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Meinung

Vom Krieg zu Kriegsverbrechen

Die russische Armee hat in Butscha bei ihrem Rückzug mutmaßlich schwerste Kriegsverbrechen begangen. Das muss Konsequenzen haben.
Von Johannes Schwarz
Russlands Präsident Wladimir Putin schreckt auch vor Kriegsverbrechen im Kampf gegen die Ukraine nicht zurück.

Foto: TASS News Agency | CC BY 4.0 International

Der russische Präsident Putin schreckt nicht vor Kriegsverbrechen im Kampf gegen die Ukraine zurück

Das Grauen von Butscha muss Konsequenzen haben, auch wenn sie uns selbst weh tun. Denn was russische Truppen in der Stadt angerichtet haben, ist eine neue Stufe der Barbarei.

Mehr als 400 ermordete Zivilisten. Auf Straßen, Hinterhöfen und in Parks liegen sie. Brutalst getötet– teilweise misshandelt und geächtet. Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlicht die schrecklichen Aufnahmen. Unabhängige Journalisten bestätigen die Echtheit der Aufnahmen und berichten von Vergewaltigung als Kriegswaffe. Manchen getöteten Ukrainer wurden die Zähne ausgeschlagen. Zuvor wurden einige gefesselt. Von Hinrichtungen ist die Rede. Die Mörder hinterlassen einen Lach-Smiley aus Blut an den Wänden von ukrainischen Wohnhäusern.

Es sind schreckliche Bilder, die in den Nachrichtensendungen gezeigt werden. Das Hinsehen fällt schwer und der Atem stockt. Hilflosigkeit mischt sich mit Wut und Trauer.

Was zu sehen ist, sind Kriegsverbrechen. Bei Angriffen auf zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser konnte sich die russische Führung noch damit herausreden, es handle sich um unbeabsichtigte Kollateralschäden. Beim mutmaßlichen Massaker von Butscha hingegen haben russische Truppen gezielt und unabhängig von irgendwelchen Kriegszielen wehrlose Zivilisten gefoltert, gedemütigt und ermordet.

Schnelle Schritte erforderlich

Weltweit zeigten sich Politiker erschüttert. Wie zuvor verurteilten sie den Krieg Russlands und forderten Putin auf, unverzüglich den Krieg zu beenden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) kündigten neue Sanktionen an. Ein fünftes Sanktionspaket der Europäischen Union werde kommen, versicherten sie.

Dass die Bundesregierung schnell und spürbar handeln will, ist richtig. Auf Kriegsverbrechen kann es nur eine Antwort geben: Keine Unterstützung des russischen Regimes auf allen Ebenen, auch auf der wirtschaftlichen. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) zeigte sich offen für ein sofortiges Gas- und Ölembargo.

Zwar läuft schon seit Wochen die Debatte darüber, ob Deutschland und andere westlichen Staaten kein russisches Gas und Öl mehr importieren sollten, doch nun muss Klarheit her. Auch wenn die bisherigen deutschen Zahlungen nicht eins zu eins in russische Waffen oder Ausrüstungen gesteckt werden, fördern diese das System Putin. Damit muss Schluss sein. Die logische Konsequenz ist daher, ein sofortiges Energieembargo umzusetzen. Wenn der Westen weiter ernst genommen werden will, braucht es diese klare Haltung.

Im Angesicht der Kriegsverbrechen in Butscha muss die Antwort hörbar sein. Nicht nur im Westen, sondern vor allem im Kreml. Europa und die NATO müssen nun zeigen, dass sie wirklich in Einheit handeln können und wollen. Denn die unmenschlichen Taten von Butscha können sich überall in der Ukraine wiederholen. Es ist also Zeit, hinzusehen, weiter unermüdlich zu helfen und den Druck auf Moskau zu erhöhen.

40 Tage dauert nun schon der Krieg Russlands gegen die Ukraine an. Jeder Toter ist einer zu viel. Jedes Leid ist eines zu viel. Es heißt weiter dagegenhalten. Mit Entschlossenheit, Geduld, Mitmenschlichkeit und Gebet.

