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Studie zeigt: Deutsche in „Schockstarre“

Eine Studie zeigt, dass Melancholie und Kriegsangst das Lebensgefühl der Deutschen bestimmen. Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben die Menschen gelähmt.
Von Norbert Schäfer
Angst

Foto: Alexandra Gorn on Unsplash

Marktforscher haben bei den Deutschen „Melancovid“ festgestellt – eine Mischung aus Melancholie und Angst bedingt durch Covid

Viele Bürger fühlen sich nach zwei Jahren Corona-Pandemie und angesichts des Krieges in der Ukraine ohnmächtig und wie gelähmt. Das ergab eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstitutes Rheingold. Die Studie zeigt, dass sich die „Krisenpermanenz“ zu einer „albtraumhaften Dauerschleife“ auswächst. Die Menschen hätten das Gefühl, dass ihnen der Boden unter den Füßen entzogen werde. Die Angst vor dem Krieg und dem drohenden Untergang stünden dabei im Gegensatz zum funktionierenden Alltag. Das verleihe der Situation eine Art Unwirklichkeit.

„Das übergreifende Momentum ist eine ohnmächtige Fassungslosigkeit“, sagte Stephan Grünewald, Gründer von Rheingold, am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie. Die Befindlichkeit der Deutschen gleiche einer Schockstarre. Corona und die Sorge, dass der Ukraine-Krieg sich zu einen Atomkrieg entwickeln könne, hätten bei vielen die Illusion zerstört, in einer Art „Auenland“ zu leben.

Die Menschen „fühlen sich paralysiert wie das Kaninchen vor der Schlange“. Die extremen Ohnmachtsgefühle verstärken die Zermürbtheit, die die Menschen nach zwei Jahren Pandemie empfänden. Abgesehen von der Kriegsangst reagierten die Deutschen zunehmend resigniert, haben die Forscher festgestellt. Auch antriebslos und entnervt. Trotz der sich abzeichnenden Lockerung der Corona-Maßnahmen hätten viele den Wunsch verloren, zu ihrem früheren Leben zurückzukehren.

Deutsche sind mutlos und verzagt

Nach dem Ende der Corona-Einschränkungen wollen nur 9,1 Prozent der Bürger „versuchen alles nachzuholen und besonders ausgelassen feiern oder shoppen“. Weniger als ein Viertel (22,6 Prozent) der Menschen wollen wieder zu der Lebensfülle und Risikobereitschaft zurückkehren, die sie aus der Zeit vor Corona gewohnt waren. Einige Vorsichtsmaßnahmen gegen Corona beibehalten wollen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung. 27 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in Zukunft im Umgang mit Menschen zurückhaltender sein werden. Die Marktforscher erkennen darin einen „Rückzug in den kleinen Lebenskreis des Privaten“. Das werde langfristig den „Weltradius der Menschen verkleinern und zu einer neuen Selbstbezüglichkeit führen“, schließen die Marktforscher. Die eskalierende Krisen-Spirale führe zu Bedrohungsgefühlen, Corona wiederum zu einer dauernden Übervorsicht.

Bei den Befragten haben die Forscher wegen Corona einen Zustand der Melancholie festgestellt, sie litten an „Melancovid“. Die Menschen fühlten sich häufig verzagt und mutlos, kreisten um sich selbst. Vor dem Einmarsch der Russen in die Ukraine hätten viele das Interesse an der Außenwelt verloren. Statt Optimismus habe sich in Teilen der Bevölkerung eine Egal-Haltung entwickelt, die jetzt einer angstvollen Bestürzung gewichen sei.

Das Rheingold Institut hat nach eigenen Angaben für die Studie in den vergangenen Monaten kontinuierlich die Corona-Befindlichkeit im Land beobachtet. Im Februar wurden 40 Menschen in Gruppendiskussionen und Tiefeninterviews befragt, Mitte Februar führte das Institut zu ausgewählten Fragen eine quantitative Befragung von 1.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren durch. Diese ist nach Rheingold-Angaben hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentativ. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben die Marktforscher zusätzlich zwölf Personen qualitativ-tiefenpsychologisch zu ihrer Befindlichkeit befragt.

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4 Antworten

  1. „Rückzug in den kleinen Lebenskreis des Privaten“

    Genau so haben sich die Menschen in der DDR auch verhalten. Etwas anderes bleibt einem ja auch nicht übrig, wenn Widerstand nicht möglich ist und man sich einem System ohnmächtig ausgeliefert fühlt.

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    1. Wenn sich “die Menschen in der DDR” alle so wie beschreiben verhalten hätten, wäre es nicht zu der “Friedlichen Revolution” gekommen. Klar war es schwer, Menschen zu ermutigen. Doch wie Paulus es erfahren hat, konnten auch wir Jesu zusage erfahren: “Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig”. Aber natürlich nur in denen, die sich ihre Kraft vom Herrn erbitten und schenken lassen. Wir sind doch nicht “ohnmächtig ausgeliefert” – wir sind Kinder des allmächtigen Gottes, der Seine Kinder niemals im Stich lässt, auch nicht im Tod. Widerstand ist sehr wohl möglich, ist aber natürlich nichts für Duckmäuser.

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  2. Im “Privaten” ist ja auch die Lösung zu finden. Wie will der Mensch die Probleme der Welt lösen, wenn er nicht einmal seine eigenen Probleme lösen kann? – HEILUNG, ohne die NIEMAND den Herrn sehen wird (Hebr. 12,14), oder mit anderen Worten, ohne die keine Erlösung ist, beginnt mit dem Innenleben eines jeden einzelnen Menschen. Wer da besser geworden ist, hat einen heilenden Einfluss auf andere.
    https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/02/17/jeder-christ-ein-psychologe/

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  3. Also mich persönlich nervt weder eine Kriegsangst, noch bin ich irgendwie gelähmt. Es ist die Gesellschaft, die sich selbst und damit andere lebensbejahende und motovierte Menschen ausbremst, die mich nervt. Statt ihr Leben normal weiter zu führen, fangen sehr viele an, sich gehen zu lassen und resignieren. Sie machen Hamsterkäufe, wer es sich leisten kann baut Bunker, Gebrauchtwarenmärkte wie Ebay und andere bewegen sich nicht mehr und der Arbeitsmarkt fängt an, hinten und vorne zu klemmen. Durch dieses Herdenverhalten sorgt der Mainstream für Konjunkturbremsen und Demotivation. Eigentlich sollten sich diese jene genau entgegengesetzt verhalten, um eine starke Gemeinschaft mit Biss und Selbstbewusstsein zu bilden. Und genau das alles nervt mich. Wann sind diese Leute endlich stark und aufrecht? Denn das ist, was wir jetzt dringend brauchen.

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