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Merkel zum Klimaschutz: Mit anderen Verhaltensweisen „Zukunft gewinnen, statt sie zu verbrauchen“

Die Bewahrung der Schöpfung war am Samstag Thema auf dem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main. Ohne deutliche Verhaltensänderungen in allen Bereichen des Lebens werde die Zukunft wegen des Klimawandels verspielt, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Diskussionsrunde.
Von Norbert Schäfer
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Unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt das Existenzrecht Israels weiterhin Staatsräson (Archivbild)

Foto: pro/Norbert Schäfer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) musste sich am Samstag auf dem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt den Vorwurf gefallen lassen, den Klimaschutz blockiert zu haben

Im Gegensatz zu den „Fridays for Future“-Kundgebungen hat sich der Klimawandel durch Corona nicht aufhalten lassen. Die Bewahrung der Schöpfung war am Samstag Thema einer Online-Veranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main. Die Kanzlerin machte deutlich, dass ohne gravierende Einschnitte in allen Bereichen des Lebens die Zukunft aufgrund des Klimawandels verspielt werde.

„Wenn unsere Erde lebensfähig bleiben soll, dann sind in allen Bereichen – und von uns allen – Verhaltensänderungen zwingend erforderlich“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Dies gelte für den Konsum, die Produktion, beim Bauen und Wohnen, der Mobilität und der Ernährung. Was bislang getan werde, reiche noch nicht. Nur wenn das verstanden und entsprechend gehandelt werde, könnten Ökologie und Ökonomie miteinander so in Einklang gebracht werden, dass „wir die Zukunft gewinnen, statt sie zu verbrauchen“.

Geändertes Ziel: Klimaneutralität im Jahr 2045

Die Bewältigung der Corona-Pandemie, die Digitalisierung und der Klimawandel stellten die „bisherige Lebens- und Wirtschaftsweise auf eine harte Probe“, erklärte Merkel bei der Diskussionsveranstaltung am Samstag, die Corona-bedingt online stattfand und vorher aufgezeichnet wurde. Zur Bewältigung der Aufgaben brauche es „breiten und generationenübergreifenden Dialog“. Beim Klimaschutz „können und müssen wir alle mehr tun“, sagte Merkel.

Die Regierung will mit einem neuen Gesetz Klimaneutralität im Jahr 2045, statt wie zunächst geplant im 2050, erreichen. Bei Abweichungen vom Zielpfad sollen Sofortprogramme unmittelbar korrigieren. Dazu sollen die klimarelevanten Maßnahmen jährlich überprüft werden. Mit dem neuen Gesetz reagiert die Regierung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das klargestellt hatte, dass der Gesetzgeber eine Pflicht habe, drohende Einschränkungen der Grundrechte junger und künftiger Generationen in Folge des Klimawandels zu begrenzen.

Merkel betonte einerseits die besondere Verantwortung der Industrienationen für den Schutz des Klimas, weil diese Länder sehr viel stärker als andere den Klimawandel mit verursacht hätten. Andererseits verfügten die Industrieländer auch über die Mittel und Möglichkeiten, um sowohl in technologischer Hinsicht als auch im Blick auf wirtschaftliche und soziale Anliegen wirksamen Klimaschutz verfolgen zu können.

Klima-Aktivistin: „Regierung hat Klimaschutz blockiert“

Die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer (Fridays for Future) sprach im Hinblick auf die Klimapolitik der Regierung von einem „Vertrauensbruch”, den viele junge Menschen erfahren hätten. Die Bundesregierung habe „über Jahre, ja eigentlich Jahrzehnte nicht nur Klimaschutz verschlafen, sondern blockiert und die Klimakrise vorangetrieben“, erklärte Neubauer.

Es sei „großartig“, was Karlsruhe geurteilt habe, erklärte Neubauer, die die Klage beim Bundesverfassungsgericht mit angestrengt hatte. Die Zukunft spiele nun durch das Urteil eine Rolle in der Debatte um das Klima. Neubauer forderte „neue Ehrlichkeit und Transparenz” und ein „Ende der leeren Worte” im Kampf um das Klima. Emissionsreduktionen müssten im Hier und Jetzt stattfinden. Neubauer zeigte sich verwundet über das neue Gesetz der Regierung zum Klimaschutz und bezeichnete es als „paradox”. Das Gesetz entspreche nicht den Vorgaben des Pariser Klimaabkommens.