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8 Antworten

  1. Da werden für mich diese Psalmen, die aus tiefstem Herzen Gerechtigkeit fordern – und das Urteil für die Frevler – doch unmittelbar nachfühlbar:

    “Ach, Gott, wolltest du doch den Frevler töten!
    Dass doch die Blutgierigen von mir wichen!
    Denn voller Tücke reden sie von dir, und deine Feinde erheben sich ohne Ursache.
    Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
    Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden.

    Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
    prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
    Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
    und leite mich auf ewigem Wege.”

    (aus Psalm 139)

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  2. “Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind nun schon viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist.”
    Ich denke da passt Putin gut mit rein !

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  3. warum… und das frage ich mich hier schon länger… warum distanziert sich die kirche unx auch die kirche russlands nicht von diesem teufel?
    der papst und die kirche sind so schnell wenn es darum geht scharfe worte gegen minderheiten zu formulieren… aber hier, wo es dringend nötig ist verstummt die kirche mal wieder…
    arme welt in der wir leben…
    auf das Ra die stillschweigenden unterstützer genau so strafen möge wie die jenigen welcbe das greul begabgen haben…

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  4. Ein Gas- und Ölembargo würde an der Situation in der Ukraine leider gar nichts ändern. Putin bezahlt seine Soldaten in Rubel, dafür braucht er unsere Euros nicht. Bereits jetzt laufen Verhandlungen Russlands über weitere Rohstofflieferungen mit Indien und China. Diese Länder kommen dann einfach nur günstiger an Rohstoffe, wenn wir sie nicht abnehmen. Wir müssen diese Probleme global denken und nicht nur verengt aus unserer deutsches Perspektive heraus. Reduzierung der Abhängigkeit von Russland ja, aber das wird noch ein wenig Zeit brauchen. Ein sofortiges Embargo würde unsere Volkswirtschaft und unsere Gesellschaft massiv schwächen und soziale Verwerfungen nach sich ziehen. Aus dieser Position der Schwäche können wir uns nicht gegenüber Russland behaupten, unsere eigene Wehrhaftigkeit wäre eingeschränkt. Wir würden uns selbst viel mehr schaden als wir Putin schaden würden. Rückzug ja, aber geordnet und nicht Hals über Kopf.

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    1. Robert Habecks Worte ! So schwer es uns fallen mag, dem zuzustimmen, aber auch ich meine: sie sind vernünftig und nicht popolistisch.

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  5. Jetzt wo der Krieg in Europa stattfindet wachen wir auf. Wo ist der Aufschrei beim Krieg in Jemen oder Sudan, wo wegen den Hunderttausenden, die jedes Jahr verhungern, die vielen, die in Minen verrecken oder an der Umweltverschmutzung durch die Industrie sterben? Der so christliche Westen hat sich doch in wirtschaftliche Abhängigkeiten vor allem gegenüber Russland und China sehenden Auges gebracht. Wenn dann noch die Kriege der so christlichen USA wie arabischer Frühling dazukommt Frage ich mich schon, warum man nur auf Putin zeigt. Letzten Endes hat dieses Systems des Kapitalismus, das von christlichen Nationen entwickelt wurde unseren Wohlstand im Westen erst möglich gemacht. So schrecklich und ohne Sinn dieser Krieg auch ist: Wir im Westen haben keinen Grund für den moralischen Zeigefinger

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    1. “Der so christliche Westen”?, den finde ich schon lange nicht mehr. Im Osten war das christliche Abendland schon viel eher “abgeschafft” worden. Denn das Christliche ist die Verantwortung des Einzelnen vor Gott und der Gemeinschaft. Da nützt ein “moralischer Zeigefinger” nur auf sich selbst zu richten, nicht auf andere, erst recht nicht auf “die Kirche” oder “den Staat”, die aus uns Einzelnen bestehen. Es ist Gottes Wort, was uns zu “aufrichtigen Gebeten und verantwortlichen Taten” (wie es Dietrich Bonhoeffer in 10 Jahre danach formuliert) ermutigt, die es angesichts der Klimakatastrophe und des Mordens in der Ukraine und anderswo von jedem Einzelnen bedarf. In der Weise, wie es uns Christus vorgelebt hat. Und das haben wir auch nach Matthäus 28 weiterzuverbreiten. Wir haben also genug zu tun.

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  6. Leider wurde meine Meinung nicht reingesetzt. Kann man sich denken, was Demokratie bedeutet hier in Deutschland.

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