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„Die Menschen wissen oft nicht, worauf sie sich einlassen“

Eine E-Mail im Posteingang vom Pressesprecher der Shincheonji Kirche Jesu: Er beschwert sich, dass die Bewegung fast durchgängig negativ dargestellt werde und bietet an, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. PRO hat bei einem Experten nachgefragt, was sich hinter der Bewegung verbirgt.
Von Johannes Blöcher-Weil
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Proteste gegen die Shincheonji-Bewegung
Immer wieder gibt es weltweit Proteste gegen die Shincheonji-Bewegung

Die Shincheonji Kirche Jesu gilt als eine der am schnellsten wachsenden Religionsgemeinschaften weltweit. Allein 2019 gewannen sie nach eigenen Angaben über 100.000 Gläubige. Die Bewegung leidet nach Angaben ihres Pressesprechers darunter, dass sehr einseitig und diffamierend über die Glaubensgemeinschaft berichtet und den sogenannten Aussteigern vertraut werde. So hat der Hessische Rundfunk Aussteiger zu Wort kommen lassen, die die Methoden der Bewegung anprangern.

PRO ist der Sache auf den Grund gegangen und hat mit einem Experten über die Gefahren und Entwicklungen innerhalb der Sekte gesprochen. Die Möglichkeit zu einer eigenen Stellungnahme ließ der Pressesprecher verstreichen.

PRO: Herr Lorenz, wer und was verbirgt sich hinter Shincheonji?

Johannes Lorenz: Shincheonji ist eine Neuoffenbarungsreligion aus Südkorea. Der Name bedeutet „Neuer Himmel und neue Erde“. An der Spitze der weltweit verbreiteten Gemeinschaft steht Man Hee-Lee. Er versteht sich selbst als der in der Offenbarung des Johannes angekündigte Pastor der Endzeit. Er hält sich für denjenigen, der das Werk Gottes vollendet, was vor ihm die Kirchen nicht geschafft hätten. Alles ist auf ihn als Retter ausgerichtet. Die Gemeinschaft organisiert sich in Stämmen und möchte analog zu den zwölf Stämmen Israels die zwölf Stämme bis zum endgültigen Endgericht wieder versammeln.

Einige Experten sind zurückhaltend mit dem Wort „Sekte“: Handelt es sich um eine?

Wenn man unter Sekte eine konfliktträchtige Gemeinschaft versteht, die sich nach außen abschottet, ein starkes Schwarz-Weiß-Denken praktiziert, sich stark an einem auserwählten Heilsbringer orientiert und kritisches Denken als Einflussnahme Satans gedeutet wird, dann schon. Ich stimme allerdings zu, mit dem Begriff vorsichtig umzugehen. Der Sektenbegriff verhindert den Dialog, den man auch mit konfliktträchtigen Gemeinschaften führen muss: in aller Vorsicht und mit klarer Benennung der schwierigen Punkte.

Wie viele Anhänger hat Shincheonji weltweit und in Deutschland?

Das ist schwer zu sagen. In Deutschland, wo die Gruppe seit etwa 2006 aktiv ist, sind es maximal 3.000 Anhänger. Das ist aber eine grobe Schätzung, weil wir über keine Zahlen verfügen. Die großen Gemeinden sind in Frankfurt und in Berlin mit jeweils 500 Anhängern. Ansonsten verteilen sich die Gemeinden unter anderem auf Essen, Stuttgart, Marburg oder Leipzig. Weltweit schätzen wir die Größe auf über 200.000.

Gibt es weltweit geographische Hochburgen?

Natürlich Südkorea und in Teilen der USA, Kanada, Indien, Südafrika und Japan. Man muss wissen, dass speziell Europa als der schwarze, also zu remissionierende Kontinent angesehen wird, nicht nur bei Shincheonji. Deshalb gibt es auch Gemeinden in Spanien, Österreich und den Niederlanden.

Warum hat die Bewegung einen so großen Zulauf?