Wissenschaftler: „Weg zum Klimaschutz wird schmerzhaft, lohnt sich aber“

Der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind hält Eingriffe in Lebensstile, Mobilität und Ernährung für unabdingbar zur Abwehr der Klimakrise. Von der Politik forderte er „Experimentierorte”, an denen neue Konzepte zum Klimaschutz getestet werden könnten. Bund und Länder sollten dafür die Rahmenbedingungen schaffen.

„Klimawandel ist keine Fiktion“, sagte Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam. Die Folgen des Klimawandels und seine Konsequenzen blieben nur überschaubar, solange man unter 1,5 Grad globaler Erwärmung bleibe. Klimaschädigende Gase müssten deshalb dringend deutlich reduziert werden. Die definierten Ziele zum Klimaschutz bezeichnete Renn als „ambitioniert”.

Rein ökonomisch gesehen lohne sich aber die Investition in den Schutz des Klimas. Dazu müssten zeitgleich technische Innovationen als auch Veränderung der Wirtschaft- und Lebensziele herangezogen werden. „Wirtschafts- und Lebensweisen müssen auf den Prüfstand gestellt werden”, erklärte Renn, und von jedem getragen werden. „Das ganze gelingt nur, wenn es ein Gemeinschaftswerk wird”. Der Weg zum Klimaschutz werde schmerzhaft sein, aber nach dem Übergang zu einer nachhaltigen Lebensweise werde das Positive überwiegen.

Der 3. Ökumenische Kirchentag findet in diesem Jahr Corona-bedingt digital und dezentral statt. Vom 13. bis zum 16. Mai 2021 werden rund 100 digitale Veranstaltungen aus Frankfurt gesendet. Viele Veranstaltungen sind online auf oekt.de frei zugänglich.

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3 Antworten

  1. Bewahrung der Schöpfung ist ein wichtiges Thema und wenn Christen zusammenkommen sollte es durchaus eine Rolle spielen. Bewahrung der Schöpfung ist nach 2.Mose 2,15 der Grundauftrag Gottes an den Menschen. Schöpfungsbewahrung kollidiert aber immer wieder mit dem menschlichen Bedürfnis nach Profit und Luxus.
    Allerdings sind Klimaschutz und Umweltschutz nicht gleichzusetzen. Aus Umweltaktivisten sind Klimaaktivisten geworden. Wer für das Klima kämpft sollte auf einem Kirchentag erinnert werden das Gott selber das lebenswerte Klima garantiert (1. Mose 8,22). Ehe junge Menschen sich der Klimarettung verschreiben sollten sie sich um die Umwelt kümmern. Wenn Kinder freitags gegen ihren eigenen Lebenswandel demonstrieren wäre Gelegenheit mal nachzudenken wie umweltfreundlich die Nutzung und Herstellung des Smartphones ist , wie Elektrobatterien hergestellt werden und ob man statt sich mit dem SUV in die Schule fahren zu lassen Alternativen suchen könnte, z.B. das Fahrrad. Man könnte Kindern auch empfehlen statt in den Urlaub zu fliegen 2 Wochen auf einem deutschen Bauernhof zu verbringen.
    Wenn ich Frau Merkel höre kommt mir allerdings der Verdacht das das Thema Klima, ähnlich dem Thema Corona genutzt werden soll um politisch gewollte Veränderungen der Gesellschaft durchzusetzten. Angst und Panik um Gesundheit und Klima sind ein gutes Mittel um eine Gesellschaft in eine bestimmte, in dem Fall linke, Richtung zu lenken.

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  2. Ich mache sofort mit wenn unsere Politiker mit gutem Beispiel vorangehen. Hier sehen wir wieder: Wasser predigen und Wein trinken.

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  3. “Wenn unsere Erde lebensfähig bleiben soll, dann sind in allen Bereichen – und von uns allen – Verhaltensänderungen zwingend erforderlich”

    Wer ist denn hier mit “uns alle” gemeint? Wird jetzt ein Herr Bezos oder ein Herr Gates den Gürtel enger schnallen und auf Privatjets und Yachten verzichten? Oder wird es am Ende der Hartz IV-Empfänger, die alleinerziehende Mutter und der Rentner sein, die sich spürbar einschränken müssen?

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