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Gendern weckt Unmut bei jungen Menschen

Das Gendern wird von jungen Menschen mehrheitlich als nervig oder provozierend empfunden, zeigt eine Studie. Von den Befragten sieht sich gut ein Viertel weder als Mann noch als Frau.
Von Norbert Schäfer
Mit dem Gendersternchen, auch Asterisk genannt, sollen in der Schriftsprache ungewollte Informationen über das soziale Geschlecht (Gender) vermieden werden

Foto: PRO

Gendern kann als freundliche Erinnerung verstanden werden, gesellschaftlich für gutes Miteinander einzutreten. Der Genderstern als ein Symbol für die Fußnote (alle, die nicht im Text genannt werden können, sind eingeschlossen) ist dazu geeignet, finden die Marktforscher von Rheingold.

Mehr als die Hälfte der jungen Menschen hält nichts von der Debatte über geschlechtergerechte Sprache. Das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Rheingold, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach lehnen 54 Prozent der Befragten im Alter zwischen 14 und 35 Jahren die Genderdebatte eher ab und fühlen sich davon stark „genervt“ oder provoziert. 44 Prozent der Befragten empfinden der Studie zufolge die Diskussion als wichtig und gerechtfertigt oder eher wichtig und gerechtfertigt. Vor allem jüngere Frauen bemessen der Debatte einen hohen Stellenwert.

23 Prozent der Befragten kannten den Begriff nicht oder die Bedeutung nicht genau. Jeder Dritte verbindet ihn mit Menschen jenseits der Geschlechts-Kategorien Mann und Frau. Es bestehe Unklarheit über Sinn und Bedeutung, zudem werde nicht erkannt, dass Gendern Frauen in der Sprache sichtbar machen soll.

Die Debatte über geschlechtergerechte Sprache nahmen Befragte als eine Art „Stellvertreterkrieg“ wahr für gesellschaftliche Versäumnisse. Gendern wurde in Verbindung gebracht mit fehlender Integration von Frauen, mangelnder Diversität oder dem Gender Pay Gap, bis hin zu Flüchtlingen und Rassismus. „Für mich ist das ein Minenfeld. Egal was ich mache, man kann sich ja nicht richtig verhalten“, gab eine der befragten Personen zur Antwort.

Jeder Vierte sieht sich weder als Mann noch Frau

Die Befragten sahen auch eine Kluft zwischen Wirklichkeit und Ideal bei der Geschlechtergerechtigkeit: Drei Prozent der Frauen und elf Prozent der Männer gaben in der Studie an, dass die volle Geschlechtergerechtigkeit bereits erreicht ist. Mehr als die Hälfte der befragten Frauen (57 Prozent) fühlten sich mindestens „ab und zu“ als Frau im Alltag oder im Berufsleben benachteiligt. Gendern wird von manchen Befragten auch als sprachliche Stolperfalle empfunden. „Wenn ich gegenderte Sprache höre, hört sich das immer ungewohnt an. Das ist wie ein holpriges, abruptes Loch. Das lenkt schon ab“, gab eine Person bei der Studie an.

Der Wunsch, durch Gendern der Sprache zu einem besseren Miteinander der Geschlechter in der Gesellschaft zu gelangen, führt der Studie zufolge paradoxerweise oft zu Misstönen. 57 Prozent (67 Prozent der Männer, 48 Prozent der Frauen) der Studienteilnehmer gaben an, dass Gendern die Gesellschaft spalte. Jeder Zweite ist aber der Meinung, dass Gendern die Gleichberechtigung von Mann und Frau fördern kann.

Die Studie hat auch zutage gefördert, dass das eigene Geschlechterverständnis der 14- bis 35-Jährigen nicht festgefügt ist. Knapp drei von vier Befragten ordneten sich selbst eindeutig entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zu. 27 Prozent der Befragten ordneten sich bei der Geschlechtlichkeit zwischen Mann und Frau ein. Dabei sahen sich diese Personen selbst nicht als „divers“. Vielmehr herrsche der Wunsch vor, als Person, nicht als Mann oder Frau wahrgenommen zu werden.

Für die Studie hat Rheingold 2.000 Personen (je zur Hälfte Männer und Frauen) im Alter zwischen 16 und 35 Jahren befragt. Zudem wurden mit 46 Personen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren zusätzlich tiefenpsychologische Interviews geführt. Die Studie ist in Zusammenarbeit mit der Agentur Castenow entstanden und ist nach Angaben der Autoren hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland repräsentativ für die Bevölkerung.

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8 Antworten

  1. Was ich nie verstehen werde, warum wollen die Genderisten unbedingt die Gesellschaft spalten?
    Und das unter der Fahne “Integration” und “Toleranz”???
    Sprachlich hat “Gendern” keinen Nutzen – außer, die Sprache unverständlich und kompliziert zu machen.
    Da halte ich es besser mit Luther: „Rein und klar Deutsch, die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markt hören, dem Volk aufs Maul schauen.“

    Hier noch als Hintergrund:
    “Umständlich und ungrammatisch, inkonsequent und ideologisch – warum Gendern keine Lösung ist:
    Reden Journalisten, die in öffentlichrechtlichen Medien zur Erziehung des Publikums gendern, auch privat so? Zweifel sind angebracht. Abgesehen davon, dass die ubiquitäre Sexualisierung der Sprache die Gesellschaft trennt, führt sie zu keinerlei Fortschritt.

    Die Substantivierung von Partizipialformen übersieht den Bedeutungsunterschied zwischen Personen, die generell etwas tun, und solchen, die gerade etwas tun.”

    https://www.nzz.ch/meinung/ein-einziger-murks-gendern-ist-auch-keine-loesung-ld.1668929

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  2. “geschlechtergerechte Sprache”

    Deutsch ist nicht “geschlechterungerecht” und gendern ist kein Zeichen von Gerechtigkeit sondern eine Bevormundung einer kleinen aber sehr lauten Minderheit.

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    1. Eine Minderheit will politisch korrekt die Mehrheit gängeln und verhunzt damit die an sich schöne, aber für Fremde schwer zu erlernende Sprache.
      Es gibt noch Normen und die müssen eingefordert werden.

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  3. Ich werde nie vergessen, wie meine Frau im Hintergrund rief – irgendwas ist ihr kaputt gegangen – “Ich bin so ein Idiot”. Vor mir spielte eine RBB-Sendung auf, in der “Wissenschafler*nnen” den “Zuhörenden” erklärten, dass Frauen sich regelmäßig nicht von der männlichen Wortform angesprochen fühlten. Tja: Anspruch und Wirklichkeit.

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  4. Selten habe ich solch einen hirnrissigen Blödsinn wie diese Genderideologie kennengelernt. Die von Simone de Beauvoir stammende Lehre zerstört die von Gott geschaffene Zweigeschlechtlichkeit. Das vorgegebene Ziel mehr Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau herzustellen, wird dadurch nicht erreicht. Dazu müsste sich unsere Überzeugungen ändern, dass Frauen genauso wertvoll wie Männer sind . Hier ist Jesus Vorbild z.B. mit der Ehebrecherin oder der Samaritanerin.

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  5. Bei der Selbsteinordnung von 1/4 der jungen Leute als nicht klar männlich oder weiblich muss man beachten, dass sie in der Schule in vielen Fällen (auch bei uns) Lehren oder Deutungen exponiert werden, wo nur die Gender-Denkweise angeboten wird, aber keine dialektische Betrachtung verschiedener Seiten. Z.B. gibt es in RLP “SCHLAU” = schwul-lesbische Aufklärung, 3 Stunden ohne dass ein Lehrer anwesend ist.

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