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Bibelspruch auf Humboldt-Forum soll nachts überstrahlt werden

Der Bibelspruch und das Kreuz auf der Kuppel des Humboldt-Forums in Berlin sorgen seit Jahren für Streit. Nun sollen Texte aus dem Grundgesetz und der Menschenrechtserklärung sie nachts überblenden.
Von Jörn Schumacher
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Berliner Schloss, Humboldt-Forum
Kuppel des Anstoßes: Kritiker halten das blaue Spruchband mit Bibelversen, das um die Kuppel läuft, inhaltlich für problematisch – vor allem im Zusammenhang mit dem Inneren des Gebäudes

Umstritten war das Humboldt-Forum in Berlin schon seit den Planungen. Das historische Schloss der Kurfürsten und preußischen Könige und schließlich des deutschen Kaisers wurde Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet und war einer der prominentesten Bauten in der Mitte der Stadt. Eine moderne Rekonstruktion mit zumindest dem Nachbau der historischen Fassade sorgte für Begeisterung bei den einen, und Skepsis bis Ablehnung bei anderen.

Besonders das christliche Kreuz auf der Kuppel sowie ein Bibelspruch waren zusätzlich Stoff für hitzige Diskussionen. Das weithin sichtbare rekonstruierte Spruchband besagt: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Die Worte sind aus zwei Bibelversen zusammengesetzt und waren auf Initiative von König Friedrich Wilhelm IV. auf der Kuppel angebracht worden. Sie gehörten somit zur historischen Rekonstruktion des neuen Gebäudes. Mit der Sprengung des Schlosses 1950 durch die Deutsche Demokratische Republik ging auch die Kuppel verloren. Im Mai 2020 wurde der Neubau des Schlosses, das nun Humboldt-Forum heißt, fertiggestellt und als Museum und Veranstaltungsort eröffnet. Der Wiederaufbau kostete 680 Millionen Euro. Ausgestellt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien – deren koloniale Aneignung teilweise genauso umstritten ist wie das Gebäude selbst.

Unterwerfung oder kultureller Bruch?

Kritiker bemängelten, der christliche Spruch zeuge von „christlichen Unterwerfungsfantasien“. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, soll er nun abgeändert werden. Der Generalintendant des Humboldt-Forums, Hartmut Dorgerloh, sagte am Donnerstag, die Frage zu Kreuz und Kuppel müsse immer wieder neu gestellt werden, und es müssten „neue Antworten“ formuliert werden. Denn die Diskussion darum sei weiterhin „nicht befriedigt und nicht befriedet“. Das Humboldt-Forum solle ein „weltoffener, demokratischer Debattenort“ sein, betonte Dorgerloh.

Nun soll die Idee der „Initiative Leuchtturm“ umgesetzt werden, um den Bibelspruch zumindest nachts zu verdecken. Eine LED-Installation soll vor das Spruchband gestellt werden und ihm „eine dauerhafte, positive und zeitgemäße Aussage entgegensetzen“: Texte aus dem Grundgesetz und der Menschenrechtserklärung, die sich als Laufschrift um die Kuppel ziehen. Hinter der „Initiative Leuchtturm Berlin“ stehen der Informatiker Sven Lochmann und der Jurist Konrad Miller.

Wilhelm von Boddien, der mit seinem Förderverein Berliner Schloss die über 100 Millionen Euro Spenden gesammelt hat, reagierte laut der Süddeutschen Zeitung empört auf den Vorschlag. Er fürchte einen „kulturellen Bruch, wie wir ihn in unserer Geschichte noch nie hatten – die Herrschaft der Säkularisierung über unsere 2.000 Jahre alten Wurzeln im Christentum“, sagte er.

