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Shincheonji: Gründer tritt als Pastor der Endzeit auf

Die Shincheonji-Bewegung will nicht als Sekte bezeichnet werden. Zurecht? Skurrile Erfahrungen auf einer Pressekonferenz.
Von PRO
Der Gründer Man-Hee-Lee

Foto: Shincheonji-Bewegung

Der Gründer Man-Hee-Lee geht bei der Pressekonferenz auf die Fragen der Menschen ein. Allerdings mussten diese vorher schriftlich eingereicht werden.

Zum ersten Mal macht mich meine Schwiegermutter auf die religiöse Bewegung aufmerksam: Die regionale Tageszeitung meldet, dass die Shincheonji-Bewegung („Neuer Himmel und neue Erde“) an Einfluss in Deutschland gewinnt, unter anderem im Rhein-Main-Gebiet. Es ist der Startpunkt für eine langfristige Recherche. Monate später sitze ich vor dem Rechner und nehme an einer Pressekonferenz von Shincheonji teil. Gegründet hat sie 1984 der Koreaner Man-Hee Lee.

Die religiöse Bewegung möchte ihre Glaubensinhalte verständlich machen und nahebringen. Dabei scheint es ihr vor allem darum zu gehen, das öffentliche Bild von sich zu polieren und das der Sekte abzustreifen. Der Hessische Rundfunk berichtete in der Vergangenheit kritisch über die Bewegung. Auch im Internet kursieren Videos, in denen Aussteiger von ihren Erlebnissen berichten und das Vorgehen der Bewegung als intransparent und täuschend beschreiben.

Mit PRO berichten wir auch darüber. Mit ihrer offensiven Pressearbeit hat sich die „Kirche“ auch an unsere Redaktion gewandt. Ich spreche zusätzlich mit Johannes Lorenz, der sich im Bistum Limburg mit Weltanschauungsfragen beschäftigt. Er bestätigt im Interview, dass die Gruppe Kennzeichen einer Sekte trägt. Die Bewegung bitte ich, schriftlich einige Fragen zu beantworten, dafür steht sie jedoch nicht zur Verfügung. Nach den Berichten auf unserer Internetseite hat Shincheonji unsere Redaktion umso mehr auf dem Radar: Ich bekomme weitere Mails aus der „Szene“, auch andere Redaktionskollegen werden angerufen. Bei mir sind die Absender aus Berlin und Frankfurt.

In Folge einer Offenbarung die Kirche gegründet

Sie ermutigen mich dazu, mich intensiver mit ihren Inhalten zu beschäftigen. Ich erhalte eine Einladung zu einem Webinar, bei dem ich die religiösen Standpunkte kennenlernen soll. Das hat bisher terminlich noch nicht geklappt. Und schließlich ist eine große Pressekonferenz anberaumt, ein „Event“, wie freundliche Stimmen am Telefon betonen. Im Zoom-Raum befinden sich über 300 Teilnehmer. Es ist unklar, wer alles zur Bewegung gehört und wer nicht.

Die Zahl der Fragesteller ist begrenzt. Jeder hatte die Chance, seine Fragen vorher einzureichen. Sie wurden aufgezeichnet und dann in der Pressekonferenz abgespielt. Es ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar, welche Fragen ausgewählt wurden. Der Moderator betont, dass Reporter und Pastoren aus 47 Ländern dabei sind. Viele hätten Offenbarungsseminare besucht. Auch die Pressekonferenz solle dabei helfen, dass möglichst viele Menschen zum Glauben kommen.

Dann wird der „Stargast“ angekündigt: Man-Hee Lee. Der heute 90-Jährige hat eigenen Angaben zufolge 1984 eine Offenbarung vom Himmel erhalten und dann die Kirche gegründet. Er versteht sich als der in der Offenbarung des Johannes angekündigte Pastor der Endzeit. Alles ist theologisch auf ihn als Retter ausgerichtet.

