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Mit Muslimen Weihnachten erleben

In ihrem neuen Buch geben Hanna Nouri und Heidi Josua Impulse zum interreligiösen Dialog. Etwa, wie man zu Weihnachten muslimischen Mitbürgern mit dem eigenen christlichen Glauben begegnen kann.
Von PRO
Weihnachten, Krippe, Jesus
Wie kann ein Gott als Kind geboren werden? Und warum stehen Ochse und Esel neben der Krippe? Und warum stellen Christen die geburt Gottes auf Bildern dar, obwohl sie sich kein Bildnis machen sollen? Fragen wie diese könnten Muslime Christen stellen.

Die meisten Menschen in Deutschland feiern Weihnachten. Es muss nicht immer aus religiösen Gründen sein, vielen gefällt auch einfach das Miteinander in der Weihnachtszeit, was durch das Fest und die Traditionen entsteht. Mit einem anderen Ansatz aber betrachten der evangelische Pfarrer und Islamwissenschaftler Hanna Nouri Josua und seine Frau Heidi Josua, Religionspädagogin und Islamkundlerin, das Thema in ihrem Buch „Weihnachten und Muslime“. Ihr Anliegen ist es, einen Bezug zwischen dem christlichen Weihnachten und muslimischen Mitbürgern zu schaffen. Und sie öffnen den Blick dafür, wie das Fest von ihnen wahrgenommen wird.

Dass es auch in den religiösen Texten von Christen und Muslimen inhaltliche Verbindungen gibt, verdeutlichen sie vor allem in den ersten Kapiteln ihres Buches durch konkrete Textstellen aus der Bibel und dem Koran. In einer wissenschaftlichen Analyse besprechen die Autoren Themen wie das Umfeld der Geburtsankündigung. Es geht um Orte, Personen, Namen und Titel wie Jesus (im Koran: Isa) und Messias (im Koran: al-Masih), die in beiden heiligen Schriften vorkommen, und um Parallelen und Unterschiede in der jeweiligen Darstellung. Das Buch umfasst noch weitere Motive rund um die biblische Weihnachtserzählung, die auch islamische Quellen aufgreifen, wie etwa die Engelserscheinung und die Bedeutung einer „unerhörten“ Schwangerschaft.

Weihnachten und Muslime, Hanna und Heidi Josua

Hanna Nouri und Heidi Josua: „Weihnachten und Muslime. Impulse zum interreligiösen Dialog“, EVA Leipzig, 224 Seiten, 18 Euro

Für Leser ohne theologische Kenntnisse könnten die analytischen Kapitel, die den größeren Teil des Buches ausmachen, etwas zu theoretisch sein, da sie sehr in die Tiefe gehen. Wer sich aber darauf einlässt, sich gut mit Bibelstellen auskennt und interessiert am Koran ist, findet hier detaillierte und gut aufbereitete Inhalte und wird einen horizonterweiternden Einblick erhalten über Bibel und Koran. Der wissenschaftliche Hintergrund ist aufschlussreich und bietet eine Grundlage für den konkreten Austausch mit Muslimen, um den es dann vor allem im letzten Kapitel geht. Dieser Ratgeberteil hätte auch noch umfassender sein dürfen.

Checklisten für ein gemeinsames Weihnachtsfest

Die Autoren machen deutlich, dass sich religiöse Feste dazu anbieten, mit Menschen einer anderen Kultur ins Gespräch zu kommen. Sie ermutigen dazu, Muslime zu Weihnachten einzuladen, in die Gemeinde oder auch privat nach Hause.

Dafür gibt es hilfreiche Checklisten. Zuerst sollte man sich über die Religion und Kultur der anderen Person informieren, um sich auch in ihre Perspektive hineindenken zu können und „Fettnäpfchen“ zu vermeiden, die die Gäste vor den Kopf stoßen könnten. Auch sollte man sich selbst die Frage stellen, ob man bereit ist und offen gegenüber der anderen Person, ihrer Religion und Kultur. Auch über die Art von Geschenken sollte man sich Gedanken machen, die nicht zu groß sein sollten, damit keine Verpflichtung für die Gäste entsteht.

Der Leser wird über viele Schritte an die Hand genommen, wie man Gäste empfangen und gemeinsam ein angenehmes Fest erleben kann. Zudem gibt es zahlreiche Hinweise dazu, über die eigene Kultur und Tradition sprechen und auch Bezüge zur orientalischen Lebenswelt herzustellen. Die Autoren werfen zudem Fragen auf, die Muslime Christen über die weihnachtlichen Traditionen stellen könnten, und helfen dabei, darüber Auskunft zu geben. Sie stellen auch einiges Material bereit von Einladungstexten bis Linksammlungen für zweisprachige Lieder und Literatur.

Gleichzeitig betonen die Autoren: „Eine Weihnachtsfeier darf nicht zu einem Missionierungs-Event werden. Das wäre ein Missbrauch der Gastfreundschaft. Es soll jedoch deutlich werden, dass Weihnachten ein Christus-Fest ist, dass er der Dreh- und Angelpunkt dieses Festes ist. Ohne die Botschaft von der Menschwerdung Gottes ergibt Weihnachten keinen Sinn.“

Heidi und Hanna Nouri Josua, Islamwissenschaftler

Dr. Hanna Josua ist Pfarrer evangelischer arabischsprachiger Gemeinden in Stuttgart und Süddeutschland und er leitet die Evangelische Ausländerseelsorge. Seine Frau Heidi ist Religionspädagogin und Islamkundlerin. Sie ist ebenfalls im interkulturellen Bereich und in der Flüchtlingsarbeit tätig.

Insgesamt bietet das Buch mit seinen theologischen und praktischen Inhalten einen großen Mehrwert für die, die gerne Menschen aus anderen Kulturen und Glaubensgemeinschaften in ihr eigenes Weihnachtsfest miteinbeziehen wollen. Aber auch Christen, die nicht das Ziel haben, Muslime direkt zum eigenen Weihnachtsfest einzuladen, können über religiöse Traditionen und Figuren aus der Bibel Interessantes erfahren. Die Leser können eine neue Sichtweise dazugewinnen, da viele Dinge rund um Weihnachten so selbstverständlich erscheinen, dass man sie selten bis gar nicht hinterfragt – ein Buch, das zum Nachdenken anregt und den Horizont über die eigene Tradition und Kultur hinaus erweitert.

Von: Chiara Hofmann

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3 Antworten

  1. Ohne die aus heidnischen Religionen übernommene Menschwerdung Gottes bleibt Gott (Jahwe) was er wirklich ist: immateriell (Geist), unsterblich, unsichtbar, Schöpfer statt Geschöpf, allmächtig. Das können Muslime dann auch eher annehmen. Trotzdem ist Jesus natürlich mehr als Muslime glauben – vor allem der Sohn Gottes und der Gesalbte Gottes.

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  2. “…aus heidnischen Religionen übernommene Menschwerdung Gottes..” Wieso aus heidnischen Religionen?
    Die Menschwerdung Gottes in Seinem Sohn Jesus Christus ist christlicher Glaube und kein anderer.

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    1. Vielleicht habe ich Sie, @Daniel F., aber falsch verstanden. Wenn Sie von “heidnischen Religionen” sprechen, dann aus Sicht der Muslime? Dann ergäbe Ihr Beitrag für mich Sinn. Dann: Sorry!

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