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WDR verzichtet auf Zusammenarbeit mit El-Hassan

Der WDR erteilt einer Zusammenarbeit mit der Journalistin Nemi El-Hassan endgültig eine Absage. Zuvor hat die Moderatorin in einem Zeitungsbeitrag ihren Arbeitgeber kritisiert.
Von Martin Schlorke
Nemi El-Hassan

Foto: WDR/Tilman Schenk

Nemi El-Hassan wurde als Tochter von Palästinensern in Deutschland geboren

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wird künftig nicht mit der Journalistin Nemi El-Hassan zusammenarbeiten. Das teilte der WDR am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Als Grund nannte der öffentlich-rechtliche Sender fehlendes Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit.

Zuvor hatte El-Hassan in einem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung ihren Arbeitgeber heftig kritisiert. Sie warf dem WDR einen schlechten Umgang mit der Kritik um ihre Person vor. Der Sender habe nur versucht, sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Zudem stehe die Reaktion des WDR exemplarisch für den schlechten Zustand der Debattenkultur in Deutschland. So habe es keinen ehrlichen Diskurs darüber gegeben, „wie sich Antisemitismus von israelkritischen Positionen abgrenzen lässt“. Auch sei nie über die „deutsche Verantwortung gegenüber Menschenrechtsverletzungen in Israel/Palästina“ diskutiert worden.

Sie habe das Recht, die israelische Regierung zu kritisieren. Das werde ihr in Deutschland mit seiner Holocaust-Vergangenheit aber nicht zugestanden. Vielmehr werde der Antisemitismusvorwurf genutzt, um gegen Muslime Stimmung zu machen. El-Hassan stellte klar: „Ich bin und bleibe Palästinenserin, ob das der deutschen Öffentlichkeit genehm ist oder nicht.“

Vorwurf an Bild-Zeitung

In dem Gastbeitrag kritisiert El-Hassan außerdem die Berichterstattung der Bild-Zeitung. Diese hatte im September zuerst über die Teilnahme der Moderatorin beim antisemitischen Al-Kuds-Marsch in Berlin berichtet. El-Hassan wirft dem Blatt vor, eine von „rechtsextremen Internet-Aktivisten“ initiierte Kampagne in die Öffentlichkeit getragen zu haben. Der WDR habe sich „allen Argumenten der Bild-Zeitung angeschlossen und somit auch zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet“. Auf Twitter wehrte sich der stellvertretende Bild-Chefredakteur Timo Lokoschat gegen die Behauptungen: „Was für ein Unsinn. Kritische Berichterstattung, die die Teilnahme am Al-Quds-Tag und Likes für Antisemitismus und Israel-Hass dokumentiert, ist keine rassistische Kampagne.“

Kritik an El-Hassans Darstellung äußerte ebenfalls die Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Anna Staroselski.

Auch der WDR wehrt sich gegen die Vorwürfe El-Hassans: „Unabhängig von der medialen Berichterstattung und dem öffentlichen Druck im Fall Nemi El-Hassan hat der WDR sorgfältig und umfangreich beraten, weil die Verantwortlichen den beruflichen Weg der jungen Journalistin nicht leichtfertig behindern, sondern ihr eine Chance geben wollten.“ Ausschlaggebend sei ihr Verhalten in den sozialen Netzwerken und ihr Umgang mit dem WDR gewesen. So habe sie „relevante Informationen“ zurückgehalten. Das habe das Vertrauensverhältnis „stark belastet“.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte erfreut auf die Entscheidung des WDR. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch: „Wir begrüßen es, dass der WDR den Fall Nemi El-Hassan sorgfältig geprüft und jetzt klar entschieden hat.“ Zeitgleich warnte er vor „jeglichen Pauschalverdächtigungen von Muslimen“.

Der genannte Bericht der Bild-Zeitung hatte im September die Debatte um El-Hassan losgetreten. Das Boulevard-Medium deckte darin Ihre Teilnahme beim antisemitischen Al-Kuds-Marsch 2014 in Berlin auf. Dort war es unter anderem zu „Sieg Heil“-Rufen gekommen. Außerdem warf die Bild der Journalistin vor, in einem Video der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) den Dschihad verharmlost zu haben. Darüber hinaus soll El-Hassan Beiträge mit einem „Like“ versehen haben, die den Ausbruch von palästinensischen Terroristen aus israelischen Gefängnissen begrüßt haben.

Jürgen Bremer, der für die „Deutsche Initiative für den Nahen Osten“ im WDR-Rundfunkrat sitzt, hatte vor der jüngsten Sitzung eine Stellungnahme zu dem Fall von dem Historiker Moshe Zimmermann und dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland, Avraham Primor erbeten. Die beiden Kuratoriumsmitglieder des Vereins verteidigten die Moderatorin. In Israel hätte man Journalisten, die ähnliche „Likes“ machten wie El-Hassan, „nicht verfolgt“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung sie.

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Eine Antwort

  1. Sicher wird auch dieser Kommentar wieder nicht durchgehen, aber es ist mir inzwischen egal.

    In Zeiten, in denen Menschen Ihre Arbeit verlieren, nur weil sie mit den “Falschen” beim Mittagessen gesehen werden, ist es geradezu infam, von Verfolgung zu sprechen, wenn man selbst bei einem Marsch dabei ist, wo Sieg-Heil gerufen wird. Der Zentralrat der Juden warnt vor einer Pauschalverdächtigung der Muslime, was sicher seine Berechtigung hat. Mit seiner eigenen Pauschalverdächtigung von AfD-Politikern hat er allerdings kein Problem, obwohl diese es sind, welche sich im Bundestag am meisten für das uneingeschränket Existenzrecht Israels einsetzen. Verstehe noch einer die Welt.

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