Viele lange Monologe

Lee bemühe sich seitdem, weltweit für den Frieden zu werben und die „geistliche Hungersnot“ zu beenden, indem er Menschen zum Glauben führt. Bevor er seine Erkenntnisse zur Offenbarung kundtut, erzählt er seine Entwicklung vom einfachen Landwirt zum Kirchengründer. Er verdeutlicht den Zuhörern, dass nur er in der Lage sei, die Offenbarung richtig auszulegen, weil Jesus es ihm gezeigt habe. Lee betont, dass es sich bei der geheimnisvollen Zahl 666 um eine Person handele, deren Name er kenne, den er aber nicht nennen wolle.

Selbst wer einsieht, dass theologische Fragen nicht immer leicht zu beantworten sind, der ist schnell angestrengt von den langatmigen Monologen Lees. Ein Fragesteller möchte wissen, warum die Bewegung so hohe Mitgliederzuwächse hat. Statt ein Erfolgsrezept zu verkünden, kommt eine ausschweifende Antwort mit dem Grundtenor, dass Lee lediglich den Auftrag Gottes ausführe.

Ein anderer Teilnehmer, der sich als rumänischer Journalist vorstellt, fragt, ob der Corona-Impfstoff das Malzeichen des Tieres der biblischen Offenbarung ist. Auch hier holt Lee weit aus. Bei seiner Antwort bleibt Vieles im Ungewissen. Immer wieder betont Lee, dass nur er Fragen beantworten könne, weil er die Offenbarung erhalten hat, und dass er nur das bezeuge, was er gehört hat. Die Zuhörer könnten aber auch zu ihm reisen, um Antworten zu erhalten. Die Kosten für den Flug seien eine Investition in das Himmelreich.

Eine klare Abgrenzung zur Außenwelt

Er wirbt darum, die Bibel zu durchdringen, um den vollkommenen Glauben zu leben. Zwei  Pastoren loben, dass die Offenbarungsseminare der Bewegung alle theologischen Fragen beantwortet hätten. Was auf der Pressekonferenz geschieht, passt ins Bild, das Johannes Lorenz im PRO-Interview gezeichnet hat: die starke Orientierung an einem Heilsbringer.

Lorenz schätzt die weltweite Zahl der Anhänger auf über 200.000. Ihnen allen gemeinsam sei eine klare Abgrenzung zur Welt außerhalb der Shincheonji-Kirche. Er findet es gefährlich, wie stark die Bewegung die Mitglieder an ihre Gruppe binde und sie manipuliere. Kritiker würden als Teil des „Zeitalters der verdorbenen Menschheit“ bezeichnet.

Um neue Mitglieder zu gewinnen, biete die Bewegung Bibelkurse an, in denen die Teilnehmer intern aufsteigen können. Startpunkt dafür sei meistens ein unverbindliches Gespräch über einen Bibeltext oder eine theologische Predigt. Die Bibel bestehe aus zweigliedrigen Codes, die nur von Shincheonji entschlüsselt werden können, so die Lehre der Gruppe. Das alles ist bei der Pressekonferenz genauso wenig ein Thema wie die Berichte der Aussteiger.

Mir geht es nach über 90 Minuten Pressekonferenz – oder sollte ich besser Werbeveranstaltung sagen – anders als zweien der Fragesteller: Ich hätte da noch ein paar Fragen, die nicht beantwortet wurden. Es ist legitim, mit Pressekonferenz das eigene Image aufzupolieren. Aber die Strategie von Shincheonji war schon sehr durchschaubar. Die kritischen Fragen fehlten. Dafür habe ich wenige Stunden danach eine Mail im Posteingang. Darin wird das Bedauern ausgedrückt, dass nicht alle Fragen gestellt werden konnten. Dafür lädt mich die Gruppe zum persönlichen Gespräch ein. Es passt zum Bild, das Johannes Lorenz gezeichnet hat.

