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Steinmeier: Wunden durch Corona-Krise müssen heilen

Die Corona-Pandemie hat Spannungen in der Gesellschaft hervorgerufen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geht davon aus, dass die Versöhnung nach Corona länger dauert als die Pandemie.
Von Jonathan Steinert
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Frank-Walter Steinmeier, Ökumenischer Kirchentag Frankfurt am Main

Foto: PRO/Jonathan Steinert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Wir müssen wieder Brücken bauen zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat. Wir müssen nicht alle einer Meinung sein – aber wir brauchen einander.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Abschlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt am Main dazu aufgerufen, die soziale Dimension der Corona-Pandemie im Auge zu behalten. „Die sozialen Folgen des Virus werden nicht einfach so verschwinden, mit der letzten Impfung, der letzten Maßnahme“, sagte Steinmeier am Sonntag in einem Grußwort zum Abschluss des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt. Nicht alles werde nach der Pandemie wieder so sein wie vorher. „Aber Familie und Freunde wieder zu treffen, einander wieder die Hände zu reichen, einander wieder zu umarmen, wieder Gottesdienste und Kirchentage zu feiern, wie wir sie kannten – all das wünschen wir uns wieder.“

Angelehnt an das Kirchentagsmotto „Schaut hin“ betonte er: „Wir werden hinschauen müssen, weil uns die Welt nicht kalt lässt, weil wir die Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Das bedeute auch, die Wunden zu heilen, die Corona in der Gesellschaft geschlagen habe. „Wir haben erbittert gestritten – über Virus und Maskenpflicht, über Beschränkung und Lockerung, über Kita und Schule, über Impfstoffe und Impfreihenfolge“, sagte Steinmeier. „Bei vielen ist die Geduld erschöpft, die Nerven lagen blank. Freundschaften sind zerbrochen, Familien entzweit worden, tiefe Risse gehen durch unsere Gesellschaft.“ Die Heilung dieser Wunden bedeute „Wiederannäherung, wo wir uns fremd geworden sind“.

Während des Gottesdienstes machte der Regen eine Pause
Musik auf Abstand: Die Band auf der Bühne, …
… die Bläser rechts davon, …
die Sänger links.
Auch politische Prominenz war vertreten: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier
Plausch mit dem Staatsoberhaupt: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender

Der Ökumenische Kirchentag habe gezeigt, dass katholische und protestantische Christen mehr verbinde als sie trenne. Das gelte auch für die Gesellschaft als Ganze. „Der Prozess der gesellschaftlichen Versöhnung wird länger dauern als die 15 Monate, die hinter uns liegen“, sagte Steinmeier. Die Zukunft gewinne man nicht im unversöhnlichen Streit, mit Abschottung, Rechthaberei und Gesprächslosigkeit. „Wir müssen wieder Brücken bauen zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat. Wir müssen nicht alle einer Meinung sein – aber wir brauchen einander.“

Steinmeier ging auch auf die Situation im Nahen Osten ein. Mit Schrecken sehe er den neuerlichen Ausbruch der Gewalt. „Wir sehen unschuldige Opfer auf beiden Seiten. Wir hoffen auf Bemühungen, die der Gewalt ein Ende setzen. Wir sehen auch den antisemitischen Hass auf unseren Straßen. Nichts rechtfertigt die Bedrohung von Juden in Deutschland oder Angriffe auf Synagogen in unseren Städten. Lasst uns diesem Hass gemeinsam entgegentreten!“

Der Bundespräsident steht unter dem Kreuz

Dem guten Leben für alle nachjagen

Der Abschlussgottesdienst am Mainufer war neben Gottesdiensten am Samstagabend eine der wenigen Veranstaltungen, die während des Kirchentages in Präsenz mit Besuchern stattfand. Während des Freiluftgottesdienstes legten die Regenschauer eine Pause ein. In der Predigt betonte Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, es sei Auftrag der Kirchen, zum guten Leben aller beizutragen. „Durch unseren Glauben und unser Handeln gestalten wir Kirche und Welt. So helfen wir Gottes Gerechtigkeit zum Durchbruch“, sagte sie und nannte konkrete Punkte, an denen sie dafür Bedarf sieht, „menschengemachte Ungerechtigkeiten“ zu beseitigen: etwa einseitige männliche Herrschaft überwinden, Opfer von sexueller Gewalt in den Mittelpunkt stellen, Frauen den Zugang zu allen Ämtern und Diensten ermöglichen oder auch ein neues Miteinander in ökumenischer Geschwisterlichkeit.

Die methodistische Pastorin Mareike Bloedt, die ebenfalls an der Predigt mitwirkte, erklärte, dass aus der Corona-Krise „neue und gerechtere Perspektiven“ entstehen könnten: „Eine Welt, wo Gewinnmaximierung und Effizienz weniger zählen als soziale Werte und Solidarität“ oder Solidarität zwischen den Generationen. Gott verspreche, ein „gutes Leben für alle“ zu wollen. Dies ermutige dazu, selbst diesem Ziel nachzujagen.

Die Liturgen Volker Jung, Radu Constantin Miron, Georg Bätzing
Die Predigerinnen: Mareike Bloedt und Katharina Ganz
Die Location: „Weseler Werft“ am Mainufer
Das Motto des Kirchentags: „Schaut hin“

Mit dem Gottesdienst am Sonntagmorgen ist der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main zu Ende gegangen. Es war nach 2003 und 2010 das dritte Mal, dass der Deutsche Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ein gemeinsames Christentreffen organisierten. Wegen der Corona-Pandemie musste es weitgehend digital stattfinden. Nach Angaben der Veranstalter besuchten über 160.000 Nutzer die Website des Kirchentages während seiner Durchführung. Die Aufzeichnungen stehen noch bis Ende 2021 in der Mediathek zur Verfügung.

Von: Jonathan Steinert/epd

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Eine Antwort

  1. Durch Zensieren von Meinungen heilt man jedenfalls keine Wunden. Aber das Todschweigen von Problemen war ja schon immer eine Spezialität der Kirche.

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