In der Debatte um die Inanspruchnahme einer Leihmutter durch Jens Spahn und dessen Mann hat Spahns Parteikollege Thomas Rachel (CDU) die ablehnende Position der CDU zu Leihmutterschaften betont. „Leihmutterschaft ist in Deutschland aus guten Gründen gesetzlich verboten“, sagte der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK) am Freitag dem Evangelischen
Pressedienst (epd). So solle es aus Sicht des Arbeitskreises auch bleiben, ergänzte er.
„Kommerzialisierung, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken müssen generell verhindert werden“, sagte Rachel, der auch Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit ist. Die CDU habe zu dem Thema „eine eindeutige Beschlusslage, nämlich die Ablehnung jeder Form von Leihmutterschaft aufgrund der gravierenden ethischen, rechtlichen und praktischen Bedenken gegen dieses Geschäftsmodell“.
Die CDU hatte auf ihrem jüngsten Parteitag auf Drängen der Frauen Union ihr Nein zur Legalisierung der Leihmutterschaft bekräftigt. Der EAK habe den Antrag „vollauf unterstützt“, sagte Rachel: „Die Selbstbestimmung endet dort, wo andere Menschen zum Mittel werden.“
Rücktrittsforderung aus Mecklenburg-Vorpommern
Die CDU Mecklenburg-Vorpommern fordert nun als erster Landesverband Spahns Rücktritt: „Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten“, sagte Landeschef Daniel Peters auf Anfrage von „ZDF heute“. Und weiter: Spahn habe als Fraktionsvorsitzender „eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union“. Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe er „sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“. Zudem nehme er für sich in Anspruch, als Privatperson ganz anders handeln zu können, als er als CDU-Mandatsträger abstimmt. „Das geht überhaupt nicht.“
Unabhängigen christlichen Journalismus häufiger bei Google sehen
PRO bei Google bevorzugen„Frauen dürfen weder zum Sex gekauft, noch als Brutkasten missbraucht werden“, sagte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen der Unionsfraktion im Bundestag, Mechthild Heil, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Heil sagte, die allermeisten Frauen seien „den Käufern dieser Ausbeutung nicht gleichgestellt“. Sie handelten aus finanzieller Not, physischer oder psychischer Abhängigkeit oder dem vermeintlichen Mangel an Alternativen. „Die wenigen selbstbestimmten Frauen, die unabhängig und frei entscheiden können, unterstützen am Ende aber auch dieses ausbeuterische System zwischen Kaufeltern und
Leihmüttern“, sagte sie und ergänzte: „Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab.“
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Spahn und sein Mann Eltern geworden sind, indem eine Frau in den USA das Kind ausgetragen hat. Weil dieses private Verhalten im Widerspruch zur Position der eigenen Partei und zu eigenen früheren Äußerungen Spahns steht, steht der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag auch parteiintern in der Kritik.