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Nachkommen Luthers: Der Glaube fällt nicht weit vom Stamm

Martin Luther hat nicht nur die Kirchengeschichte enorm beeinflusst, sondern auch unzählige Nachkommen. Die „Lutheriden“ treffen sich regelmäßig, um ihr gemeinsames Erbe zu feiern. Mit dabei: Der Landeswahlleiter Sachsens.
Von Jörn Schumacher

Foto: Klaus Held / Lutheriden-Vereinigung e.V.

Dieses Foto entstand auf dem Familientreffen der Lutheriden-Vereinigung e.V. vom 9. bis 11. September 2022 in Gotha

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieses Zitat wird dem Reformator Martin Luther zugesprochen. Ob der jemals einen Baum pflanzte, ist nicht überliefert. Was aber offensichtlich ist: Luther und seine Frau Katharina von Bora hinterließen einen weit verzweigten Stammbaum. Nachfahren Luthers halten im Verein der „Lutheriden“ das Gedächtnis wach. Und dabei geht es zentral auch um dessen befreiende Botschaft vom Evangelium.

Mit seinen 95 Thesen begründete Martin Luther (1483-1546) den Protestantismus und veränderte die Geschichte. Tatsächlich gibt es zahlreiche Nachfahren des berühmten Reformators auf der ganzen Welt. Die Familien-Vereinigung der „Lutheriden“ will den Geist und die Theologie Martin Luthers erhalten und die familiären Kontakte pflegen. Rund 250 Mitglieder hat der Verein, sie kommen hauptsächlich aus Deutschland, aber auch Ländern wie den USA, Großbritannien oder Australien.

Alle zwei bis drei Jahre treffen sich die Lutheriden bei einem großen Familientreffen. Das letzte fand im September 2022 in Gotha statt. Dabei geht es nicht nur um die Abstammung Luthers, sondern auch um seine weltverändernde christliche Botschaft. Gegründet wurde die Vereinigung der Lutheriden 1926 von Pfarrern in Eisenach. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft sind zweierlei Dinge: Man muss nachweisbarer Nachfahre Martin Luthers sein und einer christlichen Kirche angehören. Auf den Treffen, die immer mit einer Andacht beginnen, gibt es einen Festgottesdienst, viele Lieder Luthers werden gesungen. Das nächste Treffen ist für 2024 in Nürnberg geplant und für 2026 in Eisenach – dann wird das 100-jährige Bestehen der Vereinigung gefeiert. Mittlerweile werden in den Verein, der als Wappen die Luther-Rose hat, auch die Nachkommen der Geschwister Martin Luthers mit aufgenommen, und sogar die Verwandten der Großeltern von Luther oder Katharina von Bora. Der Kreis ist also mittlerweile weiter gefasst.

Wer wissen will, ob er verwandt ist mit Luther, kann kostenpflichtig eine Analyse durchführen lassen. Der Lutheride Wolfgang Alt, emeritierter Mathematik-Professor aus Bonn, hat mittlerweile so viele Nachfahren gefunden, dass im aktuellen, vier Bände umfassenden Stammbuch stattliche 26.000 Namen aufgelistet sind.

Landeswahlleiter von Sachsen ist Lutheride

Einer dieser Namen lautet Martin Richter. Der 49-Jährige ist seit 2019 Mitglied im Verein und Beisitzer im Vorstand. Er ist zwölffacher Urenkel von Martin Luther und darauf auch ein wenig stolz. Richter, der nicht nur Rechtswissenschaften, sondern auch Theologie studierte, ist selbst seit 2006 Prädikant der evangelisch-lutherischen Kirche, hält also ehrenamtlich Predigten, und sitzt im Kirchenvorstand seiner Gemeinde.

Richters Lebensweg ist gleich in mehrfacher Hinsicht mit Luthers Familie verknüpft. „Ich stamme von Luthers fünftem Kind Paul ab“, sagt Richter gegenüber PRO. Der war ein bedeutender Mediziner, der von 1533 bis 1593 lebte, er war Leibarzt sowohl am brandenburgischen als auch am sächsischen Hof, daher weiß man relativ viel über ihn.

Richter, gebürtig aus Döbeln in Mittelsachsen, war zunächst sieben Jahre Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im sächsischen Dippoldiswalde und sechs Jahre in der Landessynode der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens. Von 2010 bis 2021 war er Geschäftsführer des Studentenwerkes in Dresden. Er habe immer eine Nähe zu den Themen Soziales und Hochschule gehabt, sagt Richter und fügt schmunzelnd hinzu, das decke sich ja ein wenig mit dem Engagement seiner bekannten Vorfahrin.

Luther kann man nur aus dem Glauben heraus verstehen

„Katharina von Bora leitete sozusagen das erste Studentenwerk“, sagt Richter. „Sie bewirtschaftete im ehemaligen Augustinerkloster in Wittenberg Ländereien, betrieb Viehzucht und eine Bierbrauerei, um Luther, seine Studenten und Gäste zu verköstigen.“ Teilweise lebten im Hause von Luther und seiner Frau bis zu fünfzig Personen. Richter ist seit Juni 2021 Präsident des Statistischen Landesamtes in Sachsen, das gekoppelt ist mit dem Amt des Landeswahlleiters. Er wohnt in Burkau in der Oberlausitz, ist verheiratet und hat drei Kinder. Auch sein eigener Vorname sei von seiner Mutter bewusst so gewählt worden, die von Luther abstammt, sagt Richter. „Und das zu einer Zeit, als der Name Martin in der DDR als völlig altmodisch galt.“

Aber vor allem theologisch fühlt sich Richter eng mit seinem berühmten Vorfahren verbunden. „Im Kern ist für mich seine Rechtfertigungslehre am wichtigsten“, sagt Richter. „Mich fasziniert bei Luther am meisten das befreiende Erlebnis des Glaubens. Er, der die Angst existenziell durchlitten hat, hat erlebt, wie ihn das Evangelium frei gemacht hat.“ Es gebe ja gerade in letzter Zeit viele neue biografische Ansätze zu Luther, einen sozialpolitischen oder sogar einen psychoanalytischen.

Doch für Richter steht fest: „Wenn man Luther verstehen will, muss man ihn von seinem Glauben her verstehen. Und das Spannungsfeld zwischen Sünde und Gnade „simul iustus et peccator“ – wir sind immer Gerechte und Sünder zugleich.“ Dann tritt ganz der Prediger in Richter hervor: „Ich kann und muss jeden Abend unter das Kreuz kriechen.“ Der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel Martin Luthers fügt hinzu: „Ich kann mich noch so sehr bemühen, aber ich bin immer fehlbar. Ich bin nur erlöst aus dem empfangenen neuen Leben heraus, mein Bemühen ist nicht die Voraussetzung für meine Errettung. Diese Botschaft Luthers macht auch mich frei.“

Ob da seine Verwandtschaft vielleicht eine gewisse Luther-Nähe von selbst mit sich bringt? „Ich habe eine gewisse Skepsis gegenüber der liberalen Theologie, ja“, gibt Richter lachend zu. Außerdem gefalle ihm die gute Verständlichkeit Luthers, selbst wenn man ihn im Original lese. „Er schreibt sehr direkt und wenig verschwurbelt, er schreibt so, dass man es versteht. Das sollte bei einer Predigt ja auch so sein.“

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2 Antworten

  1. Auch als Otto Normalverbraucher und ” Otto – Normal Christ ” freue ich mich mit den Lutheriden , daß ich mich auch zu Lutherranere Christen hingehörig fühle !

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