Die Bewegung wirbt mit Bibelkursen. Das wirkt auf den ersten Blick völlig harmlos. Gerade unter jungen Menschen scheint es ein großes Interesse zu geben, sich mit diesem wichtigen Buch auseinanderzusetzen. Zudem suchen viele Menschen nach Halt und Orientierung. Shincheonji bietet da, zumindest vordergründig, eine glasklare Haltung an. Sie besteht besonders darin, sich komplett von der Außenwelt abzugrenzen und einen ausgesprochen scharfen Dualismus zu vertreten. Das schafft erst einmal klare Fronten. Alle – bis auf mich – sind vom Satan besetzt und nur wir gehören zu einem auserwählten Rest.

Warum gelingt es ihren Anhängern so gut, die Menschen einzufangenund zu binden?

Freundliche, meist junge international interessierte Menschen sprechen junge Menschen an und versprechen durch ihre Freundlichkeit, die nicht zwangsläufig vorgespielt ist, eine neue Gemeinschaft. Dort wird nach ihren Aussagen der echte Glaube an Gott, das richtige Bibelverständnis und die einzige Wahrheit gelehrt und gelebt. Das macht Eindruck und trägt zur Identitätsstiftung bei. Natürlich nur vermeintlich, weil der Preis hoch ist.

War die Pandemie hilfreich für die digitale Strategie?

Ich denke schon. Shincheonji ist missionarisch sehr aktiv unterwegs auf Tandem- und Dating-Plattformen, wie zum Beispiel „Himmlisch plaudern“. Auch Social Media sind ein wichtiger Faktor. Viel passiert über Zoom, Kennenlern-Treffen und Gottesdienste. Man kann sagen, dass die regionale Bindung der Gruppen etwas offener geworden ist, plötzlich hat man ein neues Mitglied aus einer Stadt, in der es vor Ort überhaupt keine „Gemeinde“ gibt.

Ist die Bewegung gefährlich?

Das hängt davon ab, was Sie unter gefährlich verstehen. Juristisch gibt es nichts nachweisbar Gefährliches. Bis auf den Fall der verhinderten Zusammenarbeit der Gemeinschaft mit dem südkoreanischen Staat, was im Frühjahr 2020 bekanntlich ein wichtiger Treiber der Coronapandemie in Südkorea wurde. Körperliche Verletzungen und anderweitige juristisch gewichtige Vorkommnisse sind mir nicht bekannt. Allerdings halten wir Weltanschauungsbeauftragte es für äußerst bedenklich, wie stark man als Mitglied an die Gruppe gebunden werden soll. Es gibt keinen Spielraum mehr für die persönliche Freiheit, für ein persönliches und individuelles Auseinandersetzen mit den Inhalten der Gruppe. Komm zu uns oder sei vom Teufel, so in etwa muss man die Logik verstehen. Hinzu kommt eine „Theologie“, die davon lebt, den Mitgliedern Angst vor Dämonen und dem Teufel zu machen. Jedes Mitglied muss einen Eid ablegen, wo man unterschreibt, dass man dem Wort des Teufels, das im Netz verbreitet wird, nicht glauben werde oder dass man sich wie Jesus erniedrigen solle. Das soll Menschen unterwürfig machen und es macht sie manipulierbar. Außerdem kritisieren wir, dass Shincheonji sich scheinbar für Ökumene und interreligiösen Dialog einsetzt. Wenn man die internen Schriften kennt, ist das jedoch nur Fassade.

Kann man die Argumentation der Sekte so schwer widerlegen?

Nein, darum geht es nicht. Aber man ist als jemand, der dies versucht, einer von der Gegenseite und damit schon disqualifiziert. Laut Shincheonji bin ich Teil des „Zeitalters der verdorbenen Menschheit“, in dem wir gerade leben. Das ist die Logik fundamentalistischen Denkens. Außerdem kommt man mit exegetischem Wissen auch nicht sonderlich weit. Der Graben zwischen einer theologischen Argumentation – auch mit philosophischen Mitteln – und den Vorstellungen von Shincheonji ist ziemlich tief.

Was wissen Sie über die Inhalte der Bibelkurse?

