeschaltet wird, kommen innerhalb von fünf Minuten sechzehn Kontaktanfragen. „Es war, als hätten sie auf uns gewartet.“ In den Chats geht es sehr schnell zur Sache. Die meist älteren Männer stellen anzügliche Fragen zu den sexuellen Erfahrungen der Mädchen, es folgen Aufforderungen „mehr von sich zu zeigen“. Masturbation und Erektionen sind zu sehen, in sich steigernder Bildfolge, geschnitten zu den Klingeltönen der Sozialen Medien, die sich zu einer düsteren Filmmusik verdichten. Die Bilder, wie auch die Gesichter der Männer, sind verpixelt, doch die Dreistheit und Rohheit, mit der die Täter im Chat vorgehen, schockt die Mädchen vor den Computerkameras, das Filmteam im Studio und den Zuschauer.

Gefangen im Netz, Cybergrooming, Missbrauch Foto: Hypermarket Film/Filmwelt Verleihagentur
Innerhalb weniger Minuten erhielten die Darstellerinnen Kontaktanfragen an ihre Profile, in denen sie sich als Zwölfjährige ausgaben

Die filmische Inszenierung ist zweischneidig: Die Bilder der Täter, die nur aus gierigen Augen und Mündern und widerlichen Leibern zu bestehen scheinen, werden geschnitten mit Close-ups auf die Mimik der zwar volljährigen, aber immer noch sehr jungen Frauen, die kindlich-attraktiv zurecht gemacht wurden. Die Schauspielerinnen sind angehalten, sich im Kontakt mit den Männern an feste Regeln zu halten. Dazu gehört die eindeutige Betonung des Alters, sich schüchtern zu zeigen, gefälschte Nacktfotos geben sie nur auf mehrmaliges Bitten heraus. „Halte dich an die Regeln“, tönt es aus der Regie. Den Filmleuten hinter den Bildschirmen ist ihre Betroffenheit anzusehen aber durchaus auch ein gewisses Jagdfieber. Dabei scheint es nebensächlich zu sein, dass eine der sehr jungen Schauspielerinnen im Casting von eigenen negativen Kindheitserfahrungen im Netz berichtet hatte.

Seelische Misshandlung

Die Psychologin sortiert das, was den Kindern im Netz widerfährt, ein: „Die Erlebnisse der Kinder werden als Normalstandard in Sachen Sexualität abgespeichert, Beziehungsnöte und -ängste im späteren Leben sind damit vorprogrammiert.“ Wie belastend die rohen Bilder und die verbale Gewalt für die jungen Frauen ist, wird klar, als einem der Mädchen die Tränen kommen. Sie chattet mit einem jungen Mann, der tatsächlich nur mit ihr reden möchte und sie warnt vor sexuellem Missbrauch im Netz. Die Sexologin im Team erklärt das Verhalten der übergriffigen Männer als Expertin: „Männer denken, wenn sich das Mädchen nicht mit Nachdruck wehrt, ist das als Zustimmung zu verstehen. Dabei ist das reines Wunschdenken.“ Von den Männern, die im Internet Jagd auf Kinder machen, seien nur etwa drei Prozent Pädophile.

Der Film

Foto: Hypermarket Film/Filmwelt Verleihagentur Foto: Hypermarket Film/Filmwelt Verleihagentur

Der Film „Gefangen im Netz“ entstand 2020 in Tschechien, in Deutschland gibt es ihn seit Juni 2021. Er ist exklusiv online zu sehen auf der Website gefangenimnetz.de. Ein Streaming-Ticket kostet 8,99 Euro. Darüber wird es Schulklassen ermöglicht, eine kürzere, speziell aufbereitete Version des Films kostenlos zu sehen. Außerdem gibt es begleitendes Material dazu. Die Website informiert zudem über Beratungs- und Hilfsangeboten bei sexuellem Missbrauch, über die Rechtslage und politische Forderungen. Unterstützt wird das Projekt von verschiedenen Hilfsorganisationen.

Der hinzugezogene Anwalt spricht angesichts der eingefangenen Bilder von Nötigung, sexuellem Missbrauch, Erpressung, Verführung und Vergewaltigung Minderjähriger, worauf Haftstrafen von bis zu fünf Jahre stehen. „Die Misshandlungen sind nicht körperlicher, sondern seelischer Art.“

Den Filmemachern ist es ein Anliegen, mit ihrem Film Aufklärungsarbeit zu leisten, um Cybergrooming nachhaltig zu bekämpfen. In der abgeschwächten und gekürzten Schulversion mit einer Altersfreigabe ab zwölf Jahren sind die expliziten Bilder herausgeschnitten. Hier sollen Kinder über die Risiken und Gefahren im Internet von Experten aufgeklärt werden, verspricht die Homepage des Projekts. Der Langfilm mit einer Freigabe ab 16 Jahren hinterlässt allerdings einen schalen Beigeschmack, durch die Art, wie hier Missbrauch in den Sozialen Medien durch eine Medieninszenierung dokumentiert wird.

Am Ende des Films wird einer der Täter, der als Jugendreiseleiter identifiziert werden konnte, mit laufenden Kameras vom Filmteam gestellt und mit der Wut und Trauer, der jungen Schauspielerin konfrontiert. Er zeigt sich uneinsichtig: „Es gibt Schlimmeres im Fernsehen. Es ist doch gar nichts passiert … Wenn Kinder nicht wissen, was sich gehört, ist das die Schuld der Eltern und keinesfalls meine.“ Und zu guter Letzt: „Das ist doch nur ein Spiel, um den ganzen Druck überhaupt auszuhalten. Merkt ihr denn gar nicht, wie hier alles so langsam den Bach runtergeht?“ So wird aus dem Täter auf einmal ein Opfer. Auf Grundlage des Filmmaterials konnte die tschechische Polizei mehrere Strafverfahren einleiten, erzählt der Abspann.

