Ethiker Dabrock zu Vaterschaft von Spahn: „Gefühl der Betrübnis“

Jens Spahn und sein Mann sind Eltern geworden, mithilfe einer Leihmutter in den USA. Der evangelische Theologe Peter Dabrock findet das nicht nur aufgrund der früheren Position Spahns gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft „schwierig“.
Von: epd/Swanhild Brenneke
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Der evangelische Theologe und Ethiker Peter Dabrock hat den Umgang von Jens Spahn (CDU) und dessen Ehemann mit dem Thema Leihmutterschaft kritisiert. „Ich finde es bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen der Republik sich in diese rechtliche Grauzone begibt“, sagte der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dieses Verhalten sei „schwierig, selbst wenn man wie ich eine gewisse Offenheit für das Thema Leihmutterschaft hat“.

„Öffentliche Personen wie Jens Spahn haben auch eine öffentliche Verantwortung“, sagte Dabrock. „Es bleibt ein Gefühl der Betrübnis, dass sich jemand da etwas herausnimmt, weil er das Geld, die Position, die Möglichkeit dazu hat.“

Dabrock: Diskrepanz zwischen Politiker und Privatperson

Daniel Funke, Mann des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn, hatte am Mittwoch auf der Plattform Instagram ein Foto von sich und Spahn mit Kinderwagen und den Worten „We are family“ veröffentlicht. Der „Bild“ (Donnerstag) bestätigte Funke, dass das Kind von einer Leihmutter zur Welt gebracht wurde. Der Zeitung zufolge wurde das Kind in den USA geboren, wo Leihmutterschaft anders als in Deutschland erlaubt ist. Spahn wollte sich auf epd-Anfrage nicht äußern.

Spahn hatte in der Vergangenheit selbst die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland abgelehnt. Dabrock sagte dazu: „Ich tue mich schwer mit der hier offenkundigen Diskrepanz zwischen dem Politiker, der Regeln für andere mitgestaltet, und der Privatperson, die das überhaupt nicht schert.“

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Stellungnahme innerhalb der evangelischen Kirche in Arbeit

Der Erlanger Professor für Systematische Theologie ergänzte, es sei in diesem Fall auch „offensichtlich“, dass es um soziale und finanzielle Fragen gehe. „In Kalifornien eingegangene Elternschaften werden beispielsweise in Deutschland ohne Probleme anerkannt“, sagte er. Sie kosteten deutlich mehr als in der Ukraine vermittelte Leihmutterschaften, wo es entsprechende Rechtsabkommen nicht gebe. „Es geht hier also nicht nur um das Verständnis für ungewollt kinderlose und homosexuelle Paare, sondern auch um die Frage, wer sich das leisten kann“, sagte Dabrock.

Dabrock arbeitet gemeinsam mit anderen Expertinnen und Experten in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an einer Stellungnahme zum Thema Leihmutterschaft, die voraussichtlich in diesem Jahr fertig wird. „Wir brauchen zu dem Thema eine öffentliche Debatte“, sagte er. „Es ist nachvollziehbar, Schritte voranzugehen, wenn man dadurch etwas bewegen kann“, sagte er mit Blick auf Spahn und seinen Mann. „Wenn Jens Spahn die Leihmutterschaft abseits der Regeln aber für sich in Anspruch nimmt, ohne diese Debatte jetzt mit zu befördern, wäre das eine vertane Chance.“

Eine ähnliche Debatte lösten bereits auch der Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck (CDU) und sein Ehemann Paul Zubeil im Frühjahr dieses Jahres aus. Auch sie waren Medienberichten zufolge mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden.

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