Die Bibelkurse werden in verschiedenen Stufen gelehrt. Man steigt mit der Höhe der Bibelkurse intern auf. Meist beginnt der Einstieg mit einem unverbindlichen Gespräch über einen biblischen Text, eine Predigt oder einen Vortrag zu einem theologischen Thema. Dann wird man zu einem Einsteigerkurs eingeladen. Es folgt dann ein dreigliedriger Kurs. Inhaltlich geht es um ein eigenwilliges Bibelverständnis: Die Bibel besteht ihnen zufolge aus zweigliedrigen Codes, die nur von Shincheonji entschlüsselt werden. Dann geht es darum, Man Hee-Lee als Pastor der Endzeit zu begreifen und zu sehen. Finanziert wird das Ganze über Spendengelder und über die Abgabe des Zehnten.

Welche Tipps geben Sie, um sich vor der Bewegung zu schützen?

Man muss keine Angst vor Shincheonji haben. Es gilt, genau hinzusehen und lieber nochmals nachzufragen, wenn man sich für einen Bibelkurs entscheidet oder von einer Person für ein unverbindliches Gespräch eingeladen wird. Es gibt zahlreiche Tarnorganisationen. Auch da gilt es, genau hinzusehen, bevor man sich auf etwas einlässt. Wichtig ist uns, dass jeder weiß, worauf er sich einlässt, wenn er sich für die Gemeinschaft entscheidet. Aber genau das passiert häufig nicht.

Wie kann der Ausstieg gelingen?

Mit einem stabilen Umfeld, das den Ausstieg sozial abfedert. Wer alles abbricht und dessen Angehörige auch nicht irgendwie versuchen, den Kontakt zu halten, wird es schwerer haben. Es gibt Fälle, da steigen Menschen früh wieder aus, nachdem sie erfahren haben, wo sie gelandet sind. Manche lassen sich aber ihr komplettes Leben so sehr von der Gemeinschaft diktieren, dass es schwer wird. Dann kann es vorkommen, dass eine Krise – etwa eine Depression, Angstzustände, Erschöpfung oder eine Krankheit – ein Umdenken bewirkt. Wichtig ist: Man sollte sich seine Kritikfähigkeit beibehalten.

Was passiert mit den Aussteigern?

Sie zählen als Abtrünnige, die sich auf die Seite des Bösen haben ziehen lassen. Damit müssen die Aussteiger umgehen können. Viele haben Gewissensbisse. Daran sieht man, wie schnell die Logik des Dualismus von Gut und Böse Wurzeln schlägt. Manchen wird auch nachgestellt und sie werden mit Nachrichten überflutet, warum sie nicht mehr kommen und mit wem sie Kontakt hatten. Es kommt auch vor, dass Mitglieder vor der Wohnungstür stehen und das Gespräch suchen. Man muss wissen: Viele glauben wirklich daran, dass sie gegen Satan kämpfen, das ist nicht einfach nur durchdachtes Manipulieren

Warum hat die Bewegung eine solche Kraft zu manipulieren?

Weil sie einen bestechenden Dualismus pflegt. Durch die Internationalität, die Gemeinschaft und das Miteinander erzeugt sie ein gutes Gefühl. Ich will im Übrigen nicht in Abrede stellen, dass die Gefühle echt sind. Es ist einfach schön zu wissen, dass man auf der richtigen Seite des Lebens steht, während alle anderen im Dunkeln wandeln. Vielleicht schafft sie es auch, die Sinnsuche moderner Menschen geschickt biblisch zu bedienen. Viele Menschen sind auf dieser Suche, wenn sie sich der Gemeinschaft zuwenden. Die Bindung führt meines Erachtens aber nicht in die Freiheit, sondern in die Abhängigkeit, Angst und Unfreiheit.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Johannes Lorenz ist Studienleiter für Weltanschauungsfragen und Lebenskunst sowie Weltanschauungsbeauftragter des Bistums Limburg. Er hat die Fragen schriftlich beantwortet.

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9 Antworten

  1. Ich finde es wichtig, neue Geschwister frühzeitig darin zu unterweisen, dass es immer gefährlich ist, wenn in einer Gemeinschaft plötzlich Menschen neben oder gar anstelle von Christus als “Mittler” treten.