Von: Carola Bruhier

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5 Antworten

  1. Die Uneinsichtigkeit des Täters spricht Bände. Unsere Gesellschaft hat es völlig verlernt angemessen mit Sexualität umzugehen. Die Grünen haben seinerzeit sexuelle Beziehungen zu Kindern legalisieren wollen, die Odenwaldschule hat das sogar als “pädagogisches Konzept” gesehen. Das Berliner Jugendamt hat Pflegekinder an bekanntermaßen(!) pädophile Pflegeeltern vermittelt (“Kentler-Experiment”).

    Wenn selbst in evangelischen Medien begeistert von schulischer “Sexualaufklärung” berichtet wird, die aber tatsächlich unangemessen und übergriffig ist, in deren Rahmen sich die Kinder einer obszönen Sprache bedienen, dann fragt man sich, welche Chance unsere Kinder eigentlich noch auf gelingende Beziehungen, Familie&Kinder haben.

    >>Bericht über Sexualkunde mit 14-Jährigen in Chrismon unter evangelisch.de:
    Zitat:
    >Workshop mit den Achtklässlern: vier Stunden Aufklärung, die Jugendlichen dürfen fragen, was sie wollen. Anne Michael spricht von “blasen”, “lecken” und 
”spritzen” so, wie andere einen Weg beschreiben. Mal läuft sie zur Tafel, dann kniet sie wieder in der Mitte der Runde und liest Fragen vor, die die 14-Jährigen auf bunte Zettel geschrieben haben: “Wie schmeckt Sperma?”, “Warum tut man blasen?”, “Was passiert, wenn das Kondom platzt?”.

    Sie packt die bunten Zettel mit den Fragen ein, wirft das Kondom in den Mülleimer und packt den Silikonpenis in den Beutel.<
    https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2019/42366/sexualkunde-der-schule

    Ein weiteres Beispiel:
    Da wird von einer Mitforistin gegen "christlich-konservative" Sicht der Sexualität auf die "realistische Einschätzung einer Sexologin" verwiesen, die ab der Altersstufe-13-und-älter als "altersangemessen" u.a. empfiehlt:
    – ” Gegenseitiges Masturbieren, Küssen, Petting”
    – ” Geschlechtsverkehr”

    Tatsächlich ist doch aber Geschlechtsverkehr keine “Altersfrage”, sondern eine Beziehungsfrage. Deshalb ist die Ehe Voraussetzung für Geschlechtsverkehr.
    So gesehen kann man gar nicht zu "christlich-konservativ" sein 😉

    1. Als Pädagogin muss ich leider sagen, dass Sexualerziehung in KiGa und GS sehr wohl von Nöten ist, um Kindern eine Sprachfertigkeit zu vermitteln, zum eigenen Schutz – wenn Kinder nicht wissen, wie Sexualorgane heißen und ein Basiswissen ihrer Geschlechtlichkeit vermittelt bekommen, sind sie deutlich gefährdeter. Grund dafür ist oft, dass in der Familie keine oder kaum Aufklärung geschieht, was natürlich der Idealfall wäre, denn dann kann man auftauchende Fragen im geschützten Rahmen beantworten. Gerade auch die Verbindung von Beziehung und Geschlechtsverkehr lässt sich ja vermitteln, ich finde die Einordnung sehr wichtig. Vermeiden sollte man auf alle Fälle jegliche Peinlichkeit und Scham, Sexualität ist ein wunderbares Geschenk Gottes!

  2. Warum wundert sich eigentlich jeder?
    Erstens: Sündenfall!
    Zweitens: wir leben in einer Bildergesellschaft und diese schicken “Stars” machen es doch vor.
    Halb nackt auf der Bühne, ausstaffiert und geschminkt wie billigste Huren manchmal .. Entschuldigung, wenn ich drastisch bin – siehe Madonna usw … die jungen Mädels machen das nach und manchmal – ganz ehrlich – tun mir Männer leid, weil sie heutzutage gar nicht mehr wissen, wo noch hinschauen. Und ich selbst, als Frau, die garantiert hetero ist .. muss manchmal schlucken. Und dann .. die Eltern. Wieso erziehen sie ihren Kindern kein Schamgefühl mehr an?
    Wenn Lehrer in der Schule fordern, oder eher bitten, denn alles andere ist ja Eingriff die Verwirklichung der Persönlichkeit, dass ihre Schülerinnen sich mehr anziehen, wenn sie zum Unterricht kommen … dann macht man sich lustig und Lehrer muss wohl aufpassen, dass er nicht unter Verdacht gerät.

    Ich schaue mir den Film nicht an und ich kann nur sagen: wir ernten, was wir gesät haben.

    Und solange alternde Frauen, zu denen ich auch gehöre, ich bin 58, nicht endlich wieder lernen, anständig herumzulaufen, und nicht die Jugend nachzuahmen .. haben die jungen Mädchen auch keine Vorbilder.
    Haare färben, Diäten, 1 Million Lover .. das bringt es nicht .. und das müssen wir ihnen vorleben … !
    Und ich bin unendlich froh und dankbar, diesen Schönheitswahn, den ich natürlich auch kenne, besonders noch vor meinem Glaubensleben, hinter mir lassen zu dürfen, weil da der Eine ist, der mich mehr liebt, als 1000 Millionen Lover es könnten, ja mehr als meine Eltern mich lieben … der – unbegreiflicherweise aus Gnade und Liebe – Sein Leben für mich gegeben hat.

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