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Protestanten und Katholiken sprechen nicht die gleiche Sprache

Protestanten und Katholiken unterscheiden sich darin, wie sie über Kirche und Glauben sprechen. Das offenbart eine Analyse von Radiopredigten.
Von Norbert Schäfer
Radiosendung
Germanistin Anna-Maria Balbach hat Radiopredigten beim WDR-Sender 1Live unter die Lupe genommen

Protestanten und Katholiken sprechen 500 Jahre nach der Reformation nicht die gleiche Sprache. Die Germanistin Anna-Maria Balbach hat in einer Wortuntersuchung von Radiopredigten unter anderem herausgefunden, dass Katholiken von „meine Kirche“ reden, während Protestanten allgemeiner und distanzierter von „der“ Kirche sprechen. Das Pronomen „meine“ deute auf eine hohe Identifikation mit der Kirche hin, erklärt Balbach in einem Interview mit katholisch.de.

In dem Forschungsprojekt unter dem Titel „Sprache und Konfession im Radio“ hat die Wissenschaftlerin der Universität Münster etwa 3.000 Radiopredigten der vergangenen zehn Jahre beim WDR-Sender 1Live untersucht.

Protestanten haben Bibel im Fokus

Dabei stellte sich heraus, dass in „vielen katholischen Radiobeiträgen deutlich wird, dass die Autorinnen und Autoren eine sehr enge Beziehung zur Kirche und zu ihrem Glauben haben“ und diesen immer wieder reflektierten. Anders bei den Protestanten. Die sprächen „nur selten über gesellschafts- oder kirchenkritische Themen“. Bei den evangelischen Autoren der Radiosendungen stünden „eher typisch religiöse Themen rund um die Bibel und ihre Auslegung für den Alltag im Fokus“, erklärte Balbach. Allerdings beinhalteten diese Beiträge weniger Persönliches.

Balbach konnte auch feststellen, dass in den evangelischen Beiträgen öfter auf die Bibel verwiesen wird. „Es werden im Schnitt doppelt so oft Bibelzitate verwendet oder Geschichten aus der Bibel thematisiert“, erklärt die Germanistin in dem katholisch.de-Interview. Als Grund führt die Wissenschaftlerin Luthers Grundsatz des „sola scriptura“ (Allein die Schrift) an, der der Bibel einen höheren Stellenwert einräume.

Es gibt aber auch eine Gemeinsamkeit. Über Jesus sprechen Protestanten und Katholiken etwa gleich viel. Protestanten allerdings öfter in der Weihnachtszeit, Katholiken mehr um Ostern.

Im Unterschied zu den evangelischen werde in den katholischen Radiopredigten ein sehr persönliches Gottesbild vermittelt, sagt Balbach. Bei evangelischen Predigten sei „Gott ein Handelnder in biblischen Geschichten“, der mit der eigenen Erfahrung nicht so eng verknüpft sei. Dagegen ließen katholische Radiopredigten „eine Diskrepanz zwischen kirchlicher Lehre und eigenem Glauben“ erkennen.

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3 Antworten

  1. Diese Untersuchung ist mal wieder viel zu wenig differenziert. Auch Freikirchen sind protestantische Kirchen und da spielt die persönliche Beziehung zum HERRN eine sehr, sehr große, sogar die entscheidende Rolle. Die sterbende EKD ist nicht die einzige protestantische Kirche, nicht einmal in Deutschland – und die Freikirchen sind, laut der selben Studie in ihren Mitgliederzahlen stabil. Das sind zwar absolut wenig Mitglieder z.B. in den EFG- oder BFP-Gemeinden, aber man trotzt dem Trend. Das hat sicher auch damit zu tun, daß es hier zwar einen Dachverband gibt, aber die Gemeinden vor Ort selbständig sind. Das ist bei der katholischen Kirche und der EKD ganz anders. Wer als Katholik Kirchensteuern zahlt, mästet auch den Apparat mit Bischöfen bis hin zum Papst mit dem Geld, wer als EKD-Mitglied Kirchensteuern zahlt, zahlt auch für all die linke Folklore mit, die mit der Verkündigung nichts zu tun hat, z.B. Genderideologiezentrum in Hannover und die Schlepperorganisationen auf dem Mittelmeer, während man verfolgte Christen z.B. in Indien, China oder Nordkorea nicht auf dem Schirm hat. Es ist wie in der Politik, je größer eine Organisation ist, je weiter das Machtzentrum entfernt ist, umso ohnmächtiger fühlt man sich darin, umso geringer ist die persönliche Bindung an “die Kirche”. Der Freikirchler spricht auch von “seiner Gemeinde”, das ist nahe, da kann man sich einbringen, da bleibt das Geld aus Spenden und Kollekten vor Ort, wenn damit wie in den großen Kirchen umgegangen würde, wären die Gemeinden längst pleite.

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    1. Ihre Kritik mit den zahlreich aufgeführten Themen nennen wir hier im Norden den “Ellerbeker Rundschlag”, ein bißchen weniger hätte es auch getan. In einem Punkt haben Sie falsche Informationen: Die Gehälter der ev. und kath. Bischöfe werden laut dem Staatsvertrag der Weimarer Republik mit den Kirchen aus öffentlichen Steuermitteln gezahlt, somit nicht aus Mitteln der Kirchensteuer. Zu Ihrem Lob auf die Freikirchen: Die Evangelikalen in den Freikirchen leben offen ihre Rechthaberei und die Ablehnung der Meinung anderer aus. Das gipfelt dann in Äußerungen wie: “Der Andersdenkende ist der Feind Gottes!”
      Und das finde ich überhaupt nicht toll.

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  2. Mal wieder ein Musterbeispiel dafür, dass Kommentare auch eine Andernanderreihung von Vorurteilen und Pauschalierungen sein können. Detailwissen ist jedefalls in keinem Satz erkennbar. Mein Tipp für H. Neumann: “Lesen bildet”. Nutzen Sie die Gelegenheit und legen Sie sich doch einfach selbst ein gutes Buch auf den Gabentisch. Frohes Fest!

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