  2. Ich habe einen Freund, der dieser Kirche anhängt. Es ist wirklich heftig, wie schnell sich die Werte verschieben und man plötzlich nicht mehr Jesus Christus sondern einem Menschen nachfolgt. Ich hoffe eigentlich auf das recht hohe Alter Ihres ‘Erlösers’. Sein Tod könnte für viele eine Zäsur bedeuten!

  3. In dem Artikel vermisse ich potentiell gelehrte Inhalte die möglicherweise unbiblisch sind. Werden denn unbiblische Dinge gelehrt?

    1. Da wäre z.B. die Tatsache, dass Man Hee-Lee sich für den Vollender von Gottes Werk aus der Offenbarung ausgibt. Schon allein das ist unbiblisch. Jesus selbst warnt davor, dass solche Menschen kommen werden und nennt sie “Lügenpropheten”. Seine ausdrückliche Anweisung ist: “Glaubt ihnen nicht!”. Dann wäre da noch die Behauptung, die Bibel bestünde aus Codes, die nur von Anhängern dieser Gemeinschaft enschlüsselt werden könnten. Auch dies ist eindeutig unbiblisch und wird gerne in esoterischen Sekten verbreitet. Schließlich ist da noch der Personenkult: Nur wer Man Hee-Lee nachfolgt, wird auch gerettet.

      Das wären nur drei von vielen Punkten, in denen dieser Mensch und seine Gemeinschaft der Bibel und den Worten Jesu widersprechen. doch damit dürfte die Frage beantwortet sein…

  4. Es ist ganz wichtig das die zu Shincheonji Seminaren eingeladenen Kirchen Leute dort nicht hin gehen, da das eine Prophezeiung von Hee Man Lee, mit der er nach innen seine Anhänger noch enger an seine Sekte binden will! Er sagt in dem die Pastoren anderer Kirchen Kommen erfüllt sich ein weiter Teil der Offenbarung!

  5. Es ist ganz wichtig das die zu Shincheonji Seminaren eingeladenen Kirchen Leute dort nicht hin gehen, da das eine Prophezeiung von Hee Man Lee ist, mit der er nach innen seine Anhänger noch enger an seine Sekte binden will und noch mehr abhängig von dieser Sekte machen will! Er sagt in dem die Pastoren anderer Kirchen Kommen erfüllt sich ein weiter Teil der Offenbarung 7:9-14! Alle Menschen ausserhalb Shincheanji sind vom Geist Satans besessen und müssen missioniert werden, wenn das nicht möglich ist sind sie Satans Brut und man muss abstand von diesen Menschen nehmen, das ist die kranke Lehre von Hee Man Lee die schon tausende Freundschaften, Familien und Ehen zerstört hat!!!

  6. Es ist ganz wichtig das die zu Shincheonji Seminaren eingeladenen Kirchen Leute dort nicht hin gehen, da das eine Prophezeiung von Hee Man Lee ist, mit der er nach innen seine Anhänger noch enger an seine Sekte binden will und noch mehr abhängig von dieser Sekte machen will! Er sagt in dem die Pastoren anderer Kirchen Kommen erfüllt sich ein weiter Teil der Offenbarung 7:9-14! Alle Menschen ausserhalb Shincheonji sind vom Geist Satans besessen und müssen missioniert werden, wenn das nicht möglich ist sind sie Satans Brut und man muss abstand von diesen Menschen nehmen, das ist die kranke Lehre von Hee Man Lee die schon tausende Freundschaften, Familien und Ehen zerstört hat!!!

  7. Hee Man Lee lehrt das alle Menschen außerhalb Shincheonji den Geist Satans in sich haben und in Satans Welt leben. Nur wer am Fließband Hee Man Lee`s göttliche Worte hört, dessen Guter Geist wird anfangen zu leben und hat nur dadurch die Möglichkeit ewiges Leben zu erlangen. Deshalb müssen alle Menschen missioniert werden und wenn das nicht geht muss man sich von diesen Menschen fern halten da sie mit Satan sind. Diese falsche Lehre hat auf der ganzen Welt schon viele tausende Freundschaften, Familien und Ehen zerstört. Man kann nur hoffen das dieser selbsternannte unsterbliche über 90 Jährige neue Johannes sehr bald den Weg alles Irdischen geht und seine Anhänger schnell wieder in ein normales Leben zurückfinden!

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