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3 Antworten

  1. Vielen Dank das ihr über Shinchonji berichtet
    ich komme aus Frankfurt am Main was eine Hochburg von denen ist ,und in der Zeit vor Corona wurden einige von meiner Gemeinde auch schon von denen angesprochen

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  2. Das hat alles mit christl. Liebe nichts zu tun. Das ist gefährlich und manipulativ. Sie missionieren aggressiv und sehr perfide, denn sie geben sich zuerst als etwas anderes aus, als sie sind: Ein Freund, Kulturverein, Kunstverein, Friedensbewegung, Frauen-Hilfs-Organisation. Sie sammeln die Daten und privaten Informationen von Leuten, denen sie zuerst lange Zeit vorgaukeln nur auf “Freundschaft” oder “kulturellen Austausch” aus zu sein. So erzählt man Ihnen Dinge, die man einer Sekte niemals erzählen würde. Leute, die auf diese Art missionieren, nennen sich “Schnitter”. Leute, die missioniert werden sollen, heißen “Früchte”. Dabei legen sie sogenannte “Früchteblätter” über die Leute an, die sie zur Mission ins Auge gefasst haben. Da notieren Sie alles, was sie über andere Menschen in Erfahrung bringen können – über die Familie, Finanzen, Berufliches, Gesundheitszustand, politische Auffassung, Haltungen, Lebensphilosophie. Die arbeiten wie ein Nachrichtendienst oder ein Geheimbund und versuchen alles zu unterwandern, indem sie sich alle als etwas anderes ausgeben als sie sind. Allein diese Lügen sind schon unchristlich genug, um zu wissen, dass man um diese Leute einen großen Bogen schlagen sollte. Später kommt es auch zu Bedrohung, emotionaler Erpressung und anderem, wegen Krankheiten wird man ausgelacht und “Selber-Denken” ist irgendwann verboten. Manche geben ihr ganzes Geld an die Sekte ab oder geben ihren Job auf, um für die Sekte zu arbeiten. Sie brechen Kontakt zu Freunden und Familie ab und widmen sich nur noch Aufgaben, die der Sekte helfen, sich auszubreiten.

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  3. Das hat alles mit christl. Liebe nichts zu tun. Das ist gefährlich und manipulativ. Sie missionieren aggressiv und sehr perfide, denn sie geben sich zuerst als etwas anderes aus, als sie sind: Ein Freund, Kulturverein, Kunstverein, Friedensbewegung, Frauen-Hilfs-Organisation. Sie sammeln die Daten und privaten Informationen von Leuten, denen sie zuerst lange Zeit vorgaukeln nur auf “Freundschaft” oder “kulturellen Austausch” aus zu sein. So erzählt man Ihnen Dinge, die man einer Sekte niemals erzählen würde. Leute, die auf diese Art missionieren, nennen sich “Schnitter”. Leute, die missioniert werden sollen, heißen “Früchte”. Dabei legen sie sogenannte “Früchteblätter” über die Leute an, die sie zur Mission ins Auge gefasst haben. Da notieren Sie alles, was sie über andere Menschen in Erfahrung bringen können – über die Familie, Finanzen, Berufliches, Gesundheitszustand, politische Auffassung, Haltungen, Lebensphilosophie. Die arbeiten wie ein Nachrichtendienst oder ein Geheimbund und versuchen alles zu unterwandern, indem sie sich alle als etwas anderes ausgeben als sie sind. Allein diese Lügen sind schon unchristlich genug, um zu wissen, dass man um diese Leute einen großen Bogen schlagen sollte. Später kommt es auch zu Bedrohung, emotionaler Erpressung und anderem, wegen Krankheiten wird man ausgelacht und “Selber-Denken” ist irgendwann verboten. Manche geben ihr ganzes Geld an die Sekte ab oder geben ihren Job auf, um für die Sekte zu arbeiten. Sie brechen Kontakt zu Freunden und Familie ab und widmen sich nur noch Aufgaben, die der Sekte helfen, sich auszubreiten.

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