„Keine Distanzierung von Christentum“

Gegenüber PRO begründete der Pressesprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Michael Mathis, die Überlegungen so: „Das zusammengesetzte Bibelzitat kann als ein Aufruf verstanden werden, sich dem Christentum zu unterwerfen, und ist insofern für unser Haus problematisch.“ Er betont jedoch: „Das ist keine Distanzierung vom Christentum oder von der Bibel, sondern von dem politisch motivierten Unterwerfungsanspruch von Friedrich Wilhelm IV. von Gottes Gnaden“. Im Humboldt-Forum seien alle Weltreligionen vertreten. „Insofern ist da schon ein differenzierterer Blick geboten“, so Mathis. Es stehe aber nicht zur Diskussion, den Spruch oder das Kreuz wegnehmen zu wollen.

So stellt sich die „Initiative Leuchtturm Berlin“ die Leuchtschrift um die Kuppel des Berliner Schlosses vor

Die Idee sei dem Humboldt-Forum präsentiert worden, „und diesen Vorschlag finden wir grundsätzlich gut“, so Mathis. Nun werde geprüft, in welcher Form und in welchem Zeitrahmen er umgesetzt werden kann. Auch die verschiedenen Optionen, wie weitere, alternative Textvorschläge entstehen können, werden noch ausgelotet. Informationstafeln sollten zudem demnächst auf der Dachterrasse des Humboldt-Forums aufgestellt werden, welche die Kuppel und die Inschrift für Besucher historisch einordnen.

Mathis betonte, die Installation sei zunächst nur temporär angedacht. „Es geht keinesfalls um eine konstante Abänderung des Spruchs. Der wird nicht angefasst und tagsüber sowieso immer sichtbar bleiben.“ Auslöser sei nicht, wie Medien berichten, der neue Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. „Die Debatte um das Kreuz und die Kuppel führen wir schon lange. Erste Proteste gegen das Kreuz gab es schon 2017. Wir ahnten, dass es einen ähnlichen Streit um den Bibelspruch geben würde und starteten schon damals eine Diskussion.“

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8 Antworten

  1. Könnte man machen,
    z.B. diese Aussage des Grundgesetzes “Präambel” zum Strahlen bringen:
    “Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, …”

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  2. Mir gefällt das Überblenden nicht, weil das eine Wertentscheidung impliziert. Ich finde aber das Bibelwort und Menschenrechte wichtig und richtig. Warum nicht weitere Schriftzüge dazu einblenden? Zu anderen Zeiten haben manche ihr Heil in Menschen gesucht, das ging nicht gut. Unterwerfung gegenüber Gott hat mit Fantasie nichts zu tun sondern nur mit seiner faktischen Macht bei Jesu Wiederkunft, darf aber nicht mit falschen irdischen Herrschaftsansprüchen von christlichen Gemeinden gleichgesetzt werden.

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  3. Sollte man im Wechsel machen, beides zeigen und bitte beides auf Deutsch.
    Ich bin halb Engländerin, halb Deutsche, Den Engländern würde es nicht im Traum einfallen auf einem Gebäude ein deutsches Spruchband laufen zu lassen!

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  4. Der “Spruch” ist nur zu lang ! Der 1. Satz bis . . . Vaters. reicht völlig aus, denn auch hier gilt : In der Kürze liegt die Würze ! Natürlich soll der Bezug zur Bibel als Gottes Wort erhalten bleiben, oder soll das sog.
    ‘Christliche Abendland’ vollends demontiert werden ? Ohne Not ? Wozu ??

    (wozu soll die mail-adresse geheim bleiben ?)

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    1. Richtig Herr Kosinski, wie das heute so schön heisst: Ich bin völlig bei Ihnen.
      das Christliche Abendland wird sowieso schon überall demontiert. Nur ohne Es wären wir nicht da, wo wir heute sind und uns alle darum beneiden.

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  5. Mit friedlich versammelten und immer mehr werdenden Bürgern in einer Leipziger Kirche wurde letztendlich auch eine ehemalige demokratisch angehauchte Diktatur namens DDR überrascht . Ein eigentlich gut zu vermarktendes Modell auch für andere Staaten, um auf friedliche Weise eine Diktatur auszuhebeln. Anstatt das Spruchband zu über blenden sollte es auch nachts angestrahlt werden um der Verkündigung und Religionsfreiheit ( Matthäus 24, 18 – 20) Tag und Nacht alle Möglichkeiten der Ausbreitung zu ermöglichen.

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