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Zahl der gemeldeten Abtreibungen steigt

Nach zwei Jahren rückläufiger Abtreibungen steigen in diesem Jahr die Zahlen wieder. Das hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt.
Von Norbert Schäfer
Abtreibungsgegner in Hessen provozierten und könnten nun vor Gericht landen

Foto: pro

Nachbildung eines Embryos in der 10. Schwangerschaftswoche

Im dritten Quartal 2022 wurden rund 26.500 Abtreibungen in Deutschland gemeldet. Das hat das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitgeteilt. Demnach nahm die Zahl der Abtreibungen gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres um 16,7 Prozent zu.

Nach dem Rückgang von Abtreibungen in den Jahren 2021 (minus 5,4 Prozent gegenüber 2020) und 2020 (minus 0,9 Prozent gegenüber 2019) nahm die Zahl der gemeldeten Abtreibungen in den ersten drei Quartalen 2022 deutlich zu. Ob und wie diese Entwicklung mit dem Verlauf der Corona-Pandemie zusammenhängt, kann nach Angaben der amtlichen Statistik anhand der Daten nicht eindeutig bewertet werden.

„Politik will Abtreibung als Normalität verankern“

Nach Angaben der freien Telefon- und Onlineberatungsstelle Vita L ist in den Beratungen die häufigste Ursache für den Schwangerschaftskonflikt weiterhin die Beziehung der Schwangeren zum Vater des Kindes und der Druck seitens des Kindsvaters geblieben.

„In steigendem Maße berichten uns die Frauen von eigenen psychischen Problemen und Krankheiten, von allgemeinen Zukunftsängsten, Lebensängsten und Finanzproblemen“, erklärt Alexandra Maria Linder, Leiterin von Vita L auf PRO-Anfrage. Der Krieg in der Ukraine, steigende Energiepreise, Inflation und Angst vor ungewissen Zukunft seien mögliche Faktoren für die sinkende Bereitschaft, ein Kind auszutragen.

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„Hinzu kommt eine politische Ausrichtung, die Abtreibung als Normalität verankern will“, erklärt Linder. Das führe auf der einen Seite zu weniger Kenntnis und Bewusstsein der Sachlage vor allem bei jungen Frauen. Die meinten, es handle sich bei einer Abtreibung um einen harmlosen, legalen Eingriff. Auf der anderen Seite schlage sich die politische Ausrichtung in sinkender Hilfsbereitschaft im Umfeld der betroffenen Frauen nieder. Eine Abtreibung werde als eine „normale Option“ angesehen. Das mache die Situation für die Frauen noch schwerer und komplizierter. Die Zulassung der Werbung für Abtreibung und die verzerrte Darstellung in der Öffentlichkeit hätten dazu beigetragen.

Der Beratungsbedarf bleibt nach Linders Einschätzung weiter hoch. Die Leiterin von Vita L rechnet damit, dass „die Abtreibungszahlen weiter steigen“ und „die allgemeine Hilfsbereitschaft für Frauen im Schwangerschaftskonflikt und ihre Kinder weiter sinken“ wird. Dazu trage auch die „unzureichende sogenannte Teleberatung mit in Bezug auf Gesundheit und Lage der Frauen gefährlicher Zusendung der Abtreibungspille bei“.

Nach Angaben der amtlichen Statistik vom Donnerstag wurde bei mehr als einem Drittel der Abtreibungen (35 Prozent) ein Medikament verwendet. Die Eingriffe erfolgten demnach überwiegend ambulant in Arztpraxen, OP-Zentren und Krankenhausambulanzen.

Grund: „Falscher Zeitpunkt”

Kristijan Aufiero, Geschäftsführer von 1000plus-Profemina, erlebt „so etwas wie eine grundlegende Verschlechterung der Stimmungslage“ in der Beratung. „Inflation, Krieg, die angekündigte Rezession und nicht zuletzt das mediale Heraufbeschwören einer Krisenstimmung verunsichern die Menschen in unserem Land“, erklärt Aufiero auf Anfrage. „Das gilt erst recht für Frauen, die in dieser Situation ungeplant schwanger werden und eine Entscheidung treffen müssen, die ihre ganze Zukunft betrifft.“

Konkret manifestiere sich das in den Konfliktursachen, die Schwangere in Not in der Beratung benennen. „Während zuletzt noch Partnerschaftskonflikte Hauptursache waren, ist in unserer Beratung mittlerweile ‚der falsche Zeitpunkt‘ an die erste Stelle der benannten Ursachen für einen Schwangerschaftskonflikt gerückt“, sagt Aufiero.

Den amtlichen Angaben vom Donnerstag zufolge waren 69,5 Prozent der Frauen, die im 3. Quartal 2022 eine Abtreibung durchführen ließen, zwischen 18 und 34 Jahren alt, 19,1 Prozent zwischen 35 und 39 Jahren. Rund 42 Prozent der Frauen hatten demnach vor dem Schwangerschaftsabbruch noch kein Kind zur Welt gebracht. 

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4 Antworten

  1. Ein Grund mehr dass Verhütungsmittel Kassenleistung sind.Kondome, Pille, Spirale sind sehr teuer und nicht jeder kann sich nicht leisten.Denn die konsequente Anwendung von Verhütungsmitteln verhindert ungewollte Schwangerschaften und ebenso Schwangerschaftsabbrüche.

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  2. Dann wird der Bevölkerungsrückgang wohl noch weiter voranschreiten. Die Reproduktionsrate müsste knapp über 2 liegen, um den Einwohnerstand zu halten. Wir merkens ja schon beim Fachkräftemangel, dass junge Menschen fehlen. 100 000 Abtreibungen pro Jahr sind 1 000 000 in 10 Jahren und in 40 Jahren 4 000 000!! Diese Menschen fehlen jetzt. In Ungarn macht man es richtig: Familien werden dort viel großzügiger unterstützt. Ab dem 4. Kind – Befreiung von der Einkommensteuer!

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  3. Diese kleine Modell des Ungeborenen in der 10. SSW fasziniert mich total! Welch ein genialer Schöpfer steckt dahinter! Von wegen “ein Zellklumpen”.. Ob den vielen (Frauen und Männern), die abtreiben bzw. es befürworten dieses überhaupt bewusst ist??

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