Rezension

Seelsorger in Schutzweste

Ein Seelsorger an der ukrainischen Front, der Soldaten mit Bibelversen ermutigt und dabei sein eigenes Leben riskiert. Eine inspirierende und ermutigende Geschichte eines Familienvaters aus Nordrhein-Westfalen.
Naemi Frick
Ukraine, Manuel Weber, Kugelsicherer Prediger

In seinem Buch „Der kugelsichere Prediger“ erzählt Manuel Weber von seinem ehrenamtlichen Dienst in der Ukraine, der ihm auch den genannten Titel eingebracht hat. Weber setzt sich vielseitig für die hilfsbedürftigen Menschen in der Ukraine ein: Er verteilt Güter an Zivilisten, organisiert Autokäufe und -transporte, um diese an die Front zu bringen, und besucht dort Soldaten, denen er Hoffnung weitergeben will. Sein Antrieb dabei: der Glaube an Jesus Christus. Obwohl sein Dienst in der Ukraine außergewöhnlich ist und für viel Medienaufmerksamkeit sorgt, ist Weber wichtig zu betonen: Es ist Gottes Werk.

„Ich möchte in diesem Buch nicht über meine Erfolge berichten, sondern über Gottes Gnade.“

Manuel Weber lebt mit seiner Frau und den vier Söhnen im Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen. Der studierte Sozialarbeiter hat bereits viel ausprobiert: Profi-Quadfahrer als Jugendlicher, Bandmitglied, Vertriebsleiter, Selbstständigkeit im Terrassenbau. Dabei spielte sein christlicher Glaube schon von klein auf eine große Rolle für ihn: Seine Familie hat christliche Nächstenliebe praktisch gelebt. Menschen wurden aufgenommen und versorgt, Geld in Hilfsprojekte gesteckt. Auch sein eigener Gerechtigkeits- und Helferdrang war schon als Jugendlicher stark ausgeprägt, so beschreibt er es.

Er erzählt von tiefen Krisen, die ihn letztlich im Glauben haben wachsen lassen. Erst die Arbeitslosigkeit, nachdem er und sein Vater die eigene Firma verloren haben, dann eine tiefe Ehekrise. Durch all die Zeit trägt ihn Gott und auch seine Gemeinde, die ihm zuspricht: „Gott hat etwas Neues, Großes mit dir vor.“ So sollte es auch kommen.

Einige werden sterben

Seine Gemeinde engagierte sich schon immer intensiv für Geflüchtete, weshalb auch Weber und seine Familie oft Flüchtlinge bei sich aufnahmen. Als der Krieg in der Ukraine ausbricht, beginnt Weber, Hilfsgüter in die Ukraine zu transportieren und Geflüchtete auf dem Rückweg nach Deutschland mitzunehmen. Doch dabei bleibt es nicht. Seine Bekanntschaft mit einem ukrainischen Pastor, der regelmäßig an die Front fährt, ändert auch Webers Einsätze. Er begibt sich mitten ins Kriegsgebiet.

Dort erlebt er die Kämpfe hautnah. In einer Gruppe von ukrainischen Pastoren ist er der einzige ohne theologische Ausbildung. Trotzdem ist gerade er dafür zuständig, den kämpfenden Soldaten Mut zuzusprechen. Weber trifft Soldaten, teilt Bibelverse und betet mit den Kämpfern. So auch im ostukrainischen Lyman. Dort spricht er von einem Gott, der da ist und an den man sich mit jeder noch so kleinen Bitte wenden kann. Ihm ist bewusst, dass einige der Soldaten, zu denen er spricht, dort ihr Leben verlieren werden. Er möchte ihnen Gott nahe bringen. Wie ihm einer der Pastoren später mitteilt, habe er bei den Soldaten Eindruck hinterlassen und sie hätten zum ersten Mal in ihrem Leben verstanden, was Gebet sei. Das ermutigt ihn.

Der „kugelsichere Prediger“, wie er schnell genannt wird, beschreibt, wie sich sein Herz mehr und mehr für Menschen geöffnet hat. Dabei gehe es ihm nicht um die Staatszugehörigkeit. Wenn jemand Hilfe braucht, helfe er. Sein großes Vorbild: der barmherzige Samariter.

Dankbar sein und Privilegien nutzen

Dabei kämpft Weber selbst mit vielen Herausforderungen. Die ständigen Fahrten in die Ukraine rauben Zeit und Kraft. Die Umstellung, wenn er wieder in Deutschland ist und das drängendste Problem ein tropfendes Terrassendach ist: nicht einfach. Im dauerhaften Austausch mit ukrainischen Soldaten zu stehen und gleichzeitig auch für seine Familie da zu sein: oft eine Zerreißprobe. Doch in all dem gibt er nicht auf. Selbst wenn die Motivation mal der Verzweiflung weichen will, schöpft er Kraft aus Gott und macht weiter.

Manuel Weber ermutigt durch seine eigene Geschichte und Berufung Gottes, anzupacken. Egal wo und wie. Es braucht jeden, auch im Kleinen. Er wünscht sich, dass Christen dafür bekannt sind, Nächstenliebe ganz praktisch zu leben. Oft falle ihm auf, dass Christen, denen es sehr gut geht, deswegen ein schlechtes Gewissen haben – was sie jedoch lähme. Weber appelliert, dankbar zu sein aber seine eigenen Privilegien auch zu nutzen, um anderen zu helfen.

Seine Geschichte inspiriert dazu, als einfacher Mensch zu helfen und selbst in der größten Hoffnungslosigkeit einen Gott zu entdecken, der mitgeht. 

Manuel Weber/Hauke Burgardt: „Der kugelsichere Prediger“, Brunnen, 160 Seiten, 22 Euro

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